📚 Hundeerziehung und Nützliches

Abwechslungsreich Gassi gehen

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Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit der AGILA Haustierversicherung entstanden und enthält daher Werbung.

Normal kann ja jeder – Abwechslungsreich Gassi gehen

Jeder Hundehalter muss mehrmals täglich mit seinem Liebling Gassi gehen und nicht immer ist die Zeit für eine Riesen Runde. Aber muss es immer nur stumpfes spazieren gehen sein? Wie wäre es mit ein paar Ideen für abwechslungsreiches Gassi gehen? Denn der Spaziergang kann richtig viel Spaß machen und dem Hund jede Menge Auslastung bieten.

Gassi gehen mal anders – Auf die Auslastung kommt es an

Bei unserer verstorbenen Hündin hatte ich bei diesem Thema leider alles falsch gemacht. Als sie bei uns im Alter von 9 Jahren einzog, besorgte ich als erstes eine Ballschleuder, da ich im Netz überall lesen konnte, wie toll dieses gemeinsame Spielen ja doch sei. Darauf wollte ich natürlich nicht verzichten, immerhin kennt jeder von uns dieses Bild, wie Mensch und Hund fröhlich auf einer Wiese mit dem Ball spielen. Wie explosiv aber gerade dieses Thema werden kann, durfte ich am eigenen Leib erfahren, denn meine Maus entwickelte sich in kürzester Zeit zum Balljunkie und begann sich in ihrem Verhalten komplett zu verändern. Daher habe ich nach einem guten halben Jahr mit diesem „tollen“ Spiel aufgehört und begann nach wirklich auslastenden Alternativen zu suchen.

Als Reva dann einzog, entschied ich mich ganz bewusst gegen solche „Aufputsch“-Dinge und entwickelte eigene kleine Spielchen, die ich in unsere Spaziergänge einbaute. Diese nahm sie dankend an und es stärkte unsere Bindung um ein Vielfaches mehr, als es diese Ballspielchen je hätten tun können.

Wenn es um das Thema richtige Auslastung auf Gassigängen beim Hund geht, erlebt man oft kleine und große Diskussionen. Es gibt leider noch immer sehr viele Hundehalter die bei diesem Thema einfach nicht, oder stellenweise falsch informiert sind. Dabei bietet gerade dieses Thema für eigentlich jeden Hund, ganz egal ob Angsthund, Draufgänger, Einzelgänger oder neugieriger Welpe jede Menge Abwechslung und Spaß mit seinem Menschen. Hinzu kommt, dass es für die Bindung zueinander eine wirklich schöne und unterstützende Sache sein kann, wenn man es richtig macht. 

Auslastung? Ja gern, aber bitte richtig

Wenn man sich mit anderen Hundebesitzern über das Thema Auslastung beim Spaziergang austauscht, wird oft eines schnell klar: Noch immer greifen viel zu viele Hundehalter einfach nur zur Ballschleuder. Der Hund hetzt nach den fliegenden Bällen immer und immer wieder über die Wiese, bellt aufgeregt, wenn man nicht schnell genug ist und wirkt nach jedem Ball immer aufgedrehter. Kein Wunder, denn bei dieser „Jagd“ nach dem Bällchen schüttet er jede Menge Adrenalin aus und wird nach jedem Spielchen immer mehr zum Junkie. Er will immer mehr und mehr. Es gibt Hunde da geht das ganz schnell, da verändert sich dann auch das Verhalten. Er wirkt angespannter und genervt wenn man beim Spaziergang keinen Ball dabei hat, er wartet regelrecht darauf, beginnt vielleicht permanent alles anzubellen, was sich bewegt, da er ja gelernt hat, auf sich schnell bewegende Reize zu reagieren. Es gibt Balljunkies, die bellen sogar vorbeifahrende Autos oder Radfahrer an und wollen diese jagen. Nun sollte man sich also wirklich fragen, ob es nicht auch anders geht. Muss ein Hund wirklich ohne Ende hinter etwas herjagen um glücklich und ausgeglichen zu sein?

Natürlich gibt es aber auch Hunde die nur gelegentlich mal mit dem Ball spielen und meilenweit davon entfernt sind, ein Balljunkie zu werden. Es kommt halt wie immer auf das richtige Mass an. Hin und wieder mal ein kleines Spielchen mit dem Ball schadet nicht und wenn sich der Hundehalter richtig einbringt und nicht nur den Ball per Schleuder immer wieder weit weg wirft, kann ein richtiges schönes Spiel stattfinden und somit die Bindung stärken. Aber man muss trotzdem bedenken, dass hiermit nur der Körper ausgelastet wird und eben nicht der Kopf, und dass gerade dieser eine gute Auslastung benötigt.

