🎤 Hundemenschen unter sich

Der Umgang mit dem Tod

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Dies ist ein Gastbeitrag von Jill, die sich sehr für den Tierschutz einsetzt, und ich bin ihr für diesen Beitrag sehr dankbar, da sie ihre Erfahrungen hier mit euch teilt. Da es sich um einen Gastbeitrag mit Nennung des Instagram-Accounts handelt, handelt es sich hierbei um Werbung.

Moin Moin – Das sind wir

Wir, Max und Jill mit unseren ungarischen Fellnasen Coco und Pancho, sind auf Instagram der “hunde_kindergarten“. Wir sind Pflegestelle für besondere Tierschutzhunde und erleben dadurch regelmäßig spannende Situationen rund um die Themen Hund, Mensch und Tierschutz. Wir freuen uns hier eine unserer Geschichten erzählen zu können…

Der richtige Umgang mit dem Tod

Wir alle lieben unsere Vierbeiner, sie sind für uns da und wir erleben viele Höhen und Tiefen mit ihnen. An die dunklen Seiten möchten wir im besten Fall gar nicht denken, schließlich sind die Lieblinge noch jung und da braucht man sich mit dem Tod nicht auseinandersetzen. Leider ist das nicht immer so einfach…

Der Tod kommt oft unerwartet

Wir haben viel mit dem Tod zu tun. Im Tierschutz ist das leider ein sehr häufiger Begleiter. Du bekommst immer wieder mit, wie der süße Hund, den du gerade noch geteilt hast am nächsten Tag die Kälte nicht überlebt hat. Oder der gefundene Hund, dem jeder Knochen im Körper gebrochen wurde, erlitt seinen Verletzungen. Es ist traurig, aber trifft einen nicht persönlich. Schließlich fehlt da die Bindung zu den Tieren. Man kann es besser von sich selbst fernhalten, es ist jedoch kein Garant dafür, dass du generell mit dem Thema entspannter umgehen kannst.

Wir hatten im Sommer einen Pflegehund von Freunden übernommen. Dieser hatte gebissen und sollte jetzt bei uns ein wenig Resozialisierung erfahren. Ein normaler Prozess. Satan, wie wir den vierjährigen Pinscher-Chihuahua-Mix liebevoll nannten, integrierte sich sehr schnell in unser Rudel und hat innerhalb weniger Tage schnell gute Fortschritte machen können. Hätten die alten Besitzer ihn nicht mehr behalten wollen, hätten wir ihn auch fest übernommen. Schließlich war er doch eine coole Socke!

Ein paar Tage nach der Ankunft von ihm, saß ich in der Küche. Mein Rüde, welcher sehr verträglich mit jeder Art von Hund ist, wollte etwas trinken und Satan griff ihn an. Mein Rüde wehrte sich und erwischte innerhalb von Sekunden Satans Hals. Er zog sich schreiend zurück. Ich sprang währenddessen bereits auf und sah nur noch das Blut. Weitere Details erspare ich euch…

Wir brachten ihn in die Klinik und ließen ihn Notoperieren. Die Chancen standen 40-60% für eine Genesung, oder eher dagegen? Die Gefühle überschlugen sind. Wir blieben in der Klinik bis nach der OP und fuhren dann erst Heim. Die OP war geglückt, aber er war noch lange nicht über den Berg. Die Nacht sollte entscheiden. In der Nacht gegen halb 4 Uhr morgens, kam von der Klinik der Anruf. Der Sauerstoff im Blut verringerte sich schnell und sie wollten wissen, was sie tun sollten. Die Chancen auf eine Rettung beliefen sich jetzt gegen Null, zumal eine spätere Schwerbehinderung des Hundes wahrscheinlich war. Dementsprechend entschieden wir uns dafür, ihn in der Narkose gehen zu lassen. Eine Entscheidung, die man bei einem so jungen Hund niemals treffen möchte.

Der richtige Zeitpunkt

Wenn man sich einen Hund holt, muss man sich überlegen wann man bereit ist sein Tier gehen zu lassen. Es gibt niemals den richtigen Zeitpunkt und es wird sie nie gut anfühlen. Am Ende verschwindet ein wichtiger Teil unseres Lebens. Wir haben aufgewogen, ab wann das Leben des Tieres noch schmerzfrei und tiergerecht möglich ist. Dieser Zeitpunkt ist von Tier zu Tier unterschiedlich.

