💉 Mein Weg mit Rheuma

Die richtigen Ärzte bei Rheuma finden

Auf die Ärzte kommt es an

Wenn man mit einer Erkrankung zu kämpfen hat, ganz egal, ob es sich hierbei um Rheuma oder eine andere Erkrankung handelt, merkt man sehr schnell, wie wichtig es ist, die richtigen Ärzte an seiner Seite zu haben. Bevor ich an Rheuma erkrankte, hatte ich eine ganz andere Einstellung zu Ärzten, es war mir egal, ob sie gut oder schlecht waren, Hauptsache sie waren in meiner unmittelbaren Nähe und das ich im Notfall auch ohne Termin dort erscheinen konnte. Und ich war eigentlich nur beim Arzt, wenn ich krank war, nie vorher zur Vorsorge oder ähnlichem.

Aber meine Einstellung hierzu änderte sich dann sehr schnell, als das Rheuma auf der Bildfläche erschien und mein Leben komplett umkrempelte. Ich begann nach Ärzten im Netz zu suchen, las mir Bewertungen durch und setzte mich mit den jeweiligen Fachrichtungen ausführlich auseinander. Ich machte mir eine Ärzteliste, wo ich alle Fachrichtungen drauf notierte, die für mich und mein Leben wichtig sind und suchte hier nach den passenden Ärzten. Plötzlich war es mir egal, ob der Arzt direkt in meiner Ecke seine Praxis hat, sondern es war mir plötzlich wichtiger, dass er sich mit Rheumatoider Arthritis auskennt und auch die anderen Ärzte wie z.B. Zahnärzte, Augenärzte etc. sich damit etwas auskennen. Denn leider kommen durch das Rheuma in fast allen Bereichen meines Körpers Defizite zum Einsatz, worauf stark geachtet werden muss.

In Hamburg gibt es den Rheumabogen

Als ich erfuhr, dass ich an Rheumatoider Arthritis leide, war es mir wichtig, schnellst möglichst einen guten Rheumatologen in Hamburg zu finden, der gut erreichbar ist, denn aufgrund der Medikamente müssen alle paar Wochen Bluttests gemacht werden und da bringt es mir nichts, wenn ich immer 1-2 Stunden durch die ganze Stadt fahren muss. Leider gestaltete sich die Suche nach einem Rheumatologen in Hamburg als etwas sehr kompliziertes, denn hier kann man nicht einfach bei einer Praxis anrufen und einen Termin machen. In Hamburg gibt es, als einzige Stadt in Deutschland, den sogenannten Rheumabogen.

Der Rheumabogen muss der Patient seinem Hausarzt zum ausfüllen geben, dieser muss vom Arzt dann an die ausgesuchte Praxis gefaxt werden und dann heißt es warten. Denn die rheumatologische Praxis selbst entscheidet, wie wichtig ein Termin ist und dann sind da ja auch nicht die normalen Wartezeiten einzuhalten. Ohne diesen Bogen ist eine Behandlung nicht möglich. Ich habe überall in Hamburg angerufen und wurde auf den Rheumabogen verwiesen und mit Wartezeiten von bis zu einem Jahr vertröstet, je nachdem wie “spannend” mein Fall sei. Das fand ich echt schlimm und suchte mir einen Rheumatologen, der ohne Terminvergabe und ohne diesen Rheumabogen arbeitet, davon habe ich zwei Ärzte gefunden und ich für einen in meiner Nähe entschieden.

