📚 Hundeerziehung und Nützliches

Leinenführigkeit – Die Königsdisziplin

Gut Ding will Weile haben

Auch wenn es immer wieder Hundehalter gibt, die damit prallen, wie leicht die Leinenführigkeit bei ihren Hunden gelernt wurde und nie Probleme gemacht hätte, so ist dies wohl eher selten der Fall. Klar, jeder Hund lernt anders und bei einigen wird es wohl auch wirklich schnell geklappt haben, aber das wird eher bei wenigen Ausnahmen der Fall gewesen sein und daher werden die meisten Hundehalter, die das Thema Leinenführigkeit angehen wollen, wirklich viel Ausdauer und Geduld mitbringen müssen, denn meiner Meinung nach, ist gerade die Leinenführigkeit die Königsdisziplin in der Hundeerziehung.

Es kommt auch immer auf die Ausgangssituation an: Welpe/Junghund oder ausgewachsener Hund. Denn ein Welpe oder ein Junghund wird immer bei Null anfangen müssen und bei einem erwachsenen Hund, kommt es dann eher darauf an, wo er her ist. Wenn es sich um einen Tierschutzhund aus dem Ausland handelt, wird dieser wohl auch bei Null anfangen müssen, wobei bei Hunden aus dem Tierheimen oder von privater Abgabe, vielleicht schon die Grundlagen können. Vielleicht hat man auch Glück und der Hund ist bereits Leinenführig, aber vielleicht haben sich bereits kleine Fehler eingeschlichen.

Was auch nicht selten ist, dass ein Hund der neu zu einem kommt, seine Grenzen testet und daher “vergisst” was er bereits gelernt hat und man hier auch viel nachholen bzw. wiederholen sollte. Wichtig ist aber immer, ganz egal ob Junghund/ Welpe oder Tierheim/Tierschutzhund, dass jeder Hund wirklich individuell ist und sein ganz eigenes Tempo im Training hat. Manche lernen schnell und manche sehr viel langsamer oder haben Probleme mit der Körpersprache und verstehen unsere Hilfestellungen durch Körpersprache einfach nicht. Hier sollte wirklich ganz viel Geduld, eine große Portion Verständnis und viel Fingerspitzengefühl eingesetzt werden, denn nur so, kann man die Königsdisziplin bewältigen und kann irgendwann ganz stolz auf sich sein, wenn der Hund Leinenführig ist.

Bis wir so entspannt nebeneinander laufen konnten, hat es fast zwei Jahre gedauert.

Wann sollte das Training zur Leinenführigkeit beginnen?

Fangen wir mal ganz vorne beim Welpen oder auch Junghund an, denn das ist wohl der häufigste Fall. Es gibt Ratgeber, indessen steht, dass man ruhig einige Wochen warten sollte, bis der Hund angekommen ist. Ich persönliche sehe hier aber einen großen Nachteil, denn so konnte der Welpe/Junghund bereits ausgiebig an der Leine umher toben und hat hier gelernt, dass es keine Konsequenzen für das unerwünschte Verhalten gibt. Und wirklich gt voran kommt man, mit einem hopsenden Hund an der Leine auch nicht, oder? Von daher würde ich schon raten, direkt nach dem Einzugstag mit dem Leinenführigkeitstraining zu beginnen, denn je eher der junge Hund das lernt, desto schneller lernt er es.

Und sollte man einen Junghund aufgenommen haben, wird es sowieso dringend Zeit, dass dieser die Leinenführigkeit gezeigt bekommt, da hier die Zeit rennt und die erste Pubertät wohl bald anklopfen wird.

Wenn nun ein Tierheim oder Tierschutzhund einzieht, sollte man erst einmal eine kleine Bestandsaufnahme machen. Manche Hunde sind nämlich bereits Leinenführig, durch den Vorbesitzer. Manche Tierheime haben auch einen Hundetrainer vor Ort, der diesen die Grundlagen beigebracht hat, um die Vermittlungschancen zu steigern. Und auch manche Tierschutzhunde können schon Leinenführig sein, daher sollte man hier ein paar Tage abwarten und sehen, wie das für einen selbst so passt oder ob es Dinge gibt, an denen man arbeiten oder etwas verbessern möchte.

Reva lernte die Leinenführigkeit am Geschirr.

Welche ist die beste Methode für die perfekte Leinenführigkeit

Es gibt in Hunderatgebern und im Internet diverse Methoden, wie man dem Hund die Leinenführigkeit am besten antrainiert, ob man sich hier für eine entscheidet, oder doch eine ganz eigene Methode entwickelt, sollte jeder für sich entscheiden, meistens merkt man es ganz gut, wenn sich etwas “falsch” anfühlt und kann dementsprechend handeln.

