🎤 Hundemenschen unter sich

Die Zahnreinigung

Werbung

Anmerkung: Dies ist ein Bericht aus der Sicht einer angehenden Tierärztin und ersetzt keinen Besuch beim eigenen Tierarzt, sollten Zahnprobleme beim Hund auftreten. Dies ist lediglich eine Hilfestellung das Thema besser zu verstehen und zu verdeutlichen, wie wichtig eine gute Zahnpflege beim Hund ist. Da es sich um einen Gastbeitrag mit Nennung des Instagram-Accounts handelt, handelt es sich hierbei um Werbung.

Eine kleine Vorstellung – Das sind wir

Hallihallo, mein Name ist Janine Schmidt, ich bin 25 Jahre alt und studiere zurzeit Tiermedizin im 7. Semester und davor habe ich bereits eine Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten abgeschlossen. Ich habe zwei wunderbare Hunde: Pina, einen Epagneul Breton und Poldy, ein kleiner Dreibeinmischling, und ich liebe es einfach mit ihnen gemeinsam zu arbeiten und unsere Beziehung zu stärken. Auf Instagram findet ihr uns bei @study_my_dog. Ich danke Jessica, dass ich auf ihrem Blog Gastbeiträge schreiben und euch ein bisschen etwas über meine Erfahrungen und meinen Wissensstand in der Hundegesundheit mitnehmen darf.

Das Problem mit mangelnder Zahnpflege beim Hund

Zunächst einmal ist eine gesunde Mundflora bei Hunden genauso wichtig wie bei uns Menschen, und eine Vielzahl von guten Bakterien unterstützt den Hund hierbei. Aber natürlich gibt es auch einige Bakterien die in der Maulhöhle absolut nichts zu suchen haben und für den manchmal wirklich furchtbaren Geruch unserer Lieblinge sorgen, wenn diese uns angähnen.

Was für uns als unangenehm wahrgenommen wird, ist für die Vierbeiner doch gefährlicher, als so mancher denken mag, denn gelangen diese Bakterien in den Blutkreislauf durch kleinste Verletzungen der Mundschleimhaut, kann es zu Herz- und Kreislauferkrankungen kommen. Gerade auch bei älteren Hunden, bei welchen man vielleicht Angst vor der Narkose hat, sollte man eine Zahnsanierung aus vohergenannten Gründen nicht aufschieben. Ebenfalls zieht sich durch massiven Zahnstein das Zahnfleisch zurück, und Zahnfleisch welches einmal weg ist, bleibt weg. Es bildet sich nicht nach, die Zahnhälse legen sich frei und die Zähne fangen an sich zu lockern. In extremen Fällen hält der Zahnstein am Ende die Zähne an Ort und Stelle und bei Entfernung des Zahnsteins können diese nicht im Gebiss erhalten bleiben.

So kam es auch schon vor, dass ich nun zahnlose Patienten wieder an ihre Besitzer rausgeben musste. Aber keine Angst, Hunde sind wunderbar darin sich anzupassen. Die meisten haben danach sogar Trockenfutter fressen können. Hunde können, genau wie Menschen, auch an Karies erkranken. Auch deshalb sollte auf eine zuckerfreie Ernährung geachtet werden.

Fun-Fact: Katzen können keinen Karies bekommen. Wissenschaftler forschen schon länger daran und versuchen herauszufinden warum das so ist, um das dann auf den Menschen zu übertragen. Dafür gibt es bei Katzen das sogenannte „FORL“, eine Katzen-Krankheit die die Zähne der Katzen auflöst. Man sagt, wenn ein Zahn einer Katze an FORL erkrankt ist, werden alle Zähne betroffen sein und es ist sinnvoll direkt alle Zähne zu ziehen.

Zurück zu unseren Hunden. Ist nur wenig Zahnstein zu erkennen und ist das Zahnfleisch noch intakt, so ginge es um eine reine kosmetische Behandlung. Spätestens wenn das Zahnfleisch aber entzündet ist sollte gehandelt werden. Leider warten einige Besitzer solange, bis der Hund nichts hartes mehr fressen mag und es für viele Zähne schon zu spät ist. Es ist sinnvoll sich regelmäßig das Gebiss seines Vierbeiners anzuschauen. Fällt etwas Ungewöhnliches auf, dann ab zum Tierarzt!

Die Zahnsanierung beim Hund

So eine Zahnsanierung kann man aber leider nicht „einfach so“ machen. In ganz seltenen Fällen, wenn der Zahnstein minimal ist und der Hund ein absolut ruhiges Wesen hat, kann man versuchen die kleinen Ränder auch im wachen Zustand zu entfernen. Das ist dann allerdings eine reine kosmetische Maßnahme. Ein Hund der wirklich unter dem Zahnstein leidet benötigt besondere Vorbereitungen.

Da man – um den kompletten Zahnstein zu entfernen – mit dem Ultraschallgerät auch unter die Zahnfleischränder gelangen muss, ist eine leichte Narkose, bei einer vernünftigen Zahnsanierung, unumgänglich.Um die Narkose einzuleiten, arbeiten die einen Tierärzte mit einem Narkosegas und die anderen, geben eine Spritze in den Muskel. Darüber, welche die bessere Methode ist, lässt sich streiten, wichtig ist in beiden Fällen, dass nach der Narkoseeinleitung ein Tubus gelegt wird. Dieser ist wichtig um zum einen in einer Notsituation beatmen zu können und zum anderen um den feinen Wasserstaub den das Ultraschallgerät mit sich bringt fern vom Atmungsapparat des Tieres zu halten.

Ein frisch gezogener Zahn.

