🎤 Blogtalk-Gesunder Hund

Euthanasie

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Dieser Gastbeitrag stammt von meiner lieben Freundin Janine, die mir ihrer Erfahrung als angehende Tierärztin mit diesem Beitrag, bestimmt dem einen oder anderen helfen kann. Da es sich um einen Gastbeitrag mit Nennung des Instagram-Accounts handelt, handelt es sich hierbei um Werbung.

Das sind wir – Trick_my_dog

Hallihallo, mein Name ist Janine Schmidt, ich bin 25 Jahre alt und studiere zurzeit Tiermedizin im 7. Semester und davor habe ich bereits eine Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten abgeschlossen. Ich habe zwei wunderbare Hunde: Pina, einen Epagneul Breton und Poldy, ein kleiner Dreibeinmischling, und ich liebe es einfach mit ihnen gemeinsam zu arbeiten und unsere Beziehung zu stärken. Auf Instagram findet ihr uns bei @trick_my_dog. Ich danke Jessica, dass ich auf ihrem Blog Gastbeiträge schreiben und euch ein bisschen etwas über meine Erfahrungen und meinen Wissensstand in der Hundegesundheit mitnehmen darf.

Die Euthanasie – Ein schweres aber wichtiges Thema

Ein super sensibles Thema welches auch mir sehr nahe geht, obwohl es für mich nichts neues ist und mich in meinem zukünftigen Berufsleben ständig begleiten wird. Hast du vor kurzem ein Tier verloren? Dann möchte ich dir vorab mein Beileid und mein Mitgefühl aussprechen. Ein Hund ist nicht einfach nur ein Hund. Er ist Familie, immer für einen da. Man war ein Team, ja eigentlich schon eine Einheit…!

Im Folgenden werde ich über meine Erfahrungen aus der Zeit, in der ich als Tiermedizinische Fachangestellte in einer Tierarztpraxis gearbeitet habe, berichten. Dort gab es verschiedene Situationen und wie die Menschen damit umgegangen sind. Mit allerletzter Kraft sitzt du, armer Hund, nun da, völlig fertig. Du merkst, irgendetwas ist anders zu den letzten Tierarztbesuchen, denn dein Frauchen fängt an plötzlich zu weinen und kann damit nicht mehr aufhören. Nicht weinen Frauchen, denkst du dir und du stupst sie an, sie drückt dich ganz fest an sich und du fragst dich immer wieder, was du denn bloß falsch gemacht hast.

Ihr wechselt den Raum und spätestens jetzt merkst du, es ist anders als sonst. Der Tierarzt sagt sowas wie „ich gebe Ihnen noch einen Moment“ und mit diesen Worten verlässt er den Raum. Was das bedeuten soll, weist du aber nicht. Aber nun hör doch auf zu weinen Frauchen, ich bin so müde, ich kann nicht mehr. Der Arzt kommt wieder rein, Frauchen hält dich fest, sie sagt „eines Tages sehen wir uns wieder und denk immer daran ich liebe dich über alles.“ Der Mann im Kittel piekst dich, aber es tut gar nicht mehr weh. Du spürst eine Träne die dir von Frauchenins Gesicht gekullert ist. Du schließt die Augen und lässt los. Nun hast du keine Schmerzen mehr, du bist frei.

Wann ist es Zeit loszulassen?

Dieser letzte Schritt, zu entscheiden wann es Zeit ist loszulassen, wann es zu früh ist und ab wann ist es Quälerei, ist der schwerste den ein Hundebesitzer jemals treffen muss, aber leider gehört auch dieser dazu. Der Tierarzt kann nur entscheiden wann es zu früh ist, denn dann darf er aus tierschutzrechtlichen Gründen nicht einschläfern. Und er kann seine Empfehlung abgeben, ab wann es sich um Egoismus handelt den Hund weiter am Leben zu lassen. Aber die letzte Entscheidung liegt beim Halter und das ist der schwerste Schritt den ein Hundehalter, oder auch der Halter eines anderen Tieres, gehen muss.

Ich selber habe auch vor diesem Tag große Angst, ich weiß aber auch, dass ich alles tun werde, solange die Therapien auch für den Hund nicht zur Qual werden. Ich habe einige Einschläferungen Begleiten dürfen und bei solchen Szenarien, wie oben beschrieben blieb mir mehr, als nur einmal, ein Kloß im Halse stecken.

Bitte lasst den Hund niemals allein bei diesem Schritt

Leider gibt es aber auch andere Szenarien die dann so aussehen: Ihr seid beim Tierarzt denn du hast starke Schmerzen, wochenlang hat sich niemand um diese Schmerzen gekümmert und darum kannst du nun einfach nicht mehr. Dein Frauchen sagt sowas wie „Na gut dann schläfern wir ein“. Der Tierarzt fragt ob Frauchen mit dabei sein möchte, doch sie schüttelt den Kopf und drückt dich mir in die Hand. Sie sagt „Das kann ich nicht“. Ich merke wie meine Hände zittern. Wir wechseln den Raum und dein Frauchen geht ins Wartezimmer. Du schaust Frauchen hinterher und bringst kraftlos noch ein Winseln raus. Deine Gedanken drehen sich um deine armes Frauchen: Wo geht sie hin, was macht sie? Der Arzt gibt die letzte Spritze, du kämpfst dagegen an, denn du weißt nicht was passiert, machst dir sorgen um dein Frauchen und mit dem Gedanken ob es Frauchen wirklich gut geht, entschuldigst du dich bei ihr, dass du gerade nicht auf sie aufpassen kannst. Letzten Endes ist die Spritze stärker als dein Wille und du gibst auf. Ich, eine für dich völlig fremde Person, habe deine Pfoten gehalten, dich gestreichelt und dir versucht Halt zu geben, aber ich bin eben nur die Tierarzthelferin gewesen und war dir quasi fremd. Frauchen ist schon gegangen, sie möchte dich auch nicht selbst zum Krematorium bringen, denn auch das kann sie nicht.