Aber an eines sollte man sich sofort gewöhnen: Es gibt nicht die perfekte Leinenführigkeit. Jedes Mensch-Hund-Team ist anders. So wie wir Menschen unser ganz eigenes “Geh-Tempo” haben, so haben dies auch unsere Hunde bzw. die einzelnen Mensch-Hunde-Teams. Mit der Zeit entwickelt man einfach ein ganz eigenes gemeinsames Tempo. So finde ich vielleicht unsere Leinenführigkeit super und für uns perfekt, aber jemand anderes, findet uns vielleicht zu schnell oder vielleicht sogar zu gemütlich. Man sollte sich hier niemals Vergleichen und nur in seinem eigenen Tempo bleiben.

Ich habe hier einmal eine kleine Auflistung und Erklärung der gängigsten Methoden zum Training für die Leinenführigkeit aufgeschrieben und hoffe, dass diese euch etwas Gefühl geben, wie man an das Thema heran gehen kann. Wenn ihr eine der Methoden abwandelt, weil ihr so besser zurecht kommt, ist dies super und keineswegs falsch. Man sollte die Methoden immer hinterfragen und den nutzen für sich selbst daraus verstehen können. Auch wir haben lange gebraucht, bis wir unsere passende Methode gefunden haben und auch diese ist eine Kombination aus vielen Dingen, also nur Mut und probiert euch aus.

Vergesst bitte nie, die Methode oder die Übung, die ihr macht, muss einzig und allein zu euch passen, zu niemanden sonst und jeder lernt einfach anders. Man sollte nie etwas machen, dass einem ein schlechtes Gefühl gibt, auch wenn andere damit schnell gute Erfolge erzielt haben. Wenn euer Bauchgefühl “Nein” sagt, hat dies einen guten Grund und darauf solltet ihr dann hören. Euer Hundeverstand und gutes Bauchgefühl wird euch schon den richtigen Weg zeigen, da bin ich mir ganz sicher.

Möglichkeit 1 – Das “stehen bleiben

Als beliebteste Methode gilt das “Stehen bleiben”, gerade in Hundeschulen wird dies gerne empfohlen, weil der Hund nach und nach lernt, sich selbst zu korrigieren, was ich als sinnvoll empfinde, da er so schnell erkennt, was er falsch gemacht hat und zudem ist die Umsetzung wirklich ganz einfach, es kommt allerdings auf das richtige Timing an. Man sollte sich von Anfang an überlegen, wie weit darf der eigene Hund vor laufen.

Beispiel: Ich gehe mit Reva spazieren und sobald ich erkenne, dass sie gleich vor mir laufen wird, bleibe ich kommentarlos stehen. Reva darf, bis kurz vors Knie vor mir laufen, sobald ich erkenne, dass sie diesen Radius zu überschreiten droht, bleibe ich also stehen und dann warte ich. Ich warte solange, bis Reva mich ansieht und zu mir zurück geht und sich neben mich setzt. Erst dann geht es für uns weiter.

Umsetzung und Training: Man beginnt damit ganz entspannt los zu gehen und sobald der Hund den gesetzten Radius überschreitet, bleibt man stehen. Wichtig ist wie schon gesagt, dass Timing, denn am besten funktioniert diese Übung, wenn man stehen bleibt, sobald der Hund kurz davor ist, den Radius zu verlassen.

Und dann heißt es warten. Bei den ersten Malen wird viel Geduld abverlangt, denn der Hund muss ja erst lernen, dass Blickkontakt gewünscht wird. Es lohnt sich aber eisern zu sein und wirklich abzuwarten. Anfangs kann man den Hund auch Ansprechen und wenn er dann reagiert mit Leckerlis zu sich locken und in die Grundposition bringen. Nach und Nach sollte dies dann auch ohne funktionieren.

Hilfestellung und Abwandlung: Wenn man merkt, dass der Hund hiermit ein Problem hat oder es nie ohne Ansprechen schafft, den Blickkontakt zu geben, kann man auch auf den Klicker zugreifen und hier die Methode Click für Blick anwenden. Hierbei geht man ähnlich vor: Man geht spazieren und bleibt rechtzeitig stehen. Sobald der Hund guckt folgt der Click und wenn der Hund in der Grundposition ist, kommt der zweite Click und dann die entsprechenden Leckerlis. Auch hier kann man Anfangs den Namen sagen und versuchen die Aufmerksamkeit zu bekommen.