Ich habe nun einen Rheumatologen der sehr kompetent ist, zwar hat er mir von Anfang an klar gemacht, dass auch er seine Grenzen hat und je nach schwere meiner Erkrankung vielleicht irgendwann nicht mehr helfen kann, sondern mich weiter an seine Kollegen verweisen müsste, da diese einfach umfangreicher arbeiten können als er, dennoch bin ich nun, drei Jahre später noch immer bei ihm und dort sehr gut eingestellt worden. Die Praxis ist schnell erreicht und ich muss nicht so weit fahren, wenn ich alle 6 Wochen zum Bluttest hin muss. Ich werde immer umfassend über meine Laborergebnisse informiert und wenn es mir gut geht, haben wir einmal im Jahr ein Behandlungsgespräch wo der aktuelle Stand des Rheumas notiert wird, eine mögliche Änderung der Medikamente besprochen wird oder andere Dinge geregelt werden können. Wenn es mir schlechter ginge, könnte ich jederzeit hin und das Gespräch entsprechend früher bekommen. Hier wird voll und ganz auf mich, meine Fragen und Bedürfnisse eingegangen und das ist für mich wichtig. Auch wenn ich mich vorab immer sehr gut mit möglichen Medikamenten etc. beschäftige, brauche ich dennoch eine gute ärztliche Behandlung und Betreuung.

Zahnärzte und weitere Fachärzte sind gerade bei Rheuma nicht zu unterschätzen

Ich kann euch den Tipp geben, euch gute Ärzte in allen möglichen Bereichen zu suchen, denn gerade bei einer rheumatischen Erkrankung, kann die Autoimmunerkrankung viele weitere Bereiche des Körpers angreifen und auch wenn ein Rheumatologe viel schaffen kann, ihr werdet je nach Medikation, nicht um einen guten Hausarzt und Zahnarzt drum herum kommen. Denn bei vielen Medikamenten, die ein Rheumatologe verschreibt, müssen vorher spezielle Untersuchungen vom Hausarzt durchgeführt werden. Hierzu zählen z.B. ein Screening der Nieren und Leber. Als mein Rheumatologe mir damals das MTX verschreiben wollte, stand ich ohne Hausarzt da, denn ich war ja vorher immer nur gelegentlich bei wechselnden Ärzten gewesen. Nun musste ich mir also schnellstmöglich einen guten Hausarzt in meiner Nähe suchen und dort Termine ausmachen. Hausarzt und Rheumatologe müssen eng zusammen arbeiten und sich regelmäßig die Blutwerte und Untersuchungswerte weiter geben, damit beide Ärzte eine vollständige Krankenakte haben und diese bei weiteren Medikationen im Blick behalten können.

Im Übrigen sind Zahnärzte, gerade bei Rheuma, nicht zu unterschätzen. Ich persönlich, habe seit meiner frühesten Kindheit große Angst vor Zahnärzten und bin viele Jahre nicht zu den Kontrollen gegangen, da ich immer sehr viel Karies hatte und ständig lange Behandlungen durchgeführt werden mussten. Wir haben uns immer schon gewundert, warum ich so oft Karies und schlechte Zähne hatte, denn ich habe immer gut geputzt. Im Krankenhaus sagte man mir dann, dass Rheuma die Zähne schlechter macht und sie durch das Rheuma anfälliger für Karies wären. Also machte ich mich auf die Suche nach einem wirklich guten Zahnarzt, leider hat diese Suche sehr lange gedauert, denn oft geriet ich an Zahnärzte die mir einfach nur teure Behandlungen unterjubeln wollten. Mein aktueller Zahnarzt ist wirklich gut, hat mir direkt gesagt, dass diese Behandlungen unsinnig seien. Er bestätigte auch, dass bei Rheuma die Zähne wirklich anfälliger für Karies und Zahnfleischentzündungen sind, auch aufgrund der Medikamente, die häufig kleine Apthen (offene Wunden im Mundraum, welche sehr schmerzhaft sein können) verursachen.

Außerdem musste ein guter Hautarzt gefunden werden, denn zu rheumatischen Erkrankungen gehören u.a. auch Schuppenflechte, welche mich seit zwei Jahren verzweifeln lässt. Eigentlich habe ich die Schuppenflechte schon seit ich 18 Jahre alt bin, allerdings wurde dies immer als Neurodermitis diagnostiziert, da es in meiner Familie Fälle von Neurodermitis gibt. Nun, mit 31 Jahren, sah die Haut aber plötzlich ganz anders aus und aus den komischen Flecken im Gesicht und auf den Armen, in den Ellenbogen und an den Knöcheln, wurden richtig komische “Wunden”. Der Rheumatologe diagnostizierte direkt die Schuppenflechte und überwies mich zum Dermatologen. Und auch zwischen Dermatologe und Rheumatologe besteht ein Austausch der Behandlungsdaten, denn beide Ärzte müssen sich immer aufeinander abstimmen und die Behandlungen aufeinander anpassen.

