🐾 Revas und Laskas Hundeleben

Es wird nicht leicht….

Baby-Reva und eine ganz stolze Hundemama

Da saßen wir nun im Auto, ganz stolz und mit unserem Welpen auf dem Schoß. Da es mitten im Winter war und Reva eine lange Reise im Transporter, von Russland nach Hamburg gehabt hatte, wollten wir sie noch an diesem Abend gesundheitlich durchchecken lassen und riefen spontan bei unserem Tierarzt an. Dieser hatte noch auf und nahm uns gerne in Empfang. Meine Freude wurde ein wenig getrübt, da wir in dem selben Raum saßen in welchem wir vor wenigen Wochen unsere alte Hündin erlösen mussten. Es kam alles wieder hoch und für einen kurzen Moment fühlte es sich nun falsch an, Reva aufgenommen zu haben.

Als der Tierarzt rein kam, bildete sich ein breites Lächeln auf seinem Gesicht und er begrüßte uns damit, dass er sagte, dass wir nun einen richtigen Hund bekommen würden. Mich verunsicherte dieser Satz und die Zweifel, die eben noch klein waren, wuchsen, aber aktuell überwiegt noch mein Stolz und die Aufregung. Also wurden sämtliche Zweifel verdrängt, ich wollte mir meinen ersten Abend mit Baby-Reva einfach nicht kaputt machen. Sie machte den ersten Tierarztbesuch wirklich toll mit, sie zeigte keine Spur von Angst oder Unsicherheit und wirkte völlig gesund.

Als wir zuhause ankamen, ging ich mit ihr direkt in den Hinterhof, wo es eine schöne Grünfläche gab und ließ sie erst einmal ihre Geschäfte erledigen. Reva zeigte wie bisher auch, überhaupt keine Angst vor all den neuen Dingen oder Geräuschen, sie machte sofort ihre Geschäfte und tapste ,mit der Schleppleine gesichert, fröhlich durch den Hinterhof. Ich war erleichtert und freute mich, wie unkompliziert und einfach alles schien, tja und dann gingen wir in die Wohnung und schlagartig wurde alles ganz anders.

Baby-Reva im Tiefschlaf, so niedlich.

Baby-Reva und ihr Desinteresse für meine Erziehungspläne

Ich hatte die Wohnung bereits welpensicher gemacht, überall klebte Kantenschutz an den Möbeln, zwei kuschelige Hundebetten und eine kleine Spielzeugkiste warten darauf benutzt zu werden. Endlich sollte wieder Leben in unsere Wohnung kommen, aber was dann folgte, war eindeutig zu viel Leben und nix womit ich gerechnet hätte. Ich war auf einen Welpen eingestellt, der sich nach und nach umsieht, vielleicht etwas unsicher wirkt und eventuell auch seine Geschwister vermisst, da diese vor wenigen Stunden voneinander getrennt wurden. Aber nein, Reva ging relativ zügig einmal durch alle Räume, zeigte null Interesse für die Hundebetten und holte sich sofort ihr erstes Spielzeug aus der Kiste. Sie war es vor sich und machte sich ein munteres Spiel daraus, es immer zu fixieren anzuspringen, rein zu beißen und wild umher zu hüpfen. Dann ging es wieder von vorne los, fixieren, anspringen und wildes reinbeissen.

Wir setzten uns zu ihr auf den Boden, legten das Kuscheltier weg und versuchten etwas Ruhe reinzubringen. Aber das war irgendwie nicht in dem Sinne von unserem wilden Welpen, denn Reva begann wieder ihr wildes Spiel, aber diesmal nicht mit dem Kuscheltier, sondern mit uns. Sie saß in leichter Entfernung zu uns, fixierte uns mit wirklich bösen Blicken und spring dann ohne Vorwarnung direkt in unsere Gesichter um sich danach in Arme oder Beine zu verbeissen. Das ging immer wieder so, und zog sich relativ lange. Wenn wir das ganze abbrachen wurde sie bockig und auch spätere Versuche für ruhige Momente der Kontaktaufnahme endeten in dem selben Chaos.

Ich war völlig überfordert, von so etwas stand nix in meinen Büchern und niemand hat mich darauf vorbereitet. Alle sagten, dass sie schüchtern sein würde und wir ihr Zeit und Ruhe geben sollten. Ich rief meine Hundetrainerfreundin an, die uns ja auch vorher schon begleitet hatte, schilderte die Situationen und als ich auflegte war ich geschockt. Sie sagte mir, dass Reva uns versuchen würde zu dominieren. Da sie sehr schnell vom Muttertier getrennt worden war und auf ihrer Pflegestelle in Russland die anderen Hunde dominierte, sei das kein Wunder und wir hätten nun viel zu tun, wenn wir ihre Dominanz brechen wollen würden.