Passt die Auslastung auf euren Hund an

Wenn man seinem Hund beim Spaziergang tolle Kopfarbeit bietet, kann dies viele positive Effekte auf ihn und die Bindung haben. Einen Jagdhund kann man mit sinnvollen Ersatz-Beschäftigungen beibringen, seine Impulse besser zu kontrollieren und nicht jedem Hasen hinterher zu hüpfen. Ältere Hunde können mit leichten Sportübungen wieder mehr Mobilität erfahren und ihre Lebensfreude verstärken. Wenn der Mensch viele Dinge mit seinem Hund beim Spaziergang gemeinsam macht, lernt der Hund, dass es sich wirklich lohnt im Freilauf nicht einfach los zu rennen oder an der Leine nur sein Ding zu machen. Nein, er lernt, wie toll gemeinsame Zeit mit dem Menschen ist und wird vermehrt auf ihn achten, ihn im Blick behalten und begeistert bei der Sache sein. Hinzu kommt, dass eine sinnvolle Auslastung im Kopf viel müder macht, als stundenlanges Joggen am Feld.

Wenn man in dem Zusammenleben mit seinem Hund, diesen ganz genau beobachtet, erkennt man schnell dessen Stärken und Schwächen. Der eine schnüffelt gerne, der andere ist mit großer Freude am Apportieren. Andere möchten gerne viel Neues entdecken oder stehen auf gemeinsame Erlebnisse.  Und genau diese Stärken und Schwächen sollten wir nutzen um unseren geliebten Vierbeiner eine Freude zu machen um für ihn kleine und interessante Spiele oder Dinge zu „erfinden“ und auszuprobieren. 

Dabei sei erwähnt, dass jeder Hund und jedes Team anders ist. Die einen sind langsamer und mögen es gemütlich, andere sind kreativer oder andere sehr aktiv. Man sollte sie niemals mit anderen messen und wenn man von anderen Hundehaltern gefragt wird, was am Ballspielen denn so falsch sei, kann man einfach froh sein, dass man es besser weiß und sollte sich nicht auf eine Diskussion einlassen. 

Kreative Auslastung ist so einfach

An die Mobilität denken. Jeder unserer Hunde bewegt sich gerne, auf die alten und kranken Tiere. Und damit der Hund lange aktiv bleiben kann, sind Dehnungs- und Strechtingeinheiten eine tolle Sache. Das geht an jedem Baum. Man nimmt einfach ein tolles Leckerli und hält es an den Baumstamm, in eine zum Hund passende Höhe vor die Nase. Der Hund muss sich lang machen und strecken. Das lockert und aktiviert die Muskeln und Gelenke. Super sind auch Balance-Spielchen auf umgekippten Baumstämmen oder niedrigen Mauern. Der Hund wird seine Freude haben, dort rauf zu klettern und langsam zu balancieren. Hierzu kann man auch ein Leckerli in die Hand nehmen und mit dem Hund gemeinsam die Strecke gehen. Die Höhe und das Raufkommen muss natürlich zum Hund passen, ggf. den Hund auf die Mauer stellen. Wichtig ist Hilfestellung zu geben, damit der Hund nicht runterfällt.

Hunde lieben es ihre Nase einzusetzen, und trotzdem wissen die wenigsten kaum, wie sie diese einsetzen sollen, da es vom Menschen nie richtig gefördert wurde. Das einfachste Spiel wäre die Futterjagd. Hierzu sucht man sich einfach eine ruhige Ecke und lässt den Hund absitzen. Nun gibt man ein Aufmerksamkeitssignal wie „Guck“ oder „Schau“ und dann wirft man sein Futter oder Leckerlis in eine kleine Entfernung z.B. in hohes Gras und gibt dem Hund den Suchbefehl. Der Hund wird neugierig hin gehen und das Futter suchen. Durch das Aufmerksamkeitssignal kann man dem Hund zeigen, dass sich der Blick zum Menschen lohnt und dies später toll ausbauen um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. 

Ebenso super ist es, das Futter zu verstecken. Einfach den Hund absitzen lassen, und das Futter oder Leckerli unter Laub oder in einem umgekippten Baumstamm verstecken. Man kann es auch so verstecken, dass der Hund sich etwas strecken muss. Sehr beliebt ist auch das verstecken vom Futterbeutel.

Wenn man den Hund ganz besonders gut fördern möchte können auch zwei unterschiedliche Dinge gezeigt, aber nur eines Versteckt werden. Also z.B. Keks und Lieblingsspieli. Der Hund lernt so Gerüche zu unterscheiden. Das gefundene Spielzeug kann dann toll zum gemeinsamen Zerrspiel genutzt werden.

Aufmerksamkeitsübungen

Bei Hunden die im Freilauf so gar nicht auf einen achten sind Bewegungsspiele auch toll. Wenn man im sicheren Gebiet unterwegs ist, einfach mal wortlos die Richtung wechseln oder wenn der Hund weit vorausläuft, einfach mal umdrehen und zurück gehen. Der Hund wird schnell ein Gespür dafür entwickeln auf seinen Menschen besser zu achten. Natürlich sollten diese Übungen nur gemacht werden, wenn man auf nix anderes wie z. B. Jogger und Radfahrer achten muss. 