Im Alltag lässt sich diese Methode immer gut umsetzen und wird von uns am meisten genutzt, allerdings nutze ich hierbei nur die Variante mit Click für Blick. Sobald Reva droht vorzulaufen, bleibe ich stehen, sie guckt sofort zu mir und bekommt den Click. Nachdem wir das nun seit über einem Jahr so handhaben, reagiert sie schneller. Sobald sie merkt, dass ich langsamer werde, da sie schneller wird, korrigiert sie sich selbst und wird so langsam, dass sie automatisch wieder ein Stück hinter mir läuft. Auch hierfür gibt es dann einen Click, da sie mich dann ansieht, sobald sie hinter mir ist.

Aber es gibt hier viele verschiedene Möglichkeiten die Übung abzuwandeln, z.B. mit akustischen Signalen, wenn der Hund schneller wird. Hier sollte man sich einfach ausprobieren und dann das für sich passende wählen.

In der Stadt war die Leinenführigkeit am Anfang wirklich schwer umsetzbar, da es zuviel Reize gab.

Möglichkeit 2 – Der Richtungswechsel

Eine weitere sehr beliebte Methode, die ebenfalls gerne in Hundeschulen praktiziert wird und auch sehr sehr viel Geduld und Zeit abverlangt, ist der Richtungswechsel. Auch hier ist das Timing sehr wichtig, aber auch die richtige Ausrüstung, denn am Halsband kann es leicht zu Verletzungen am Hals kommen, daher hierfür am besten ein gut sitzendes Geschirr verwenden.

Beispiel: Reva und ich gehen wieder spazieren und sie droht wieder, den erlaubten Radius zu überschreiten. Kuruz bevor dies passiert, drehe ich mich kommentarlos um und ändere die Richtung. Ich gehe dann also statt geradeaus, den Weg wieder zurück oder biege woanders hin ab. Nach ein paar Schritten, wenn ich gemerkt habe, dass Reva sich wieder meinem Tempo angepasst hat, drehe ich dann wieder um und setze meinen ursprünglichen Weg fort.

Umsetzung und Training: Man beginnt auch hier wieder ganz entspannt beim los gehen und ändert einfach jedes Mal die Richtung, sobald der Hund droht, an einem vorbei zu gehen. Dann geht man ein kleines Stück zurück und sobald das Tempo wieder passt, dreht man wieder in die alte Richtung um. Das ganze muss immer wiederholt werden, sobald der Hund wieder schneller wird.

Wichtig ist es hierbei, körpersprachlich für den Hund, deutlich zu kommunizieren. Ein gebücktes umdrehen nichts bringen. Vielmehr sollte der Mensch gerade und aufrecht gehen und sich in der Drehung ganz offen zeigen. Wenn man sich nach rechts dreht, sollte also die rechte Schulter nach hinten gehen und der Körper sich deutlich nach rechts drehen, so kann der Hund diese Übung leichter verstehen und reagieren.

Hilfestellung und Abwandlung: Leider sind mir keine Abwandlungen bekannt, und viele Hunde kommen mit dieser Methode nicht wirklich klar, was auch daran liegt, dass nicht jeder Mensch körpersprachlich klar kommuniziert bzw. nicht jeder Hund auch die Körpersprache lesen kann. Ein Tierschutzhund z.B. hat oftmals Probleme mit der klaren Körpersprache der Hunde und reagiert besser auf akustische Signale oder gesprochene Kommandos.

Möglichkeit 3 – Das Blockieren

Beim Blockieren wird es kniffelig und es ist definitiv nicht für jeden geeignet, da man hier den Hund sehr stark körperlich in seiner Handlung einschränkt und zu einem wirklich guten Timing auch Schnelligkeit vorhanden sein muss. Aber auch hier gibt es mehrere Methoden. Diese Methode kann am Anfang den schnelleren Erfolg geben, ist aber selten nachhaltig und oft muss man sich sehr schnell nach einer neuen Methode umsehen.

Wir haben übrigens, hiermit angefangen zu arbeiten, aber schon bald war ich nur noch damit beschäftigt, mir neue Methoden zum Blockieren auszudenken. Reva nahm jede Blockierung sehr persönlich und konnte es auch immer auf mich zurückführen, ganz egal wie ich es machte. Und das tat unserer Bindung nicht wirklich gut, aber ich kenne viele Hunde, die mit dieser Methode sehr gut klar kommen, darum hatte ich mich hierfür am Anfang entschieden aber musste schnell erkennen, dass dies nicht unser Weg ist.