Das erste Selfie…

In meinem Kopf begann sich alles zu drehen. Ich machte meine Abendrunde mit Reva und legte sie danach in ihre Box zum schlafen. Eigentlich brauchte auch ich nun ruhe und schlaf, aber in meinem Kopf ratterte es und die Gedanken liefen auf Hochtouren. In den ganzen letzten Wochen hatte ich mit so viel Mühe an einem Erziehungsplan gearbeitet, der dank all der Bücher und Tipps von Trainern sowie Freunden mit Welpen, eigentlich vernünftig schien. Eigentlich hätte an diesem ersten Abend der Grundstein für eine gute Bindung gelegt werden sollen, aber nun war alles so chaotisch und ich war bereits jetzt, nach nur wenigen Stunden wirklich überfordert. Ich stellte mir immer wieder die selben Fragen. War es richtig gewesen, einen Welpen aus dem Tierschutz aufzunehmen, von dem man kaum was wusste? War es richtig gewesen, einen Welpen aufzunehmen, denn man vorher hatte gar nicht kennen lernen oder beobachten können? Würde ich es schaffen können, würde ich ihr wirklich gerecht werden?

Ich bin niemand der schnell aufgibt und meine Liebe zu Hunden ist einfach zu groß und ich wollte Reva so gerne ein wirklich liebevolles zuhause bieten. Wir hatten ihr beim abholen versprochen, dass ihr Leben nun für immer anders werden würde und wir immer für sie da sein werden, ihr Leben lang. Also setzte ich mich, statt zu schlafen, ins Wohnzimmer, zerknüllte all meine Aufzeichnungen, Notizen und Pläne über die geplante Erziehung und begann mit einem neuen weißen Blatt.

Mein neuer Erziehungsplan nannte sich “Bauchgefühl”

Am nächsten Morgen war ich völlig übermüdet, die Nacht war kurz gewesen, da ich wirklich noch einige Stunden lang damit beschäftig gewesen war mir Gedanken und Notizen zu machen. Ich bin ein Freund von festen Abläufen und Struktur und mag spontane Handlungen nicht unbedingt. Aber als mein Mann fragte, wie der Plan nun aussieht, zeigte ich ihm nur ein leeres Blatt. Ich habe nix aufgeschrieben und habe für mich entschieden intuitiv mit Reva zu arbeiten. Ich hatte in der Nacht noch einige Gespräche mit meiner Freundin geführt und diese sprach immer nur davon, die Dominanz von Reva brechen zu wollen, aber das war einfach nicht das, was mein Bauch als richtig empfand. Mein Bauchgefühl wehrte sich gegen feste Pläne und ein Antidominanztraining und alles in mir schrie nach einer anderen Methode.

Ich entschied mich dafür einfach meinem Bauch zu folgen, denn die Hundeerziehung war mir ja nicht völlig fremd und ich hatte einfach das Gefühl, zu wissen was ich tat. Mein Plan bestand daraus, Reva erst einmal zu beachten denn ich wollte ihre Gedankengänge verstehen. Was jetzt vielleicht komisch klingt, ist für mich etwas ganz logisches, auch heute noch, wir sehen uns an und ich habe das Gefühl ihre Gedanken lesen zu können und zu wissen, was sie in gewissen Situationen empfindet. Es ist vielleicht nicht mit Logik zu erklären und widerspricht bestimmt auch dem Denken von vielen Hundetrainern, aber für mich macht es Sinn und nur das zählt. Aber zurück zu meinem Plan, denn mir war es wichtig irgendwie einen Draht zu ihr bekommen, ich wollte nachvollziehen, was hinter ihren Handlungen steckte und einen Weg finden, diese Verhaltensweisen umzuleiten. Ich wollte ihren Willen, ihre Dominanz und ihren Charakteurkopf einfach nicht brechen, ich wollte das Reva sie selbst sein kann, bloß auf eine sozialere Weise. Also wollte ich versuchen diese unerwünschten Verhaltensweisen umleiten und ihr alternativen aufzeigen.

Reva änderte regelmäßig ihre Optik.

Der erste gemeinsame Tag bestand aus vielen Dingen, überraschenderweise sehr vielen Dingen. Da ich sehr schnell bereits am Morgen erkannte, dass Reva mit Worten einfach nix anfangen konnte, aber auf Geräusche gut reagierte, spazierte ich mit ihr nach dem Frühstück ganz entspannt zum nächsten Tierbedarfsladen, um dort einen Clicker und eine Hundepfeife zu kaufen. Das sollten meine beiden neuen besten Freunde und für mich wichtige Helfer beim Training werden. Interessanterweise machte Reva das ganz gut, sie reagierte zwar nicht auf mich oder meine Stimme, aber sie zeigte keinerlei Angst, fand Artgenossen super und wirkte völlig unerschrocken. Sie zeigte auch keinerlei Probleme mit dem Geschirr, was ihr bis gestern noch völlig fremd war und die Leine stellte auch keine Probleme dar. Gut, von Leinenführigkeit waren wir noch ganz weit entfernt, aber für das erste Mal Gassi gehen war ich wirklich überrascht und glücklich.

