📚 Hundeerziehung und Nützliches

Der Leinenpöbler – Leinenaggression vs. Leinenfrustration

Ein ständiger Dauerbrenner unter Hundehaltern: Der Leinenpöbler

Kein anderes Thema in der Hundeerziehung, wird immer wieder so heiß diskutiert wie eben dies des pöbelnden Hundes. Wie oft erzählen sich Hundehalter untereinander, wie sehr sie es nervt, dass der eigene Hund ein kleiner Leinenrambo ist. Bereits im Gespräch hört man dann sehr leicht raus wie genervt aber auch hilflos die Leute davon sind und einfach keine Lösung finden können, obwohl schon so viel probiert wurde.

Dieses Thema scheint einfach ein Dauerbrenner zu sein. Ganze Bücher werden über mehrere hundert Seiten nur damit gefüllt, Hundeschulen bieten „Weg vom Leinenrambo“-Kurse an und einige beginnen bereits im Welpenalter vorsorglich dagegen anzutrainieren. Mir sagte mal eine Hundetrainerin, dass man ab dem ersten Tag hieran arbeiten sollte, auch wenn der Welpe noch gar kein unerwünschtes Verhalten zeige. Aber ist das wirklich nötig? Setzen wir damit nicht nur uns, sondern auch den Welpen oder Junghund, nicht schon unbewusst damit unter Druck? Das Thema Leinenpöppler ist ein Dauerbrenner und doch teilweise völlig un- bzw. missverstanden, denn nur weil ein Hund an der Leine aufgeregt auf Artgenossen trifft oder gar bellt ist dies noch lange nicht immer die so gern nachgesagte und viel kritisierte Leinenaggression.

Unsere Erfahrung mit der Leinenaggression

Meine erste Hündin kam aus einem privaten Haushalt, war schwer misshandelt worden und kannte Hundekontakt überhaupt nicht. Sie war ein Angsthund und fast neun Jahre alt, als sie bei uns einzog und meine Hundeerfahrung war damals gleich Null, mein „Wissen“ bestand nur aus dem Lesen einiger Hundebüchern. Bereits nach einigen Tagen Gassi gehen und dem urteil meiner Mitmenschen war klar, ich habe einen Leinenrambo. Und laut Internetrecherche war ich mit diesem Problem nicht alleine. 

Unsere Spaziergänge waren geprägt von Stress sobald wir einen Artgenossen erblickten und es dauerte nicht lange, da war ihr Verhalten auf mich übergegangen und auch ich bekam Stress. Sobald ich den anderen Hund sah, spannte ich mich an, nahm die Leine kurz oder sagte „nun aber ganz lieb sein“ zu meiner Hündin. Das dies dann weiterhin schief gehen musste, ist Rückblickend ganz klar. Ich hatte damals alles falsch gemacht was man falsch machen konnte und somit ist es natürlich nicht verwunderlich, wenn ich nun sage, dass wir diese Dauerbaustelle nie los geworden sind, ganz egal wie oft und lange wir daran gearbeitet haben.

Der Leinenrambo und die Leinenaggression

Sehen wir uns doch mal eine ganz normale Gassirunden an. Wir gehen mit unserem Hund spazieren, alles ist ganz entspannt. Da setzt sich in Entfernung ein anderes Mensch-Hund-Team vor uns auch in Bewegung und läuft in dieselbe Richtung wie wir auch. Hier bleibt meistens alles ganz entspannt. Warum? Weil hier genug Abstand herrscht und keiner den Weg des anderen kreuzt, sondern jeder in dieselbe Richtung läuft. Nehmen wir aber mal an, dass dieses andere Mensch-Hund-Team nun in unsere Richtung frontal auf uns zu läuft. Es gibt viele Hunde denen es nix ausmacht, an fremde Hunde frontal auf engem Weg vorbeizulaufen. Aber mindestens genauso viele Hunde können dies eben nicht. Aber es gibt auch Hunde die Probleme damit haben, wenn ein anderer Hund dicht vor einem läuft, denn jeder Hund ist verschieden und hat ein anderes Bedürfnis nach Distanz zu Artgenossen.

