­čôÜ Hundeerziehung und N├╝tzliches

Die Welpenstunde

Der Kindergarten der Hundeschule nennt sich Welpenstunde

Wenn ein Welpe eingezogen ist, stellt sich auch gleichzeitig die Frage, ob man mit diesem in eine Hundeschule gehen m├Âchte. Aber f├╝r die richtige Schulstunden, w├Ąre der neue Welpe ja noch viel zu jung und kann sich noch gar nicht lange konzentrieren. Aus diesem Grunde bieten (fast) alle Hundeschulen oder Hundesportvereine die sogenannte Welpenstunde an, das ist quasi der Kindergarten der Hundeschule.

Grunds├Ątzlich sollen diese Welpenstunden dazu dienen, ein Gesp├╝r f├╝r den eigenen Welpen zu bekommen und die Bindung mit ersten kleinen ├ťbungen zu st├Ąrken. Nat├╝rlich geht es hier noch nicht um schwere Dinge und die Welpenstunden sind gepr├Ągt von vielen Pausen und Spieleinheiten f├╝r die kleinen, da auch der soziale Umgang mit Artgenossen gelernt werden muss. Hier gucken erfahrene Trainer beim Spielen den Hunden zu und k├Ânnen den neuen Besitzern erkl├Ąren, wann man eingreifen sollte oder woran man Mobbing oder Gefahrensituationen erkennt. Au├čerdem k├Ânnen die neuen Hundehalter, all ihre Fragen los werden, ganz egal ob es darum geht, dass der Welpe noch nicht Stubenrein ist oder dass er draussen einfach alles fressen will, was er auf dem Weg so findet.

Eine gute Hundeschule achtet auf eine ausgewogene Mischung der Hunde, so dass hier nicht gro├č auf klein trifft, und es sollten maximal sechs Welpen in der Stunde sein, um einen guten ├ťberblick behalten zu k├Ânnen. Das Alter der Welpen sollte ebenso gut zusammen passen. Die meisten Welpenstunden sind f├╝r Welpen vom dritten bis vierten Monat gedacht und ab dem f├╝nften, wenn der Hund kein Welpe sondern eher ein Junghund ist, darf dieser dann in die Junghundgruppe, also quasi der Vorschulklasse unter den Hundeschulkursen. In manchen Welpenstunden lernen die Hunde auch unterschiedliche Dinge kennen, wie verschiedene Untergr├╝nde oder Ger├Ąusche die nachgeahmt werden.

Welpe Reva beobachtet das wilde Treiben am Hundestrand.

Also gut strukturiert und das Mensch-Hund-Team st├Ąrkend, sollte eine gute Welpenstunde ablaufen. Eigentlich, denn leider ist das oft nur das Wunschdenken, der Besitzer und bei sehr vielen l├Ąuft eine Welpenstunde einfach nur sehr chaotisch und durcheinander ab. Daher entscheiden sich immer mehr Hundebesitzer gegen eine Welpenstunde und versuchen sich mit anderen Welpenbesitzern aus ihrem Umkreis zu treffen oder ├╝ber die Sozialen Netzwerke auszutauschen und Rat zu suchen. Eigentlich eine sch├Âne Idee, kann aber durchaus die Gefahr haben, dass gerade Neuhundebesitzer, nicht erkennen, wann die Welpen Pausen im Spiel ben├Âtigen oder ab wann das Spiel vielleicht kippt und sich in Richtung des Mobbings entwickelt.

Ganz egal, ob man sich nun f├╝r oder gegen eine Welpenstunde entscheidet, es sollte auf jeden Fall zum eigenen Welpen und sp├Ąteren Hund-Mensch-Team passen. Wenn man ohnehin vorhat, eine Hundeschule zu besuchen, macht eine Welpenstunde wirklich Sinn und man kann auch so schnell erkennen, ob die ausgesuchte Hundeschule wirklich zu einem passt. Und wenn dies nicht der Fall ist, kann man diese ja auch wechseln, denn Hundeschulen gibt es viele und leider kann es wirklich etwas dauern, bis man die f├╝r sich passende Hundeschule und auch Welpenstunde gefunden hat, aber das ist wirklich nicht schlimm, denn es ist einfach so wichtig, dass sich Hund und Halter in ihrer Welpenstunde aber auch sp├Ąteren Hundeschule wirklich wohl und verstanden f├╝hlen.