Da ich nicht nur unter Schuppenflechte oder rheumatioder Arthritis leide, sondern auch noch mit einer Uveitis hau kämpfen habe, bin ich auch auf einen guten Augenarzt angewiesen. Dieser muss sich mit der Uveitiserkrankung wirklich gut auskennen, was leider nur die wenigsten Augenärzte können, da die Uveitis bei vielen leider komplett unbekannt ist und somit bei mir auch lange Zeit nicht erkannt wurde. Ich habe das Glück, einen Augenarzt gefunden zu haben, der auf die Uveitis spezialisiert ist und auch eine Behandlungsform unterstützt, die es in Deutschland nur sehr wenig gibt. Ich kann immer ohne Termin zu meinem Augenarzt, werde direkt ran genommen und ich werde IMMER ernst genommen, ganz egal ob er schon was sieht oder ob nicht. Wir haben uns perfekt aufeinander eingespeilt, er kennt meine Uveitisschübe und kann diese mittlerweile zeitlich wirklich gut einschätzen und behandeln. Dies nimmt mir eine große Last von den Schultern und gibt mir jede Menge Lebensqualität zurück.

Bitte sucht euch eure Fachärzte

Ich habe gelernt, mir eine Liste zu machen, was ich von einem Arzt erwarte und welche Ärzte bei Rheuma, zumindest für mich wichtig sind. Je nachdem, welche rheumatische Erkrankung man hat, braucht man auch noch andere Ärzte, als ich sie aktuell brauche. Wichtig ist es aber immer, seine Blutwerte regelmäßig kontrollieren zu lassen und seine Kontrolltermine regelmäßig zu nutzen, denn diese sind wirklich wichtig und wir alle wissen, wie schnell sich das Rheuma verschlechtern oder weiter ausbreiten und somit eine neue Autoimmunerkrankung im geschwächten Körper hervor rufen kann. Also kann ich euch wirklich nur empfehlen, auch wenn es lästig ist, euch gute Ärzte zu suchen und euch nicht nur mit dem Hausarzt zufrieden zu geben. Denn Hausärzte sind schnell am Ende ihrer Möglichkeiten bei Rheuma und somit könnte wirklich viel übersehen werden. Ich musste es selber erleben, was passiert, wenn Rheuma und seine Folgeerkrankungen nicht oder zu spät erkannt werden und muss damit nun meinen Weg gehen.

In den letzten Jahren, habe ich so oft von anderen “Rheumakranken” gehört, dass sie nur einen Hausarzt, aber keinen Facharzt haben, da sie keine Lust auf die ständigen Termine haben oder nicht weit fahren wollen, weil keiner in direkter Nähe ist. Ich kann euch wirklich nur sagen, dass sich ein Besuch beim Facharzt immer lohnt und gerade bei rheumatischen Erkrankungen wirklich wichtig ist, denn nur so können weitere Autoimmunerkrankungen rechtzeitig erkannt oder sogar vermieden werden. Oftmals verschreibt der Hausarzt nur sehr hohe Cortisondosen, da er keine Rheumamedikamente wie MTX etc. langfristig verschrieben darf, und damit ist es leider oft nicht getan.

Mit meinem Rheuma lebe ich aktuell seit rund drei Jahren und bin im Nachhinein sehr froh, dass ich direkt bei einem richtigen Rheumatologen gestartet bin, da ich somit direkt auf die richtigen Medikamente eingestellt werden konnte und auch nach und nach zu weiteren Fachärzten überwiesen werden konnte. Ich weiß meine Fachärzte sehr zu schätzen und bin jedem einzelnen sehr dankbar für ihre gute Arbeit und Beratung meiner Erkrankung, denn nur so kann ich wieder anfangen, ein halbwegs normales Leben zu führen.

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