Meistens ist aber die frontale Begegnung das schwierige und daher befasse ich mich in diesem Beispiel nun damit. Sobald der Artgenosse frontal gesichtet wird, beginnt der Hund Stress zu produzieren. Und nun wird es kompliziert, denn da jeder Hund verschieden ist, so sind auch diese Anzeichen sehr individuell zu betrachten. Der eine Hund ist einfach Unsicher und der andere hat vielleicht einfach Angst, immerhin kommt da ein fremder Hund auf einen zu, der Weg ist eng, man kann nicht wirklich gut ausweichen und vielleicht spricht der gegenüber auch nicht dieselbe Körpersprache. Jede Hundebegegnung läuft immer wieder anders ab und ist somit immer wieder neu zu betrachten. Man kann hier nix pauschalisieren oder sagen, dass der eigene Hund mit bestimmten Hunden besser durch so eine Situation geht als bei anderen. Was aber passiert nun also, wenn wir mit unserem Hund an dem anderen vorbei gehen? Auch dies ist natürlich individuell zu betrachten. Während ängstliche Hunde eher stehen bleiben, das ganze erstmal betrachten, vielleicht anfangen aus Stress vermehrt zu speicheln, können Unsichere Hunde sofort die Bürste aufstellen, knurren oder die Leftzen hochziehen und beim vorbeigehen mit voller Wucht nach vorne in die Leine steigen und wild bellen. Es ist mir ein großes Anliegen, an dieser Stelle zu sagen, dass dieses KEIN aggressives Verhalten ist, auch wenn so scheint, so bleibt es doch einfach nur ein Verhalten, welches aus purer Unsicherheit herrührt. Aber auch ängstliche Hunde können genau so reagieren, es ist wirklich sehr individuell zu betrachten.

Es ist wichtig, hier niemanden zu verurteilen. Auch wenn man mit seinem Hund von Beginn an immer ganz toll an der Sozialisierung geübt hat, er gerne mit anderen Hunden spielt oder sonst immer super hört und keinerlei Ängste zeigt, so kann es trotzdem dazu kommen. Es gibt Hunde, da reicht es auch wenn sie eine schlechte Erfahrung an der Leine gesammelt haben. Vielleicht wurden sie mal bedrängt und konnten sich durch die Leine nicht richtig ausdrücken, vielleicht können sie Hunde die keine klare Körpersprache sprechen nicht einschätzen und dann gibt es da noch das große Problem, dass vielleicht halt auch der Hundehalter das eigentliche Problem ist. Auch wenn viele immer meinen, dass immer das andere Ende der Leine „Schuld“ an Fehlverhalten ist, so möchte ich diesem nicht ganz zustimmen. Denn wie man eben lesen konnte, es gibt einfach zu viele verschiedene Faktoren. Wenn der gegenüber keine klare Körpersprache spricht ist der Mensch nicht schuld daran, ebenso wenn der Hund vielleicht aus dem Tierschutz kommt und keine Sozialisation hatte. Und das Ende der Leine ist trotz vieler Vorsicht manchmal Machtlos, wenn fremde Menschen keine Rücksicht nehmen, wenn man um KEINEN Kontakt an der Leine wünscht. 

Wir Menschen neigen ja leider dazu uns schlechte Dinge viel besser zu merken, als die guten. Daher reicht es total aus, wenn unser Hund nur wenige Male ein „Leinenrambo“-Verhalten zeigt. Schon gehen wir davon aus, dass es nun immer wieder so ist, wir spannen uns bei jeder Hundesichtung innerlich an, fassen die Leine kürzer und geben damit unseren Hund zu erkennen, “Achtung, etwas passiert gleich”. Nun spannt sich auch der Hund an und es kommt entweder zum großen Knall, weil man mit aller Macht versucht durch diese Situation zu kommen, oder man wechselt noch schnell die Straße. Die meisten Hunde zeigen dann aber trotzdem ein unerwünschtes Verhalten und bellen vielleicht wild, weil sie ja schon in Alarmbereitschaft versetzt worden.

Die Leinenaggression im Überblick

Ob ein Hund zu einer Leinenaggression neigt hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Wieviel Sicherheit gibt der Mensch, wie ist die Führungsqualität? Wie ist meine persönliche Ausstrahlung in Stresssituationen? Wie Reizempfindlich ist der eigene Hund? Hat der Hund vielleicht schon schlechte Erlebnisse gehabt an der Leine? Wie gut kann der eigene Hund andere Hunde lesen und kommt er mit „fremder Körpersprache“ von Hunden klar. Hinzu kommen auch Kleinigkeiten wie die Tageslaune von Mensch und Hund, wo findet die Begegnung statt und wie sind die Reize in der aktuellen Situation (volle Innenstadt/Wald etc.).

Jeder Hund zeigt sein ganz eigenes Verhalten um den anderen Hund auf Abstand zu halten. Der eine geht in die Fixierung, ein anderer greift an. Wieder andere verstecken sich und erstarren bis der Hund vorbei ist. Auch Übersprungshandlungen sind sehr häufig.

