📚 Hundeerziehung und Nützliches

Hallo kleiner Welpe, ich zeige Dir die große Welt

Der Traum wird Wirklichkeit – Ein Welpe zieht ein

Da ist er, der Traum vom eigenen Hund, und am liebsten vom eigenen Welpen, denn diese sind ja so niedlich und überall steht geschrieben, dass es so leicht sei, ihn groß zu bekommen. Bei den einen wird der Traum schnell wieder begraben, wenn man sieht, wieviel Verantwortung man doch übernimmt und was da so für Kosten auf einen zukommen. Und bei den anderen erwacht mit diesen Infos, der Hundetrtaum erst Recht und nimmt immer weiter Form an. Nach und nach informiert man sich, sucht sich einen Züchter oder ein Tierheim aus und schlußendlich zieht früher oder später dann der eigene Welpe ein und der Traum erfüllt sich. Aber hiermit ist er noch lange nicht zu Ende, nein denn nun geht der Traum vom Leben mit Hund/Welpe erst richtig los.

Der alles entscheiden Tag ist gekommen, der Welpe ist bereit umzuziehen und wartet auf seine Abholung. Man sitzt aufgeregt im Auto, zählt jeden einzelnen Kilometer und fühlt sich wie ein kleines Kind an Weihnachten. Und dann ist man da und schließt sein neues Familienmitglied in die Arme. Glück pur! Freude unbeschreiblich und schon jetzt liebt man dieses kleine Wesen mehr als alles andere auf dieser Welt.

Und nun beginnt sie, die aufregende Reise durch das Leben mit Hund. Die einen haben sich vorher ganz viel Wissen in Welpenratgebern angelesen und denken perfekt vorbereitet zu sein und die anderen lassen alles ganz locker auf sich zu kommen. Tja, ich persönlich musste die Erfahrung machen, es schadet nicht Vorbereitet zu sein aber letztendlich kommt eh immer alles ganz anders .

Die ersten beiden Tage mit Welpe

Nun ist man also mit der süßen kleinen Flauschkugel nachhause gefahren und schwebt im siebten Hundehimmel, man ist ja soooo verliebt. In der Regel schlafen die meisten Welpen während der Fahrt. Und obwohl eine gute Sicherung im Auto dringend empfohlen wird, kann ich den Tipp geben, dieses eine Mal die “Goldene Ausnahme” zu machen, denn der Welpe wird traurig sein, durch die Trennung von der Mama und den Geschwistern und evtl. auch etwas Angst haben, daher tröstet es ihn, wenn sein neuer Mensch ihn auf dem Schoß, eingekuschelt in einer Decke, streichelt und ihm die Kontaktaufnahme erleichtert. Dies ist übrigens schon ein erster schöne Schritt für den Bindungsaufbau. Bei einer längeren Fahrt sollten übrigens kleine Pausen gemacht werden, damit der Welpe seine Geschäfte verrichten kann.

Wenn man zuhause ist, sollte man nicht direkt rein gehen, sondern dem Welpen die Chance geben, seine Geschäfte zu erledigen, idealerweise direkt dort, wo es auch in Zukunft geschehen soll. Je nach Charakter des Welpen, kann dies nun schnell gehen oder etwas dauern. Einige sind auch zu nervös und brauchen ewig, bis sie pinkeln. Aber glaubt mir, es lohnt sich definitiv zu warten, denn so wird nicht direkt in die Wohnung gepinkelt.