Auch wir haben eine Welpenstunde besucht

Und nun m├Âchte ich es nat├╝rlich nicht vers├Ąumen euch von unserer Welpenstunde zu berichten. Wie ich ja schon geschrieben habe, war Reva, aufgrund fehlender Sozialisation und dem fehlenden Muttertier sehr dominant, kein Wunder, denn sie hatte ja wochenlang ein bestehendes Rudel in Russland dominiert, als kleiner Welpenpups. Aus diesem Grunde wollte ich sie nicht einfach zu anderen Hunden in den Freilauf lassen, und fand es besser, wenn da mal ein Profi drauf guckt. Eine passende Hundeschule, die auch eine Welpenstunde anbietet, hatte ich schnell gefunden, denn es war die Hundeschule, wo ich mit meiner ersten H├╝ndin die ein oder andere Einzelstunde besucht hatte. Ich hatte damals schon den Wunsch, Reva ohne Hundeschule erziehen zu wollen, aber gerade in dem Punkt des sozialen Verhaltens Artgenossen gegen├╝ber, war mir das einfach sehr wichtig, dass hier ein Hundetrainier r├╝ber schaut und mir ggf. Tipps geben w├╝rde.

So machte ich mich also mit Welpe-Reva an einem Samstagnachmittag im Januar auf den Weg, zur Welpenstunde. Eigentlich war Reva, laut Website der Hundeschule, mit ihren gesch├Ątzten 16 Wochen zu alt um daran teilzunehmen, aber da mich die Trainerin noch von den Einzelstunden kannte, und ich ihr bereits telefonisch von meinen Bedenken mit den Artgenossen und Revas Dominanz berichtet hatte, machte sich hier gern eine Ausnahme und wir durften vorbeikommen.

Reva hat in der Junghundzeit sehr oft die Fellfarben ver├Ąndert.

Reva mischt die Welpenstunde ordentlich auf

Die Welpenstunde fand auf einem offenen Gel├Ąnde statt, es war also nix eingez├Ąunt und die Hunde h├Ątten jederzeit in den angrenzenden Wald abhauen k├Ânnen und die Stunde selbst dauerte 1,5 Stunden, was ich pers├Ânlich f├╝r viel zu lang empfunden habe, zumal es ordentlich am schneien und somit echt kalt war. Jeder Teilnehmer sollte mit seinem Welpen abgeleint auf das Gel├Ąnde kommen, und somit wurde jeder Neuank├Âmmling st├╝rmisch von 11 Welpen unterschiedlicher Gr├Â├če und Gewichtsklasse wild begr├╝├čt. Es war ein totales durcheinander. Einige sehr kleine oder auch noch sehr junge Hunde, versuchten sich auf dem Gel├Ąnde vor den anderen Welpen zu verstecken und die beiden Trainerinnen wirkten zwar v├Âllig cool und gelassen, fragten nach Besitzern einiger Welpen und zeigten Fehlverhalten auf, machten aber trotzdem einen ├╝berforderten Eindruck, bzw. haben es versucht diesen gut zu ├╝berspielen.

Nach 15 Minuten wurde das Spiel abgebrochen, alle Besitzer sammelten ihre Hunde ein und es sollten erste ├ťbungen kommen. Wir sollten uns einfach alle nebeneinander im Kreis aufstellen und abwarten. Danach sollten wir den Welpen festhalten und den Karabiner der Leine immer wieder klicken lassen, aber nicht l├Âsen, einfach nur klicken, damit der Hund lernt, dass es nicht zwangsl├Ąufig bedeutet, dass es nun eine wilde Party gibt, sondern er lernt aufmerksam zu werden.

Tja, w├Ąhrend Reva das soziale Spiel wirklich toll gemacht hatte und sich als einziger Welpe aus dem Spiel abrufen lie├č, man war ich da stolz, hatte die junge Dame hier echt keinen Bock drauf und begann die ├ťbung mit lautem Gemotze zu st├Âren. Sie jammerte und winselte und wurde immer bockiger im Tonfall. Die Trainerin wartete eine Minute ab und nachdem Reva immer lauter wurde und gezielt versuchte die Trainerin in ihrer Erkl├Ąrung zu ├╝bert├Ânen, die wurde n├Ąmlich auch immer lauter, kam sie zu mir und stellte sich neben Reva. Nun begann die Trainerin damit, Reva immer wieder in die Seite zu zwicken, wenn diese ihr Gemotze startete. Sie erkl├Ąrte allen anderen stolz, dass es eine Abbruchhandlung sei und der Hund hiermit verwirrt werden w├╝rde und sein unerw├╝nschtes Verhalten beenden w├╝rde. Nun ja, irgendwie hatte sie die Rechnung ohne Revas Dickkopf gemacht, denn diese dachte nicht daran aufzuh├Âren. Reva guckte die Trainerin unbeeindruckt an, um dann nur noch lauter zu werden. Nun wurde Reva von der Trainiert auf die Seite geworfen und es wurden noch weitere Ma├čregelungen vorgenommen, an die ich mich nicht mehr erinnern kann, aber Reva nahm alles hin und reagierte auf nix.

