­čĺë Mein Weg mit Rheuma

Es muss auch mit Rheuma weitergehen

Von Traurigkeit und neuem Mut

Da war ich nun mit meiner Rheumadiagnose. Und dann war es auch gleich noch doppelt. Zu meiner Uveitis (Rheuma im Auge) kam noch die rheumatoide Arthritis und das machte es irgendwie nicht besser. Alles was ich zu beiden Krankheitsbildern im Internet dank Selbstrecherche fand, lie├č meine kleine Welt einst├╝rzen und machte mich sehr traurig. Die Aussichten schienen nicht besonders positiv, denn an der Uveitis sollte ich in wenigen Jahren einseitig erblinden und mit der rheumatoiden Arthritis sollte ein Leben, wie ich es bisher f├╝hrte einfach nicht mehr m├Âglich sein.

Nach einigen Wochen holte ich mir f├╝r beide Diagnosen Zweitmeinungen ein, die leider best├Ątigt blieben, jedoch machten mir meine ├ärzte wirklich Mut, damit ein erf├╝lltes Leben ohne gro├če Ver├Ąnderungen f├╝hren zu k├Ânnen. Und so lie├č ich mich also darauf ein, setzte mich immer mehr mit den Krankheiten auseinander und versuchte die Diagnosen als etwas positives aufzunehmen. Auch wenn das nun komisch klingt, denn wie sollte man bitte an einer unheilbaren Krankheit, die einen von nun an und f├╝r immer begleiten wird, etwas positives sehen, aber ich bin ein Mensch, der glaubt, dass alles was passiert seinen Grund hat. Und so begann ich auch hier nach meinem Grund zu suchen.

Ich hatte Angst, dass ich nie wieder so aktiv sein w├╝rde.

Je l├Ąnger ich mich mit all dem auseinander setzte, desto mehr kam meine positive Lebenseinstellung und mein Kampfgeist zur├╝ck. Ich hatte in meinem Leben bereits so viele harte K├Ąmpfe ├╝berstanden, und ich bin einfach nur st├Ąrker geworden und r├╝ckblickend ├╝ber jeden dieser K├Ąmpfe und teilweise auch harten Niederlagen sehr dankbar, denn sonst w├Ąre ich nun nicht der Mensch der ich heute bin. Ja das alles klingt nun vielleicht irgendwie abgedroschen, aber ist mein voller Ernst. Langsam begann ich aktiver zu werden und fand dank liebevoller Unterst├╝tzung durch meinen Mann und lieben Freunden in mein Leben zur├╝ck, wurde wieder aktiver und konnte wieder lachen.

Auch meine Medikamente nahm ich gut an. Ich wurde von Kortison auf MTX umgestellt, einem Mittel aus der Krebstherapie, ein ganz widerliches Chemotherapiemittel. Auch wenn es f├╝r Rheumapatienten wesentlich niedriger dosiert ist, so hat es dann doch die typischen Nebenwirkungen wie jede andere Chemotherapie auch. Ich musste lernen es als normal anzusehen, mich nun jeden Freitag mit einem MTX-Fertigpen selber zu spritzen. Nie werde ich den Tag der ersten Eingabe vergessen: Ich sa├č total nerv├Âs in unserem Badezimmer auf dem Klodeckel und hielt in meiner rechten Hand meinen Pen. Aber ich traute mich einfach nicht, mir diesen in den Bauch zu stechen und den Ausl├Âser abzudr├╝cken. ich hab seit jeher eine gro├če Angst vor Spritzen und das nun machte es mir nicht gerade einfacher. Ich schrieb einer Freundin von meiner Angst, welche umgehend per Videotelefonie anrief und diesen so gro├čen und wichtigen Schritt mit mir gemeinsam ging. Wir z├Ąhlten zusammen bis drei und ich setze den Pen an und dr├╝ckte ab. Es war wirklich v├Âllig schmerzfrei und ich war erleichtert.

Ich hatte zwar schon von dem Nebenwirkungen gelesen, aber trotzdem war ich auf das, was die Spritze mit sich brachte nicht wirklich vorbereitet gewesen. ├ťberall stand etwas von starker ├ťbelkeit und Erbrechen, Durchfall oder Schwindel. Aber ich wurde einfach nur sehr m├╝de, und das unmittelbar nach der Spritze. Ich beeilte mich ins Bett zu kommen und hatte den st├Ąrksten Schlaf meines Lebens. Am n├Ąchsten Morgen wachte ich mit extremen Kopfschmerzen auf und wusste sofort, dass sind nun die Nebenwirkungen. Zu den Kopfschmerzen kamen leichte ├ťbelkeit und ein starkes Gef├╝hl von Schwindel. Au├čerdem hatten meine H├Ąnde kaum Kraft und ich wirkte in mir selbst irgendwie sehr zerbrechlich. Aber ich nahm es in kauf, denn ich versprach mir von den Spritzen eine deutlichere Schmerzfreiheit, sobald das Medikament im K├Ârper wirken w├╝rde, was noch einige Wochen dauern w├╝rde.