Vorsicht vor Versteckspielen: Ich habe oft gelesen und von Trainern gehört, dass es dem Team sehr viel bringen würde, bei Nichtbeachtung des Hundes, sich einfach ohne Kommentar zu verstecken. Es gibt Hunde die dann schnell in Panik geraten und den Menschen panisch suchen, was schnell zum Vertrauensbruch führen kann.Bei sehr sensiblen Hunden oder auch bei Hunden mit Trennungsangst ist hiervon also dringend abzuraten.

Eine schöne Übung ist es auch, sich einfach hinzuhocken und aufgeregt im Laub oder Gras zu wühlen. Der Hund wird schnell wissen wollen, was man da so super findet und zu einem kommen. Es macht Spaß ein verstecktes Leckerli zusammen zu finden. Er lernt dann ebenso, dass es sich lohnt zurück zu kommen und einen im Auge zu behalten. 

Gehorsamkeitsübungen

Eine scheinbar einfache aber doch effektive Methode sind Gehorsamkeitsspiele. Sei es nun ein plötzlicher Richtungswechsel an der Leine oder ein Tempowechsel mit dem der Hund garantiert nicht gerechnet hat. Beides macht den Hund dafür sensibler auf Unterschiede im Gang und in der Körpersprache zu achten. Man kann im Freilauf auch einfach mal losrennen, den Hund zum Mitmachen animieren, im Zick Zack laufen und dann plötzlich stehen bleiben. Das schult die Aufmerksamkeit. Ebenso wird der Hund immer Spaß haben, wenn man bereits erlernte Tricks oder Kommandos in neuer Umgebung abruft, das ist oft sehr fordernd und schult die Konzentration des Hundes.

Impulskontrollspiele

Wenn man etwas ganz Anstrengendes möchte, ist die Impulskontrolle eine tolle Sache. Der Hund sollte dazu aber bereits schon einige Übungen im Haus erfolgreich geübt haben, da sich sonst schnell Frustration einstellen kann.  Hierzu nimmt man z.B. den Futterbeutel oder das Lieblingsspielzeug und lässt den Hund absitzen. Ob im Freilauf oder an der Leine ist eine persönliche Entscheidung und sollte von jedem selbst getroffen werden. Der Ablauf ist immer gleich. Der Hund sitzt, der Mensch wirft und es bleibt auf dem Boden liegen. Nun will der Hund in der Regel sofort hinterher. Ziel der Übung ist es, dem Reiz zu wiederstehen und abzuwarten bis man die Auflösung und das OK bekommt. Man wartet also ab, bis der Hund einen ansieht und um Erlaubnis fragt. Dann folgt die Freigabe und der Hund darf es holen. Da es wirklich eine sehr schwere Übung ist, selbst für geübte Hunde sollte dieses Spiel nicht zulange gemacht werden.

Spaziergang ohne Bällchen aber mit jede Menge Arbeit für den Kopf

Für viele Hunde ist bereits der Gang zur Hundewiese ein absolutes Highlight. So kann er hier jede Menge neuer Gerüche aufnehmen, lernt neue Kumpels kennen und kann sich austoben. Es gibt aber auch Hunde, die sich dafür nicht interessieren oder die einfach keinen Sozialkontakt mögen. Und immer nur Hundewiese? Seien wir mal ehrlich, das ist irgendwann doch langweilig, zwar nicht für den Hund, aber für uns als Mensch-Hund-Team. Denn hier entsteht meist wenige gemeinsame Abenteuer, da der Hund meist sein Ding macht. 

Aber mit ein wenig Kreativität, Spaß an neuen Dingen und etwas Teamgeist kann man ordentlich Abwechslung in den alltäglichen Spaziergang bringen. Natürlich sollte das nun nicht jeden Tag stundenlang gemacht werden und es muss auch nicht jeden Tag wiederholt werden, aber es bietet für zwischendurch immer wieder eine schöne Abwechslung. Außerdem sollte man wirklich von dem Gedanken, einer notwendigen stundenlangen körperlichen Bewegung beim Hund weg gehen.  Ein einstündiger Spaziergang am Tag, mit der einen oder anderen kurzen Einheit kopftechnischer Auslastung reicht bereits aus. Klar, es gibt Hunde die brauchen das, aber so ist nun mal nicht jeder Hund. Also bitte vergleicht euch nicht, geht bei der Auslastung nach euren Vorlieben. Ihr seid als Mensch-Hund-Team ganz individuell. Eure Bindung ist einzigartig, keiner hat das Recht darüber zu urteilen. Also genießt eure gemeinsamen Spaziergänge und probiert immer mal wieder neue Dinge aus!

Bitte achtet dabei aber immer auf euren Hund und seine ganz eigenen Bedürfnisse, falls ihr euren älteren Hund oder einen jungen Welpen mit Dehnübungen oder sportlichen Spielchen draußen auslasten wollt, so haltet bitte unbedingt einmal vorher bei eurem Tierarzt Rücksprache. Im Idealfall habt ihr eine Tierkrankenversicherung, die euch im Fall einer Verletzung bei den Kosten unter die Arme greift.

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