Jedes Mensch-Hund-Team sollte seinen ganz eigenen Weg finden mit dieser Situation klar zu kommen. In erster Linie sollte aber unbedingt vermieden werden, den Hund in Alarmbereitschaft zu versetzen. Lieber rechtzeitig, also bevor der eigene Hund das Hindernis erkennt, einfach die Straßenseite wechseln. Und wenn das nicht geht, eine Alternative anbieten z.B. einen Gegenstand tragen lassen oder vielleicht gibt einem ein Maulkorb erst einmal Sicherheit bis an der Lösung gearbeitet wurde.

Wichtig ist auf jedem Fall, dass man eine für sich passende und ganz individuelle Lösung erarbeitet. Denn dieses „Fehlverhalten“ ist für den Hund viel unangenehmer als für den Menschen, dem es meist einfach nur peinlich ist. Der Hund aber leidet an diesen Situationen, daher ist ein „Aussitzen“ des Problems oder ein Hinnehmen KEINELösung!

Reva und die Leinenfrustration

Als Reva einzog war ich guter Hoffnung, das Thema Leinenaggression umgehen zu können. Sie zeigte ein offenes Wesen, keinerlei Ängste in Bezug auf fremde Hunde und in jeder Situation waren Hundebegegnungen möglich. Was mich zwar anfangs stutzig machte, aber von einer mir bekannten Hundetrainerin als „Welpentypisch und völlig normal“ abgetan wurde, war ihr „hinterher schreien“. Sobald Reva Hunde bemerkte, dass musste nicht mal sehen sein, riechen reichte da schon uns, stellte sie sich auf die Hinterpfoten und machte sich lang. Kurz darauf setzte ein wildes Geschrei und Gezeter ein. Sie rief nach den Hunden, und ihre Ausdauer war dabei sehr bemerkenswert. Ich schenkte diesem Verhalten keine Aufmerksamkeit, egal wie peinlich es mir war, ich ignorierte es. Und tatsächlich, mit Beginn der ersten Pupertät war es verschwunden. 


Dafür setzte mit Beginn der zweiten Pupertät ein neues Verhalten ein. Nun begann das wilde Bellen, das wilde an der Leine springen, sobald Hunde sichtbar waren. Da ich von meiner alten Hündin noch mit dem Thema Leinenaggression gut vertraut war, und ehrlich gesagt, auch nix anderes kannte, ging ich hierbei lange von einer Leinenaggression aus. 

Ich durchwühlte das Internet, sprach mit mir bekannten Trainern und versuchte Tipps umzusetzen, aber nix passte zu uns und das Problem blieb bzw. verstärkte sich eher. Da bat ich eine Bekannte uns zu begleiten und das Verhalten auf Video aufzunehmen. Ich analysierte Revas Verhalten zuhause ganz in Ruhe und war erstaunt, hierin eben KEINE Leinenaggression zu erkennen. Nein, ganz im Gegenteil, denn Reva hat eine Leinenfrustration.

Die Leinenfrustration wird oft falsch eingeschätzt

Vielen ist das Thema der Leinenfrustration ebenso unbekannt, und sie gehen beim pöbelnden Hund meist von einer Leinenaggression aus. Kein Wunder, immerhin ist das Verhalten welches der Hund zeigt, oft sehr ähnlich. Eine Leinenfrustration entsteht nämlich ganz genauso, durch zu viele bestimmte Reize, die der Hund als negativ abgespeichert hat, aber auch wenn der Hund an der Leine zu oft “Hallo” sagen durfte, wird dies nur gefördert, da er es ja gelernt hat, dass dies möglich ist.

Machen wir zur besseren Verdeutlichung nochmal einen „Spaziergang“. Wir gehen mit unserem Hund eine schöne Runde und auch hier setzt sich ein Hund wieder, in Entfernung, vor uns, wir gehen also wieder in der gleichen Richtung. Diesmal aber stellt sich unser Hund auf die Hinterbeine, macht sich groß, nimmt den Geruch auf und beginnt wild nach vorne zu hüpfen. Vielleicht fängt er auch nun schon an wild hinter dem Hund her zu bellen, aber in einem sehr spielerischen Ton. Man erkennt sofort, dass der Hund die Impulse nicht kontrollieren kann und sofort gefrustet ist, daher auch das Bellen und vielleicht ein fiepen oder ein ständiges ziehen und sehr aufgeregte Körpersprache.

