🎤 Blogtalk - Hundeerziehung und Nützliches

Das Leben mit einem Angsthund

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Dieser Gastbeitrag wurde von meiner lieben Freundin Vanessa geschrieben und ich freue mich sehr, dass sie euch an ihren Erfahrungen zum Leben mit einem Angsthund teilhaben lässt. Da es sich um einen Gastbeitrag mit Nennung des Instagram-Accounts handelt, handelt es sich hierbei um Werbung.

Das sind wir – Seelenhund_Finley

Hallo ihr Lieben! Mein Name ist Vanessa, ich bin 29 Jahre alt und habe vor zwei Jahren Finley, meinen Angsthund aus der Tötungsstation in Rumänien, gerettet. Wir nehmen euch auf unserem Instagramaccount seelenhund_finley” in unser Leben mit Angsthund mit, zeigen unsere Stolpersteine und verschönern dabei nichts. Auch die Nachhaltigkeit im Hundealltag wird bei uns thematisiert.

Finley, ein Angsthund, zieht ein

Vor zwei Jahren zog Finley in mein Leben und damals dachte ich: „Ach, das bekomme ich schon locker hin, der Hund ist bestimmt dankbar, weil ich ihn gerettet habe.“, und habe mich einfach nur total gefreut, als der Tag des Einzugs gekommen war. Aber schnell war die Euphorie verzogen, denn Finley war alles andere, als ein Hund zum Kuscheln und Liebhaben. Er hatte vor allem Angst: vor Menschen, vor anderen Tieren, davor im Haus zu sein und sogar vor seinem Futter.

Jetzt denkt ihr euch vielleicht: Was? Vor seinem Futter? Ja, Finley hat die erste Zeit bei uns im Garten hinter der Grünschnitttonne gelebt (weil er nicht ins Haus wollte) und hat sowohl Futter, als auch Wasser, verweigert – was im Hochsommer echt nicht witzig war! Und auch 1 ½ Jahre später gibt es immer mal noch Probleme, was das Essen betrifft.

Finley wurde in seinem früheren Leben leider misshandelt. Er hat Narben auf dem Kopf und auch eine sichtbar gebrochene Zehe. Was da alles passiert ist wissen wir nicht und darüber kann man nur spekulieren. Aber Fakt ist: es hat ihn deutlich geprägt. Er hatte das Vertrauen in den Menschen komplett verloren und so waren Dinge, wie den Hund anfassen (und wenn es nur zum Anleinen war) oder problemloses Gassigehen in weite Ferne gerückt. Es ging nun bei uns eher darum, das Vertrauen wiederaufzubauen; mit ganz kleinen Schritten und komplett ohne Zwang.

Stück für Stück, ganz egal wie lange es dauert

Nach ein paar Wochen gab es für uns einen kleinen Hoffnungsschimmer, als Finley allmählich mutiger wurde und zumindest auf den nächsten Grünstreifen ging – aber da kam das nächste Problem auf uns zu, denn er konnte sich nicht lösen. Sowohl Pipi als auch das große Geschäft gingen nicht. Zum Glück hatten wir einen Garten, in dem er sich dann sicher fühlte und dementsprechend wenigstens dort unproblematisch seine Geschäfte erledigte.


Ein paar weitere Wochen dauerte es, bis er sich noch sicherer fühlte… und ihr glaubt nicht, was für Freudensprünge ich gemacht habe, als dann bei der Gassirunde endlich ein paar Pipitröpfchen aus diesem Hund kamen!Finley hatte immer einen Fluchtinstinkt im Kopf: wenn eine Situation für ihn zu viel war bekam er richtige Panikattacken. Er war nicht mehr ansprechbar und wollte einfach nur flüchten. Mittlerweile läuft er zu 80% ohne Leine (was ich mir damals niemals hätte vorstellen können) und Flucht ist keine Option mehr für ihn, was das ganze Training wirklich sehr viel einfacher gestaltet.

Im ersten Jahr konnte ich ihm nicht die Sicherheit bieten, die er gebraucht hätte. Deshalb hat das ganze bei uns ein bisschen länger gedauert. Ich hatte vor Finley einen Hund, der vor Selbstvertrauen strotze, und bei dem es solche Themen einfach nicht gab und da war die Umstellung auf einen sensiblen Hund mit Panikattacken natürlich erstmal schwer! Auch wenn wir die großen Probleme aus dem Weg schaffen konnten, wie beispielsweise das Nichtanfassen (für ihn war es mehr eine Strafe, als etwas Schönes, angefasst zu werden) oder das Gassigehen, gibt es auch heute – nach 2 Jahren – noch Einiges, was hängen geblieben ist aus der Zeit,in der es ihm nicht so gut erging.

Leben mit einem Angsthund kann funktionieren

Für Finley sind gerade die alltäglichen Dinge, wie das Autofahren oder das an der Straße entlanglaufen ein Graus. Daran arbeiten wir zwar stetig, aber die Angst lässt sich natürlich dennoch nicht wegtrainieren. Ist das eine Hindernis überwunden, kann trotzdem zu jeder Zeit ein ganz anderes und neues Problem auftreten. Man kann nie sicher sein, dass man die Angst besiegt hat. Man dreht sich quasi im Kreis, aber wenigstens kann man der ganzen Sache einen Namen geben: Angsthund.

Kein Angsthund ist gleich, aber alle ähneln sich irgendwie. Trotz der vielen kleinen Ängste, die jetzt noch übrig geblieben sind, bin ich froh Finley damals adoptiert zu haben. Er ist der beste Hund, den ich mir für mich vorstellen kann, und hat eine Entwicklung durchlaufen, die sich andere nur erträumen können. Um andere Menschen aufzuklären und ihnen zu zeigen, wie das Leben mit Angsthund wirklich ist, bin ich auf Instagram mit unserem eigenen Profil aktiv geworden und dabei auf ganz viele andere Accounts gestoßen, die zum Austausch einluden.

Meiner Meinung nach sollte sich jede Person, die einen Hund mit Vergangenheit adoptieren möchte, im Vorfeld gut darüber informieren, was das Leben mit einem potentiellen Angsthund bedeutet – trotz der vielen wunderbaren und schönen Momente darf es nicht verschönert werden, denn es ist ganz und gar nicht einfach.Aber wenn man sich die Zeit nimmt auf den Hund einzugehen, ihn einfach Hund sein lässt und ihm mit Freundschaft, Liebe und klaren Strukturen Sicherheit gibt, dann ist es ein Partner fürs Leben.

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