Beispiel: Reva und ich sind wieder einmal spazieren und sie wird schneller. Noch bevor sie mich überholen kann, blockiere ich Reva und stelle mich ihr quasi in den Weg. Und dann geht es direkt weiter mit dem Spaziergang, aber sobald sie schneller wird, blockiere ich sie wieder.

Umsetzung und Training: Nun wird es etwas komplizierter. Man geht spazieren und sobald der Hund schneller wird und mit Überholung droht muss man ganz schnell reagieren und den Hund mit der gewählten Methode körperlich blockieren. Dies wiederholt sich dann jedes Mal, wenn der Hund schneller wird. Wie man blockiert, sollte jeder für sich entscheiden, denn nicht jeder ist super Beweglich und es gibt auch Hunde, die das ganze persönlich nehmen und erkennen, dass die Blockierung vom Besitzer kommt. Man ist dann den ganzen Spaziergang mit dem Blockieren beschäftigt, was irgendwann anstrengend werden kann.

Am besten geht das bei Hunden ab Kniehöhe, da dies dann weniger anstrengend auf den Körper geht, aber bei kleinen oder sehr kleinen Hunden sollte man hiervon Abstand nehmen.

Hilfestellung und Abwandlung: Wie man am besten Blockiert, sollte man in Ruhe ausprobieren, damit der Hund nicht verwirrt wird. Wichtig ist auf jeden Fall, immer die selbe Blockierung zu nehmen, damit der Hund den Sinn dahinter verstehen lernt.

Blockieren kann man z.B. indem man den Hund mit der Hand vor der Brust blockiert, einige nehmen hier auch den Fuß oder beigen sich mit den ganzen Oberkörper zum Hund runter um diesen dann mit vollen Körper zu blockieren.

Eine weitere Möglichkeit ist auch das Blockieren mit dem Fuß an die Hinterflanken des Hundes, da tritt der Hundehalter ganz leicht an die Hinterläufe, manche nehmen hier auch die Hand zur Hilfe um die Hinterläufe dann anzutippen.

Einige blockieren auch, indem sie sich vor den Hund drehen, also sich mit dem ganzen Körper vor den Hund stellen und eine weitere Methode ist das abdrängen. Hierbei geht der Hundehalter einen seitlichen Schritt in die Laufrichtung des Hundes, wenn dieser schneller wird, so dass dieser zur Seite ausweichen müsste, wenn er sein Tempo beibehalten würde.

Finger weg von veralteten Methoden!!

Abschließend möchte ich unbedingt darauf hinweisen, dass es auch in Hundeschulen, noch immer vorkommt, dass veraltete Methoden beim Training für die Leinenführigkeit eingesetzt und weiter gegeben werden, was ich persönlich sehr bedenklich finde. Noch immer ganz hoch im Kurs steht nämlich der sogenannte “Leinenruck”, wobei der Hundehalter, sobald der Hund seinen Radius überschreitet, die Leine nach unten reisst und einen ordentlichen Ruck abgibt und dabei gleichzeitig einen Richtungswechsel ohne offene Körpersprache vollzieht.

Das diese Methode nur wenig hilfreich ist, erkennt mann schnell. Denn der Hundehalter ist weder offen in seiner Körpersprache, und der plötzliche Ruck an der Leine kann im schlimmsten Fall den Halswirbel verletzen. Zwar sagen viele Hundetrainer, dass hierfür nur ein Geschirr und kein Halsband genutzt werden sollte, aber das macht diese fragwürdige Methode nicht wirklich besser. Viele Hundeschulen begründen diese Methode als hilfreich, da der Hund au seiner Handlung, nämlich dem Leinenziehen gerissen wird und damit nicht gerechnet haben wird, weswegen er sich evtl erschreckt.

Ich persönlich, sehe hierbei keinen Sinn. Die Leine dient ja als verlängerter Arm und mit diesem kann ich, wenn ich damit gut umgehen kann, hervorragend kommunizieren. Das geht aber nicht, wenn ich daran wild umher reisse oder rucke. Im schlimmsten Fall bekommt der Hund dann sogar noch Angst vor der Leine.

Auch sind diverse Hilfsmittel wie Stachelhalsband und Würger immer wieder gern im Einsatz, wenn die Leinenführigkeit geübt werden soll. Aber auch hiervon sollte ein verantwortungsbewusster Hundebesitzer unbedingt die Finger lassen, denn mit genug Geduld und Gefühl für seinen eigenen Hund, sollte die Leinenführigkeit auch so funktionieren, es dauert halt einfach etwas länger, ist aber definitiv nachhaltiger, als so komische Hilfsmittel oder veralteten Methoden anzuwenden.

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