Wenn wir die Situation nun ändern und den fremden Hund frontal auf uns zukommen lassen, wird sich unser Hund vielleicht zum Fixieren kurz hinlegen und springt dann in Spielhaltung nach vorne, oder nimmt die Spielaufforderung ein. Sind beide auf einer Höhe, wird versucht Kontakt zu bekommen, es wird wild gezerrt und gebellt. Diesmal hört man hierbei eine richtige Frustration im Tonfall. 

Nun denken bestimmt viele, dass ein Hund, der schon früh Impulskontrolle gelernt hat und keinen Leinenkontakt kennt, hierfür kein Kandidat ist und die Menschen eines Hundes mit Leinenfrustration selber schuld seien. Und hier kann ich ganz klar NEIN sagen, denn so einfach ist es leider nicht. Selbst wenn man schon mit dem Welpen an der Impulskontrolle immer wieder gearbeitet hat und auch immer konsequent war, was Leinenkontakte angeht, so kann es trotzdem entstehen, zwar ist die Chance darauf sehr gering, kann aber trotzdem entstehen. Zum Beispiel sind hochsensible Hunde hiervon oft betroffen, da bei ihnen die Impulskontrolle nur bedingt hilft, da ihre Reizempfindlichkeit um ein vielfaches höher ist als bei „normal sensiblen“ Hunden.

Die Ursachen für die Leinenfrustration ist wieder ganz individuell zu finden. Der eine hat vielleicht seinen Hund öfters mit einer Schleppleine oder einer normalen Leine mit anderen Hunden spielen lassen, der andere hat vielleicht noch nie an der Impulskontrolle gearbeitet. Erschreckend viele Hundehalter, haben nämlich keine Ahnung, dass man hieran arbeiten kann. Wiederrum andere Hunde kennen vielleicht keine klaren Grenzen und durften immer zu jedem Hund hin, ganz egal ob an der Leine oder im Freilauf. Und dann gibt es noch die Hunde, die von ihrem Menschen zum Hallo sagen an der Leine gezwungen werden. 

Jeder Hund muss in seinem Verhalten ganz individuell betrachtet werden um einen passenden Lösungsansatz finden zu können. Ein Wechseln der Straßenseite ist oft sinnlos, da der Hund ja den anderen Hund riecht und schon darauf reagiert, es gibt sogar Hunde die bereits auf das Klimpern von Hundemarken am Halsband/Geschirr reagieren. Daher ist es hierbei sehr wichtig den Hund genau zu beobachten um den Lösungsansatz in der richtigen Situation einbauen zu können. Denn Timing ist hierbei alles.

Leinenfrustration schnell erklärt

Nur weil ein Hund bei einem näherkommenden Hund bellt und an der Leine wild umherspringt, muss er noch lange kein leinenaggressiver Hund sein. Vielmehr sollte man auch hier das Verhalten seines Hundes genau betrachten und versuchen ein Verhalten zum Alltag herstellen zu können. Macht der Hund vielleicht gerade körpersprachlich eine Spielaufforderung? Oder ist er zuhause auch genauso schnell frustriert im Tonfall? Wirkt der Hund wirklich grad unsicher oder eher animierend?

Kennt mein Hund überhaupt Impulskontrolle? Wie kommt er mit Frustration klar? Es gibt so viele tolle Übungen und Spiele die man zusammen machen kann um genau dieses zu testen und ggf. zu fördern. Habe ich vielleicht meinem Hund zu oft Leinenkontakt gewährt, woraus dieser dann ein spielen können verknüpft hat? 

Wie reagiert mein Hund auf Grenzen und Zurechtweisung? Damit ist keine harte körperliche Korrektur gemeint, sondern vielmehr z.B. eine Unterbrechung im Hundespielen? Ist er schnell gefrustet? Fiebt er schnell, sucht er sich vielleicht eine alternative für zum Abbau für den aufkommenden Stress?

Leinenaggression vs. Leinenfrustration

Auch wenn wir nun wissen, dass diese beiden „Fehlverhalten“, zwei völlig verschiedene Hintergründe haben, so haben sie doch wiederum sehr viel gemeinsam: Einen Menschen, der mit diesem Verhalten meist überfordert ist. Nun ist das Internet voll von vielen verschiedenen Trainingsmethoden, jeder Hundetrainer hat scheinbar die perfekte Lösung. Aber meine Erfahrung zeigt mir, dass dies nicht stimmt. Auch Hundetrainer können sich irren und die perfekteste Methode bringt nix, wenn das Grundproblem nicht behoben ist: Der Mensch!! 