In der Zeit als Tierarzthelferin habe ich viele beider Szenarien miterlebt und aushalten müssen. Da blieb auch nicht viel über, um das zu nah an sich ran zu lassen, da mir das ganze sonst über den Kopf gestiegen wäre, ich bin nämlich recht sensibel und es ist als Tierarzthelferin wenig hilfreich, wenn man sich beim halten des Tieres während einer Euthanasie selber nicht „zusammenreißen“ kann und selber in Tränen ausbricht.

Was ich aber aus der Zeit gelernt habe ist, dass es unglaublich wichtig ist, wenn man sein Tier auf dem letzten Weg begleitet. Hunde sind total an ihre Menschen gebunden und sie würden alles für ihren Menschen machen, wenn der Hund sich dann in seinen letzten Minuten damit beschäftigen muss was sein Frauchen grad macht, warum er alleine gelassen wurde und mit all seinen Ängsten alleine dasteht, ist das einfach nur unfair. Ich finde es liegt in der Verantwortung des Besitzers nicht nur die guten Zeiten zu teilen, sondern auch die schlechten gemeinsam durchzustehen und eben auch den letzten Schritt unterstützend zu helfen, wenigstens so, dass der Hund sich nicht vollkommen alleine gelassen fühlen muss. Ich verstehe auch wenn man sagt, dass man das nicht kann, weil einem das sehr nahe geht, aber das als Begründung zu nehmen nicht dabei zu sein, finde ich einfach nicht gerecht. Zum anderen ist es doch auch für sich selber wichtig dabei zu sein um diesen Prozess der Trauer und des Verlustes besser verarbeiten zu können.

Wichtige Fakten zur Euthanasie

Nun aber auch etwas zu dem fachlichen Hintergrund. Eine Einschläferung darf niemals einfach so durchgeführt werden. Es gibt viele Richtlinien und das Betäubungsmittelgesetz, welches einige Punkte fest regelt. Dazu gehört die Aufbewahrung, die Dokumentation und auch die Entsorgung. So muss für das Tierschutzgesetz ein triftiger Grund vorliegen, der das Einschläfern überhaupt rechtfertigt. Wenn alle Parameter stimmen und eine Einschläferung durchgeführt werden kann gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Die gängigste Methode ist wohl, einen Venenkatheter zu legen und das stark konzentriert und überdosierte Narkosemittel (denn nichts anderes ist das Betäubungsmittel) langsam direkt in die Vene zu geben. Damit schläft das Tier sehr schnell ein und die Reflexe wie auch die lebenswichtigen Organe versagen. Das Tier erleidet dabei keine Schmerzen, man muss allerdings darauf achten, dass Narkosemittel ganz langsam einzugeben, denn ansonsten kann es zu Krampfanfällen kommen. Bei Tieren, bei denen man keine Vene mehr findet, muss eine andere Lösung her. Dabei bekommt das Tier erstmal eine ganz normale Narkosespritze in den Muskel um einzuschlafen. Dabei wird den Tieren aber häufig, vor allem wenn sie an dem Tag etwas gegessen haben, schlecht und es kommt zum Erbrechen. Das ist weder für das Tier, noch für die Besitzer schön, weshalb man lieber das Mittel direkt in die Venen gibt.

Wenn das Tier dann fest schläft und keine Lidreflexe mehr anzeigt, wird das Euthanasiemittel direkt ins Herz gegeben. Zu einer Einschläferung gehört auch die Tierkörperbeseitigung, viele Besitzer begraben sie selber im eigenen Garten, was eine schöne Sache ist wenn diese Möglichkeit besteht, jedoch gibt es hier je nach Bundesland und Gemeinde ganz spezielle Gesetze, da es nicht überall erlaubt ist. Es gibt aber auch Tierfriedhöfe und Krematorien die einem in dem Fall helfen.

Ich selber habe, wie schon geschrieben, total Angst vor dem Tag „X“. Aber ich weiß, dass ich für meine Fellnasen da sein werde und sie auf ihrem letzten, meinem schwersten, Weg begleiten werde. Sie werden auch danach immer ein Teil von mir sein und solange ich an sie denke und über sie geredet wird, werden sie niemals aus meinem Leben verschwinden.

Ein Kommentar

  • Sylvia Jahnke

    Das hast du sehr schön geschrieben, liebe Janine. Da ich vor kurzem meine geliebte Hilfe auf diesem Weg begleitet habe, war ich sofort wieder in der Situation und es war für mich sehr emotional. Aber ich gebe dir vollkommen Recht, es ist richtig und wichtig, sein Tier auf diesem letzten Weg ein Stück zu begleiten. Wie oft hat sie mich begleitet und war für mich da, wenn es mir schlecht ging. Das ist ein letztes Dankeschön von Menschen an einen Freund. Und ja, es gut verdankt weh und es wird nie leichter, aber da muss man durch. Für seinen geliebten Freund. Ich würde es nie anders machen! Und jetzt noch einen dicken Knutscher an Poldy

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