Schon als Baby fand Reva den Schlamm super.

Nach 15 Minuten gab die Trainerin auf, die anderen durften in der Zeit die Karabiner klicken lassen, um nicht zu erfrieren, denn es wurde immer k├Ąlter und zum Schnee mischte sich nun auch noch Regen. Nun wurde wieder gespielt und Reva war nun in richtig guter Laune, sie mischte die Welpen mit ihren wilden f├╝nf Minuten so richtig auf, und anschlie├čend hatten alle M├╝he ihren Welpen einzufangen und zu beruhigen. Dann folgten Tierarzt├╝bungen, die jeder mit seinem Welpen vor den anderen nachmachen sollte, was ganz gut lief, da wir das bereits ge├╝bt hatten. Anschlie├čend durften alle Besitzer ihre Fragen los werden, w├Ąhrend die Welpen spielen sollten, dies war aber extrem unkontrolliert, da die Trainer mit der Fragestunde besch├Ąftigt waren. Die beliebteste Frage war ├╝brigens, warum der Hund mit drei Monaten noch nicht stubenrein sei, man h├Ątte es ja nun seit zwei Wochen so ge├╝bt wie vom Z├╝chter vorgegeben.

Das Durcheinander wurde immer gr├Â├čer, einige Hunde schliefen bereits v├Âllig ersch├Âpft auf dem kalten Schneeboden ein, w├Ąhrend sich andere Hunde ├╝ber sie hermachten und an ihren rumzogen. Keiner schritt hier ein, alle fanden es einfach nur s├╝├č und machten Bilder oder Videos und lachten sich kaputt. Ich fand das alles nur noch komisch und auch die gestellten Fragen wirkten alle so, als h├Ątte man sie vor dem Kauf, nie mit dem Thema Welpe oder Erziehung befasst. Auch Reva hatte keinen bock mehr, da sie immer wieder von einem Hund bedr├Ąngt wurde und kam v├Âllig ersch├Âpft zu mir und suchte Schutz. An diesem Punkt fragte ich kurz nach, was denn nun noch passieren w├╝rde aber au├čer spielen und fragen stellen, stand nix mehr an, also verabschiedete ich mich von den anderen und verlie├č mit Reva die erste und auch letzte Welpenstunde.

Welpenstunde? Nein danke, nie wieder

Ich w├╝rde nie wieder eine Welpenstunde besuchen, aber nun wei├č ich auch, worauf ich beim Welpen und seinem Spielverhalten mit Artgenossen achten muss. Da ich vor Reva eine H├╝ndin hatte, die nie Kontakt zu Hunden wollte, war mir das halt einfach unbekannt gewesen, daher war die Absicherung wirklich gut. Aber nochmal h├Ątte ich das wirklich nicht haben wollen. Ich war wirklich erschrocken gewesen, ├╝ber die teilweise sehr harten und veralteten Trainingsmethoden, gerade bei Welpen, und das man versuchte, sein Trainingsmuster durchzudr├╝cken, obwohl Reva ja deutlich zeigte, dass es sie nicht interessierte. Hier h├Ątte ich mir das aufzeigen von alternativen gew├╝nscht oder eine Erkl├Ąrung warum sie so reagierte. Aber nein, stattdessen wurden wir dann einfach stehen gelassen und die ├ťbung wurde abgebrochen. Irgendwie kann das, gerade bei Neuhundebesitzern, den Mut nehmen und Zweifel s├Ąhen, glaube ich. Aber gut, ich habe Reva auch ohne weitere Welpenstunde und auch ohne Hundeschule “hinbekommen”, wie ich finde.

Dieses Bild entstand in den ersten Tagen nach Revas Einzug bei uns.

Nat├╝rlich ist jede Hundeschule anders, und somit auch die Welpenstunde, aber ich habe bisher nur schlechtes geh├Ârt und das es bei vielen (fast) genauso wild zuging wie bei uns. Dann bereite ich mich lieber selber gut auf meinen Welpen vor, mit B├╝chern oder Trainingsvideos, aber mittlerweile sind wir ja auch keine Hundeanf├Ąnger mehr und k├Ânnen somit, sollte noch einmal ein Welpe einziehen, alles besser machen.

Wer ├╝brigens gerne mal etwas zu der Welpenstunde, aus Sicht einer Hundetrainerin lesen m├Âchte, sollte mal bei uns im Blogtalk vorbeischauen, denn meine liebe Freundin Janine, hat dort einen klasse Beitrag geschrieben, wie es eigentlich dort abzulaufen hat und warum es wichtig w├Ąre, eine gute Welpenstunde zu besuchen.

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht ver├Âffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.