In den letzten Jahren haben wir einige Tiere verloren, zwei Hunde und ein Pferd. Die Hunde haben selbstständig ihr Ende „beschlossen“. Die beiden Bullis sind mit 9 und 10 Jahren an Organversagen gestorben. Es war jeweils ein sehr schneller und schmerzfreier Tod. Beim Pferd hingegen hatten wir nach einem langen Klinikaufenthalt ein nahezu querschnittsgelähmtes Tier, welches nicht mehr seinen natürlichen Bedürfnissen als Fluchttier hätte nachgehen können. Somit haben wir uns dann schweren Herzens von meinem geliebten Seelenpferd verabschiedet.

Auch im Falle von Satan mussten wir entscheiden. Es wäre, selbst wenn er gerettet worden wäre, kein würdevolles Tierleben mehr gewesen. Einem Hund die Fütterung über eine Magensonde anzutun, sowie die Wahrscheinlichkeit auf weitere Operationen, um die Atmung zu verbessern, wäre für uns nur im Sinne des Menschen gewesen. Es wird für kein Tier und vor allem für den Besitzer den richtigen Zeitpunkt für einen Abschied geben.

Seelenwohl und Trauerbewältigung

Nach dem Tod von Satan hatte ich am selben Tag, nur wenige Stunden später, ein Gespräch mit meinem Chef, welches sich leider nicht verschieben ließ. Ohne Schlaf, total aufgequollen, mit Kopfschmerzen und immer noch am Rande des Wahnsinns musste ich mich zu diesem Gespräch quälen. Es ging mir schlecht und nachdem ich das Büro verließ musste ich mich auf dem Weg zum Auto auch noch übergeben. Es war entwürdigend. Ich war wütend. Traurig. Hab mich Schuldig gefühlt. Zuhause angekommen mussten wir den Besitzern noch von dem Vorfall erzählen. Aber wie?

Wir holten den leblosen Körper aus der Klinik ab und brachten ihn mit Rosenkohl gekühlt, die 200 km zu den Besitzern. Es war eines der schlimmsten Gespräche meines Lebens. Ich konnte nicht mehr weinen, so schlimm waren die Schmerzen in meiner Seele. Stunden später fuhren wir, immer noch völlig übermüdet, nach Hause zurück. Ab da begannen meine Panikattacken und ich konnte nicht mehr schlafen. Auf Wunsch der Besitzer brachten wir Satan am Tag darauf, zu einem Krematorium in Scharbeutz. Dort wurden wir von einer netten Damen empfangen, die mit uns alles Weitere regelte. Die Gespräche mit ihr, halfen uns sehr mit der ganzen Situation klar zu kommen. Sie hat uns so viel Empathie und Herzenswärme entgegen gebracht… Es war wundervoll. Sie legte Satan noch in ein präpariertes Körbchen und wir durften uns in Ruhe verabschieden. Dann suchten wir eine schwarze Urne mit Kerzenhalterung aus und ließen einen Pfotenabdruck aus Gips anfertigen.

Die Urne und den Abdruck schenkten wir den Besitzern, einen Abdruck behielten wir für uns. Die Tage darauf verbrachten wir viel Zeit mit unseren Hunden und buchten ein paar Tage später ein Hotel für einen Miniurlaub auf Rügen. Wir brauchten Zeit für uns und versuchten uns so gut es ging zu unterstützen. Ich hatte plötzlich mit Depressionen zu kämpfen. Unsere gemeinsame beste Freundin bekam einen Haustürschlüssel und kam jeden Morgen zu mir, um mich zu wecken und mir bei der Bewältigung meines Tages zu helfen. Schon kleinste Dinge wie essen oder spazieren waren eine Herausforderung für mich.

Es dauerte lange, am Ende konnten wir durch Verständnis, Ruhe und Hilfe von anderen mit unserer Trauer klarkommen. Ich kann in solchen Situationen nur raten: Sucht euch etwas, das EUCH gut tut, nicht was andere für gut finden würden. Kauft euch einen Eimer Eis, bestellt euch die größte und geilste Pizza der Welt, geht Joggen, geht an einen abgelegenen Ort und schreit euch die Seele aus dem Laib oder geht einen Tag in die Sauna und zur Massage. Lasst es euch gut gehen. Macht Schritte für euch, lasst euch da nicht reinreden, wie ihr zu trauern habt. Es sind eure Gefühle und die sind wichtig. Nur das zählt. Und nichts anderes.

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