Der Mensch muss in erster Instanz lernen die Ruhe zu behalten!! Wenn der Mensch ruhig und entspannt in den Spaziergang startet, ohne die Gedanken an evtl. störende oder stressige Hundebegegnungen, so haben wir hier schon eine viel bessere Ausgangslage. Der Mensch überträgt seine innere Ruhe auf den Hund, strahlt viel mehr Vertrauen und Selbstsicherheit aus. Der Hund merkt, er kann sich auf seinen Menschen verlassen und muss nicht mit Situationen rechnen, die er selber klären muss. Wenn dann ein anderer Hund auftaucht heißt es eigentlich erst einmal nur Ruhe bewahren und dann kann man seinen Lösungsansatz, den man für sich mit einem Trainier oder auch selbst antrainiert, hat einbauen. Wie dieser Lösungsansatz aussieht, ist ganz individuell und kann einfach nicht pauschalisiert werden.

Mir und Reva hat die „Click für Blick“ Methode die Lösung gebracht. Ich gehe mit meinem Clicker in der Hand Gassi und habe die Leine in der anderen Hand locker. Reva hat gelernt, dass es für jeden Blickkontakt einen Click gibt. Wenn ich nun einen Hund sehe der einfach nur weit voraus läuft, bleib ich stehen, lasse Reva den Geruch aufnehmen und warte auf den Blickkontakt. Ich mache sonst nix, ich bleibe ruhig, fasse die Leine nicht kürzer etc. Ich warte auf den Blick und bestätige ihn dann mit dem Click. Wenn ich sehe, dass es ihr an einem Tag schwerer fällt ruhig zu bleiben, bekommt sie ein super tolles Leckerli zum Click. 


Wenn der Hund uns frontal begegnet, clicke ich sobald Reva den Hund sieht und einfach nur ruhig bleibt. Je nach Entfernung warte ich dann noch auf einen Blickkontakt und clicke dann erneut. Danach nehme ich mir Reva, die immer rechts von mir an der Leine läuft zur Seite, stelle sie mir zwischen die Beine und drehe sie somit mit dem Gesicht weg zum entgegenkommenden Reiz. Sie sieht nun in eine völlig andere Richtung. Die Leine lege ich auf den Boden, habe sie komplett losgelassen und meine rechte Hand liegt auf ihrem Brustbein, da dies ein beruhigender Punkt beim Hund ist. Meine linke Hand liegt auf ihrem Geschirr um sie im Notfall halten zu können. Ich bleibe ruhig und entspannt, spreche nicht mit ihr und warte einfach ab, bis der Hund an uns vorbei gegangen ist. Sobald Reva den Hund riecht und ruhig bleibt, gebe ich ihr den Click. Wenn der Hund vorbei ist, gehen wir ruhig und ohne zu sprechen weiter. Wenn sie mich dabei ansieht und nicht dem Hund hinterher guckt gibt es wieder einen Click.

Das ist unsere Lösung. Ich weiß, dass es auch sehr gerne bei einer Leinenaggression eingesetzt wird und sehr gut helfen soll, aber bis wir an dem Punkt waren, wo wir jetzt sind, ist wirklich fast ein Jahr vergangen und bedeutet konsequent bei jedem Gassi, auch einer Minirunde den Clicker dabeizuhaben. Wie gesagt, jeder Hund benötigt seine individuelle Lösung, es bringt nix, das Internet zu durchforsten, alles einmal zu versuchen und dabei auf ein Wunder zu hoffen. Das erhöht die eigene Frustration und sorgt evtl. dazu, dass man das Vertrauen in seinen Hund und in das Team verliert, und Gassi gehen ein Alptraum bleiben.

Ich möchte abschließend noch kurz erwähnen, dass jedes Fehlverhalten, ganz egal wie festgefahren es schon ist, durchbrochen werden kann. Man sollte sich nicht schämen Hilfe zu suchen oder um Rat zu fragen, gerade in diesen Situationen kann es sehr viel bewegen und ein persönlicher Trainier bringt immer mehr als irgendwelche Videos wo Standard Methoden gezeigt werden. Auch wenn es einigen hilft, so kann man auch viel zerstören, da diese Videos nie alles zeigen. Auch TV-Sendungen zur Hundeerziehung die hierfür Lösungen zeigen, zeigen oft nur kleine Ausschnitte, nie das Grundproblem, welches es zu lösen gilt.

Also wenn ihr in so einer Situation steckt, dann glaubt an euer tolles Hund-Mensch-Team, denn solche Baustellen gehören einfach dazu und lassen euch zu etwas unglaublich tollem heranwachsen. Habt Mut und durchbrecht den Kreis, ihr werdet sehen, die Arbeit, egal wie lang sie dauert, wird sich lohnen!!

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