In unserem Rudel wird Zusammenhalt ganz gro├č geschrieben, ganz egal was passiert wir geben uns immer gegenseitigen halt.

Viele Ver├Ąnderungen wo es keine geben sollte

Die Wochen verstrichen, ich gew├Âhnte mich an meine w├Âchentliche Spritze und lernte mit den Nebenwirkungen zu leben. Nach gut vier Wochen merkte ich sogar endlich die erste Wirkung und wurde wirklich nach und nach immer schmerzfreier, was mich sehr freute. Ich begann wieder Sport zu machen und kehrte in meinen Arbeitsalltag zur├╝ck. Alles wurde wie fr├╝her und machte mich gl├╝cklich. Aber da hab ich die Rechnung ohne das Rheuma gemacht, denn das wollte so gar keine R├╝ckkehr zu meinem alten Leben und daf├╝r ein neues Leben mit mir beginnen.

Als ich eines morgens beim Fr├╝hst├╝ck war und gerade mein Nutellabr├Âtchen gegessen hatte durchfuhr mich ein extremer Schmerz. Meine H├Ąnde hatten von jetzt auf gleich keine Kraft mehr und konnten nicht mehr bewegt werden. Der Schmerz strahlte durch den ganzen K├Ârper und ich war den Schmerzen v├Âllig hilflos ausgeliefert. Weinend sa├č ich da, v├Âllig ├╝berfordert, mit dieser so pl├Âtzlichen und mir bisher unbekannten Situation. Nach 15 Minuten wichen die Schmerzen langsam aus meinem K├Ârper und wurden immer weniger. Ich hielt das f├╝r einen kurzen Rheumaschub und dachte nicht weiter dr├╝ber nach. Leider wiederholte sich diese Situation immer wieder in den n├Ąchsten Tagen. Sobald ich etwas naschte oder ein St├╝ck Fleisch a├č begann mein K├Ârper mit starken Schmerzen darauf zu reagieren. Diese Sch├╝be wurden jedes Mal st├Ąrker und l├Ąnger. Nach einer Woche konnte ich dann endlich zu meinem Rheumatologen und dieser erkl├Ąrte mir, dass mein Rheuma auf meine aktuelle Ern├Ąhrung reagieren w├╝rde und es sein k├Ânnte, dass mein Rheuma vielleicht sogar durch eine falsche Ern├Ąhrung ausgel├Âst wurde.

Meine Ern├Ąhrung war nie die beste gewesen, ich ern├Ąhrte mich fast ausschlie├člich von S├╝├čigkeiten und Fast Food und mir war klar das es meinem K├Ârper nicht gut tun w├╝rde, aber das dadurch Krankheiten wie Rheuma entstehen k├Ânnte, war mir v├Âllig unklar gewesen. Mein Arzt schlug eine sofortige Umstellung auf eine vegan Lebensweise um und ich sollte auf Zucker verzichten, f├╝r immer. Das traf mich mindestens genauso pl├Âtzlich, wie alles andere bisher auch, was mit der bl├Âden Rheumaerkrankung zu tun hatte. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, meine Ern├Ąhrung zu ├Ąndern und nie wieder zu naschen.

W├╝rde ich auch mit Rheuma wieder auf den Broken wandern k├Ânnen?

ByeBye Fleisch und hallo Salat

Ich tat mich wirklich schwer mit dieser Ver├Ąnderung. Obwohl mein Mann sofort daf├╝r war, mit mir Kochb├╝cher kaufen wollte und sich in das Thema einlesen wollte, konnte ich mir eine vegane und zuckerfreie Lebensweise einfach nicht bei mir vorstellen, schon gar nicht dauerhaft. Aber da ich keine andere Wahl hatte, da die Schmerzen beim Essen immer unertr├Ąglicher wurden, begann ich mir Videos anzusehen und Artikel auf Blogs zu lesen. Ich entschied mich daf├╝r erst einmal nur vegetarisch und zuckerfrei zu werden, denn Vegan leben erschien mir einfach nicht machbar.

Und so begann der Zuckerentzug. Fast vier Wochen lang schlich ich auf der Arbeit um die S├╝├čigkeiten umher und erwischte mich auch zuhause immer wieder an den S├╝├čigkeiten meines Mannes. Ich sortierte unsere Lebensmittel nach deren Zuckergehalt aus und lernte beim einkaufen darauf zu achten. Es gab schlimme Kopfschmerzen und richtige Entzugserscheinungen und davon abgesehen war ich teilweise wirklich aggressiv und schnell genervt. Aber ich hielt durch und wurde nach und nach f├╝r meine Disziplin belohnt, denn mein K├Ârper wirkte immer fitter und ich begann meinen st├Ąndigen Hunger zu verlieren. Mit Kochb├╝chern tat ich mich weiterhin schwer, denn es sah alles nicht wirklich lecker aus und ich versuchte mich an Rezepten aus dem Internet, da es dort ehrliche Bewertungen dazu gab, dass gab mir ein besseres Gef├╝hl und das meiste davon war wirklich lecker.

Wir sind ein sehr aktives und lebensfrohes Rudel, was sich auch durch Rheuma nicht den Spa├č am Leben nehmen l├Ąsst.