Das Ultraschallgerät ist dasselbe welches auch in der Humanmedizin verwendet wird. Mit ganz schnellen Schwingungen sorgt es dafür, dass sich der Zahnstein leicht löst und man nicht am Zahn herumkratzen muss, denn damit würde man sonst den Zahnschmelz zerstören. Diese Schwingungen erzeugen eine unheimliche Wärme, weshalb das Gerät mit einem Wasserzulauf verbunden ist um das Gerät herunter zu kühlen.

Beim Aufsetzen mit dem Ultraschall auf den Zahn, kommt es zu sehr feinem Wasserstaub und einer Wasseransammlung in der Mundhöhle des Hundes. Beides möchte man nicht in der Lunge des Tieres haben. Durch die Narkose fällt allerdings auch der Schluckreflex aus und somit läuft die Bakterien gefüllte Suspension Gefahr die Luftröhre zu passieren und die Lunge zu erreichen, auch wenn man den Hund etwas kopfabwärts lagert, damit die Flüssigkeit direkt rausläuft, kann der feine Wasserstaub ohne Tubus die Lunge erreichen und dies kann drastische Folgen haben.

Nach der eigentlichen Zahnsanierung werden die Zähne noch poliert. Durch das Ultraschallgerät können kleinste Vertiefungen in den Zahnschmelz stattfinden, welche man durch die Politur ausglättet, damit sich dort nicht schneller Zahnstein bilden kann. Damit der Hund nach so einer Prozedur nicht komplett nass ist, gibt es ein Ablaufgitter um das Wasser und den Zahnstein, wie auch eventuelles Blut, aufzufangen. Blut? Ja, denn wie schon erwähnt, muss man unter das Zahnfleisch gehen, um die Zähne gesund zu erhalten. Dieses ist oft durch den Zahnstein entzündet und sehr empfindlich. Dabei kommt es schnell zu leichtem Zahnfleischbluten

In der Aufwachphase wird der Tubus gezogen, sobald der Schluckreflex wieder einsetzt. Oftmals wird den Tieren durch die Narkose nach dem Aufwachen schlecht. Und es ist möglich, dass sie an dem Tag durch die Reizung des Tubus, noch husten oder gar Blut erbrechen. Aber keine Sorge! Bei dem Blut handelt es sich, um das, nach dem Aufwachen abgeschluckte Blut, wenn Beispielsweise auch ein Zahn gezogen wurde. So eine Zahnwurzel ist übrigens viel länger als man so denkt. Wie man auf dem Bild erkennen kann, ist sie sogar länger als der Teil der oben hinausschaut.

Zahnsanierungen können leicht verhindert werden

Was kann ich tun damit mein Hund nicht in diese Situation kommt und keine Zahnsanierung braucht? Manche raten dazu, Trockenfutter anstelle von Nassfutter zu füttern, da die Futterbrocken die Anfänge vom Zahnstein entfernen sollen. Das ist allerdings längst überholt. Eine einmalige Fütterung am Tag kann helfen, da der Speichel dann genug Zeit hat die Reste „wegzuspülen“ und somit die Zähne zu säubern.

Kaustangen hingegen sind auch oft nur Marketing, kann man aber gern unterstützend geben, werden aber einen Hund nicht vor Zahnstein bewahren, wenn dieser dazu neigt. Tatsächlich ist es nämlich so, dass kleinere Hunderassen und auch die Rassen mit verkürzten Schnauzen eher zu Zahnstein neigen. In die kleinere Maulhöhle müssen die gleiche Anzahl an Zähnen ihren Platz finden und die typischen Lücken verschwinden.

Was kann ich als Hundebesitzer also nun wirklich tun? Das was auf jeden Fall hilft ist: Zähneputzen. Ja, du hast richtig gelesen. Auch ich habe diese Idee früher verschmäht und mich darüber lustig gemacht. Aber die Art der Fütterung unserer Lieblinge, oder auch die gewählte Hunderasse lässt oft nichts anderes übrig. Barfen mit Knochenfütterung oder sogenannte Kauwurzeln wären noch eine Idee, ich selber habe allerdings „Angst“ meinen Hunden Knochen zu füttern, da ich dort leider schon einige Unfälle miterlebt habe.

Wenn man das Zähneputzen durchzieht und gut antrainiert, dann fahren unsere Fellfreunde nicht nur darauf ab, sondern es schließt fast zu 100% aus, dass sich neuer Zahnstein bildet und man hat die Maulhöhle regelmäßig unter Beobachtung und merkt schneller, wenn etwas nicht stimmt. Sollte euer Hund bereits Zahnstein haben, lasst diesen erst professionell entfernen und gebt dem Hund zwei Wochen Pause, da das Zahnfleisch noch gereizt sein kann. Fängt man dann zu früh mit dem Zähneputzen an, hat der Hund eventuell noch Schmerzen und verbindet die Zahnbürste direkt mit etwas negativem. In den zwei Wochen kann man allerdings schon prima anfangen den Hund an den Geschmack der Zahnpasta zu gewöhnen.

Also nur Mut und ran an die Zahnbürsten! Ich wünsche euch und euren Fellnasen eine gesunde Mundflora und wenn Unklarheiten aufgekommen sind, sträubt euch nicht davor euren Tierarzt mit Fragen zu löchern. Dieser kann euch auch die richtige Putztechnik näher bringen, denn es müssen nicht nur die äußeren, sichtbaren Zähne geputzt werden, sondern auch die inneren Zahnseiten. Euer Tierarzt des Vertrauens hilft euch bestimmt immer gern, denn seine Aufgabe ist nicht nur, euren Hund gesund zu halten, sondern ebenfalls den Besitzer mit einzubeziehen und aufzuklären. Bis bald auf dem Blogtalk, eure Janine mit Pina und Poldy.

Vielleicht gefällt dir ja auch dieser Blogbeitrag...