Abends fuhren wir, da wir den 24. Dezember hatten zu unserer Familie und feierten Weihnachten. Reva meisterte auch dieses, zu meiner völligen Überraschung wirklich gut. Ich war ganz begeistert, sie lag ruhig in ihrer Box beim essen, ließ sich von allen lieb begutachten und ich konnte sie sogar einige male kurz kuscheln, wobei sie meistens einschlief. Die Nacht bei der Familie verlief auch anstandslos und ich schöpfte immer mehr Hoffnung. Ich begann mir sogar einzureden, dass es vielleicht einfach nur ein blöder Start gewesen sei und wir mit der Dominanz doch falsch lagen. Aber als wir zurück zuhause waren, wiederholte sich der vorletzte Abend immer wieder und ich war wieder zurück in meiner Verzweiflung.

Vom Neustart und wirklich starken Nerven

Die nächsten Tagen verliefen alle recht ähnlich. Meine Trainerfreundin kam zu Besuch und zeigte mir, wie ich Reva Maßregeln könnte, was nun wichtig sei und wann ich ihr Ruhepausen in der Box geben sollte. Da sie merkte, das Reva sich von niemanden anfassen lassen wollte, Hände als Einladung zum wilden Spiel ansah und keinerlei Nähe oder Kontakt zu uns suchte, kam sie schnell zu dem Urteil, dass Reva wirklich niemals ein Hund werden würde, der kuscheln will oder nach nähe suchen würde. Auch wenn es mir das Herz brach, denn ich kuschelte so gerne mit meinen Hunden, so wollte ich diesen Umstand dann doch akzeptieren, denn ich wollte Reva zu nix zwingen und sie sollte sich einfach nur wohl bei uns fühlen.

Süß, süßer, Baby-Reva

Da Reva nach den Feiertagen mit mir ins Büro kommen sollten, begannen wir dort ein kleines Bürotraining. Ich setzte Reva in ihre dortige Box, bewegte mich immer wieder von dieser Weg, stellte Telefongespräche und Besuche im Flur mit meiner Freundin dar und machte laute Geräusche, an die sie sich gewöhnen sollte. Das alles hatte sie wenig gestört, es gab auch kein Gejammer als ich längere Zeit den Raum verließ. Wenigstens hier war ich guter Dinge, dass es laufen würde.

Ansonsten war ich wirklich nur damit beschäftigt, Reva zu beobachten. Da sie immer überdreht war, von alleine keine Ruhe fand, verbrachte sie viel Zeit in ihrer Box. Ich hatte von meinem Tierarzt den Tipp bekommen, dass sie das auf jeden Fall als erstes lernen sollte und wir einfach dadurch müssen. Durch meine gelesenen Hunderatgeber wusste ich, dass Hunde klare Grenzen und Regeln brauchen und darum entschieden wir uns dafür, die Box auch dafür zu nutzen, sie räumlich zu begrenzen. Außerdem war die Küche für Reva ab sofort tabu.

Bei meinen Beobachtungen stellte ich aber schnell ein Muster in ihrem Verhalten fest und konnte immer schneller unerwünschtes Verhalten wie in die Hände beissen oder uns fixieren und attackieren erkennen, bevor sie es ausführte. Das begann Reva zu verunsichern, allerdings nur kurz, und sie versuchte durch Veränderungen ihr Verhalten umzusetzen, aber ich bekam immer mehr ein Gefühl für sie und lernte meinen kleinen Dickkopf immer besser kennen, auch wenn sie das nicht wollte.

Das erste Mal im Hundeauslauf, da war Reva 17 Wochen alt.

Wir gestalteten feste Abläufe durch feste Futterzeiten und holten sie immer wieder aus der Box, um kurze Trainingseinheiten einzubauen und um den Kontakt zu uns aufzubauen. Wenn sie aber wieder zu wild wurde oder uns erneut attackierte, ging es zurück in die Box. So lernte sie schnell, dass auf unerwünschtem Verhalten eine Konsequenz folgte und ich hatte wirklich die Hoffnung, dass ich damit die Dominanz umleiten konnte. Ich werde nie vergessen, wie lautstark und wirklich voller Wut ihr Gemotze war, wenn es zurück in die Box ging. Sie war aber nie alleine, denn die Box stand immer in unserer unmittelbaren Nähe, aber wir ignorierten Reva, ganz egal wie schwer es uns auch fiel. Mein Hundemamaherz hat stellenweise wirklich doll bei ihrem Gejammer geblutet und ich fragte mich immer wieder, ob ich das richtige machen würde, aber mein Bauchgefühl sagte immer, dass es richtig sei und ich nur durchhalten muss. Und ich hielt durch, aber ich war immer bewusst, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben würden und es nicht leicht werden würde, denn Reva war anders aber das machte sie von Anfang an zu dem ganz besonderen Hund, der sie für uns ist.

Vielleicht gefällt dir ja auch dieser Blogbeitrag...