Und nun gilt die oberste Regel: Ruhe! Am ersten Tag bzw. dem Abholtag sollte kein Besuch auf den Welpen warten oder vorbei kommen und man sollte sich einfach einen ganz ruhigen und entspannten Tag machen. Lasst den Welpen ganz in Ruhe und ohne Störung sein neues Heim erkunden. Und mehr sollte nicht passieren, da dies alles enorm stressig für so ein kleines Hundebaby ist. Wenn er alles erkundet hat sollte der Welpe die Chance bekommen zu schlafen. Entweder in seiner Hundebox oder vielleicht will er auch bei seinen neuen Menschen im Arm kuscheln und einschlafen. Ganz egal, Hauptsache man lässt ihn nicht alleine und gibt ihm Nähe und Halt. Wenn er das erste Mal in seiner Box ist, könnte es sein, dass er beginnt zu fiepen und sich dieses in lautes und immer trauriger klingendes Fiepen steigert. Er ruft nach seinem Rudel. Man sollte nun nicht nachgeben, auch wenn es wirklich herzzerreißend ist, aber wenn man durchhält hört er bald auf. Man sollte sich an seine Box setzen oder kann eine Hand hin halten und ihm somit Nähe signalisieren, aber man sollte ihn bitte NIEMALS alleine lassen.

Schon damals konnte man gut erkennen, dass es Reva faustdick hinter den Ohren hat.

Die erste Nacht wird bestimmt recht kurz werden, wie oft ein Welpe nachts raus muss oder ob er seine Familie vermisst, ist wirklich von Welpe zu Welpe unterschiedlich und kann nie so genau gesagt werden. Auch hier gilt, dass man ihn in der ersten Nacht nicht alleine lassen sollte und wenn er nicht im Schlafzimmer schlafen soll, dann sollte man sich zu ihm ins Wohnzimmer gesellen und dort die ersten Nächte, bis er sich eingewöhnt hat, mit ihm gemeinsam schlafen. Eine Hundebox kann helfen, dass er schneller Stubenrein wird, da er hier lernt, bescheid zu sagen und das Nachts wirklich hilfreich ist, denn ein Welpe ist wirklich schnell mit Pipi machen.

Nachdem man nun am nächsten Tag vermutlich recht Müde ist, sollte auch hier Ruhe auf der Tagesordnung stehen. Man kann anfangen die erste kleine Runde Gassi zu gehen, aber bitte je nach Lebensalter angepasst. Es gibt da die 5 Minutenregel, pro Lebensmonat, da die Gelenke und Muskeln sich ja erst noch richtig ausbilden müssen und der Welpe sonst sehr schnell bösen Muskelkater hat. Ansonsten kann man anfangen die Bindung aufzubauen, indem man ein-zwei kleine Spielminuten oder auch mit der ersten Übung anfängt, aber das sollte man von seinem Welpen abhängig machen. Nicht jeder Welpe ist da am zweiten Tag schon bereit dazu.

Am wichtigsten ist auf jeden Fallt drauf zu achten, dass der Welpe jede Menge Ruhephasen bekommt, da ein Welpe ja bekanntlich bis zu 20 Stunden am Tag schlafen muss, um alle neuen Eindrücke richtig verarbeiten zu können. Und das sollte auch die ganze Welpen- und Junghundezeit über eingehalten werden. Es gibt Hunde, die können sich von Anfang an selber gut zur Ruhe bringen, die schlafen dann einfach ein, und andere müssen zur Ruhe gezwungen werden, also ab in die Box und dem Gemotze nicht nachgeben, denn Ruhe lernen ist wirklich das Wichtigste für Hunde.

Ein Welpe erkundet die Welt.

Wie geht es nun weiter

Nachdem man die ersten zwei-drei Tage damit verbracht hat, dem Welpen das neue Heim zu zeigen, er etwas auftaut und man die ersten Kontakte zueinander knüpfen konnte, kann nun der erste Besuch kommen, aber bitte nich gleich die gesamte Familie oder Freunde einladen, das überfordert den Welpen nur und auch Hundekontakt muss noch nicht sofort sein. Das sollte man alles langsam, nach und nach einbauen und steigern, denn einfach alles ist sehr aufregend.

Es gibt im Fachhandel tolle Welpenratgeber, die einen Plan haben, welche Übung wann sinnvoll wäre und wie man die ersten Wochen und Monate richtig gestaltet. Diese sollten als Richtlinien gelten und können wirklich helfen, aber sie können auch verunsichern, wenn man einen Welpen hat, der gerne aus der Reihe tanzt und einfach etwas “anders” ist als der beschriebene Standardwelpe.