Leider zeigte mein K├Ârper nach einem halben Jahr erste Probleme mit der vegetarischen Ern├Ąhrung und ich bekam von der Nahrung wieder Schmerzsch├╝be. Aus diesem Grunde biss ich in den sauren Apfel und stellte mich auf das vegan Leben um. Wobei ich ehrlich sagen muss, dass der Apfel gar nicht so sauer war, denn ich hatte in den letzten Monaten immer ├Âfters auch vegane Rezepte ausprobiert und war begeistert gewesen. Also ging ich diesmal los und kaufte mir ein paar tolle Kochb├╝cher mit hilfreichen Erkl├Ąrungen, worauf es bei der Veganer Lebensweise ankommt. Ich begann immer mehr Dinge auszuprobieren und war wirklich begeistert, wie gut R├╝hrrei aus Tofu oder Thunfischsalat aus Kichererbsen schmeckt. Oder auch wie lecker Lachs aus M├Âhren sein kann. Auch mein Mann konnte sich immer mehr daf├╝r begeistern und verzichtete nach und nach immer h├Ąufiger auf sein Fleisch, welches ich immer noch zus├Ątzlich zubereitete und begann wirklich gefallen an meinen Veganer Gerichten zu finden.

Nun leben wir schon seit ├╝ber einem Jahr vegan und zuckerfrei und sind begeistert, denn so gesund wie derzeit waren wir noch nie, wir hatten nicht einmal unsere Wintergrippe. Meine Schmerzen nach dem essen sind komplett verschwunden und sind ein gutes Warnzeichen geworden. Wenn wir z.B. essen gehen und das Gericht wurde aus irgendeinem Grund durch tierische Produkte verunreinigt sp├╝re ich es nur wenige Minuten sp├Ąter. Leider sind das dann wirklich starke Schmerzen, aber sie beweisen mir immer wieder, dass meine vegane Ern├Ąhrung wirklich der richtige Weg f├╝r mich ist und mir gut tut. Mittlerweile bin ich davon ├╝berzeugt, dass mein Rheuma von meiner schlechten Ern├Ąhrung kommt.

Ich lasse mich nicht kleinkriegen und k├Ąmpfe mich zur├╝ck ins aktive Leben.

Zur├╝ck ins Leben

Es hat seine Zeit gebraucht bis ich wieder neuen Lebensmut gefasst habe und beginnen konnte, in dem ganzen etwas gutes zu sehen. Aber ich schaffte es und heute bin ich dankbar, dass ich erkannt habe, dass die Ern├Ąhrung falsch war und es erfolgreich ge├Ąndert habe. Auch konnte ich mich mit den Medikamenten arrangieren und einen Weg finden mit den Nebenwirkungen umzugehen. Ich sehe den Tag nach den Spritzen, immer als meine pers├Ânliche Ruhepause und bin daf├╝r irgendwie dankbar, denn Ruhephasen gab es bei mir vorher nur selten.

Auch habe ich gelernt, viel mehr auf mich selbst zu achten, musste lernen zu erkennen wann ich zu aktiv bin und wann ich mich etwas bremsen muss. Ich habe erkannt das Ruhe kein Problem ist und mir Dinge wie Meditation und Hypnose helfen zur Entspannung und zu mir selbst helfen. Auch wenn es komisch klingt dies zu sagen, aber nachdem ich nun gut zwei Jahre mit meinem Rheuma und so vielen Ver├Ąnderungen in meinem Leben lebe und immer wieder h├Âllische Schmerzen durchleiden muss, muss ich wirklich sagen, dass ich f├╝r meine Krankheit und all dem ganzen dankbar bin.

Durch das Rheuma habe ich eine neue Sicht auf das Leben bekommen.

Ich habe mich nich nie so gut selbst gekannt wie jetzt und mich immer wieder falschen Dingen gewidmet, aber das ist nun anders, ich bin vorsichtiger geworden und habe endlich gelernt neue Dinge nicht mehr sofort abzulehnen und zu versuchen. Auch wenn ich schon immer eine K├Ąmpferin war so ist dies doch der schwerste Kampf meines Lebens aber f├╝r diesen bin ich wirklich dankbar, denn er zeigt mir das ich menschlich bin und daher niemals perfekt sein muss, was ich immer dachte. Mein Leben war gepr├Ągt vom inneren Druck nach Perfektionismus, aber dieser legte sich mit Beginn der Krankheit immer mehr und erst jetzt hab ich das Gef├╝hl, den Sinn des Lebens zu verstehen. Denn nicht der Sinn nach etwas unmenschlichen zu streben macht das Leben so wertvoll, es ist die Hingabe und Annahme des eigenen Lebens, was das Leben so wertvoll macht. Auch wenn ich nun fast 30 Jahre brauchte, um dies verstehen, so bin ich nun wirklich dankbar f├╝r mein Leben und werde meine Krankheit nicht mehr als Fluch sondern als Segen f├╝r mich selbst ansehen. Ich habe erkannt, dass das Rheuma nicht das Ende vom Leben ist, sondern erst den Anfang f├╝r mein Leben bedeutet.

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