Wie schnell ein Welpe seine Übungen lernt, hängt ganz ihm ab und ist daher individuell und unterschiedlich. Man sollte seinen Hund einfach gut beobachten und niemals unbeaufsichtigt lassen, denn ein kleiner Pipisee ist schnell gemacht und ebenso der Schuh aus dem Regal geholt und angeknabbert. Je länger man seinen Welpen beobachtet, desto schneller bekommt man ein Gefühl dafür, was er braucht oder als nächstes machen will, daher kann man mit etwas Timing gut reagieren.

Nachdem der Welpe sich eingelebt hat, kann man mit der Sozialisierung anfangen. Also in der Regel nach 2-3 Tagen. Man kann anfangen, ihn an unterschiedliche Orte mitzunehmen und ihm viele neue Reize zu zeigen, je mehr er nun kennen lernt desto besser. Und seinen natürlichen Folgetrieb sollte man sich mit einer dünnen Schleppleine für das erste Rückruftraining zunutze machen. Und auch eine Welpenstunde kann nun besucht werden, wenn man dies machen möchte. Oder man geht einfach auf eine Wiese wo Hunde unterwegs sind, aber bitte fangt von Anfang an, keinen Kontakt an der Leine zu dulden, ganz egal, wie sehr der Welpe dahinzieht oder nach dem anderen Hund schreit, haltet durch, dass wird später wirklich belohnt werden.

Kuscheln und ganz viel Nähe haben unsere Bindung gestärkt.

Unsere ersten Wochen oder die ganz harte Ritualität mit Reva

Auch wir waren aufgeregt, als wir Reva abholten und obwohl ich mich mit vielen Welpenratgebern gut vorbereitet hatte, kam bei uns leider alles ganz anders, denn wir hatten mit Reva eben keinen “Standardwelpen” bekommen, sondern einen kleinen Dickkopf, der bereits mit seinen 14 Wochen schon ganz genau wusste, was sie will. Das lag vermutlich sehr viel daran, dass sie aus dem Tierschutz stammt und kein Muttertier hatte, welches sie sozialisiert hatte, aber das kann auch bei einem Welpen aus der Zucht passieren, dass dieser seinen eigenen Kopf hat und sofort “Chef” sein will.

Ich hatte Reva damals erst ihre Geschäfte machen lassen bevor es in ihr neues Reich ging und dort war sie alles andere als ängstlich. Sie zeigte weder Furcht noch Traurigkeit, obwohl die Geschwister sie an dem Tag verlassen hatten und lief neugierig und wie ein alter Hase durch die Wohnung und ging dann zum ersten Angriff an uns über. Reva schlief ohne Probleme von Anfang nachts in ihrer Box und musste alle 3 Stunden raus, das änderte sich mit jedem neuen Lebensmonat immer mehr. Pro Lebens Monat hielt sie dann 1 Stunde länger durch, aber bis sie Stubenrein war, dauerte es ewig. Was aber an ihrem Parasitenbefall lag, welchen wir erst später herausgefunden hatten.

Das Thema Leinenführigkeit und Folgetrieb bzw. Rückruftraining war ebenso wie das Üben der Beisshemmung besondere Baustellen, die mich viele Nerven gekostet haben. Wenn ihr mehr über unseren harten Anfang, weit weg von der schönen einfachen Welt der Welpenratgeber erfahren wollt, guckt gerne mal in die Kategorie “Revas Hundeleben” vorbei, dort habe ich alles in mehreren Teilen zusammengefasst und vielleicht macht es ja Mut, wenn man auch einen kleinen Dickkopf als Welpen hat oder eben einen ganz “besonderen” Welpen bekommen hat. Aber ganz egal wie schwer es scheint, es ist machbar, zur Not mit Hilfe einer guten Hundeschule, das sollte niemanden peinlich sein, denn bei einer Sache sollten wir ehrlich sein: Einen Welpen groß hau bekommen ist harte Arbeit!!

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