📚 Hundeerziehung und Nützliches

Ich bin immer an deiner Seite, auch beim letzten schweren Weg

Dieser Text wird anders, denn er entsteht in Erinnerung an meine über alles geliebte erste Hündin, da sich ihr Todestag nun jährt und aus diesem Grund wird es ausnahmsweise keine Fotos im Text geben.

Unser gemeinsamer Weg – eine kurze Zusammenfassung

Als wir unsere kleine Maus, eine kleine weiße Zwergpudelhündin, aus schlechter Haltung übernommen hatten, war sie fast neun Jahre alt. Sie war ungepflegt, hatte nur noch ein Auge und wusste nicht was Liebe bedeutet. Sie wurde bei Kleinanzeigen verschenkt, da die Vorbesitzerin “plötzlich” ein Baby bekommen hatte und sich Hund und Baby nicht vertragen würden. Auch das angebliche aggressive Verhalten, machte sich in all den Jahren, bei uns nie bemerkbar.

Wir nahmen die kleine Maus auf, gaben ihr ein liebevolles zuhause und zeigten ihr, was Liebe alles bewegen kann. Aus einem verstörten Angsthund wurde nach und nach, eine lebenslustige Seniorin die einfach Spaß hatte, ihr restliches Leben ganz aktiv mit uns zu verbringen. An dem Tag, als sie bei uns einzog, versprachen wir ihr, dass wir sie niemals im Stich lassen würden und jeden Weg gemeinsam gehen, als Rudel und daran haben wir uns bis zuletzt immer gehalten.

Mit dem Alter kam der Krebs

Mit der Zeit kam das Alter und mit dem Alter kamen die ersten gesundheitlichen Einschränkungen. Im Herbst und Winter wollte sie nur noch mit Mantel unterwegs sein, da sie nun schneller fror, denn das Fell wurde dünner und in ihren Knochen entwickelte sich eine leichte Form von Arthrose, weswegen sie ein bisschen unbeweglicher und langsamer wurde. Wir taten immer nur, was für sie gut war und haben immer darauf geachtet, ihr nicht zu schaden.

Als unsere kleine weiße Wolke dann 12 Jahre alt war, wurde sie im Herbst plötzlich komisch. Sie wollte sich nicht mehr bewegen, weder draussen noch in der warmen Wohnung und auch ihr Futter rührte sie kaum noch an. Wir beobachteten sie und wurden immer ratloser. Sie war schon immer ein mäkeliger Fresser und das jedes Jahr im Winter einen Alterungsschub bekam, der sie etwas müder wirken ließ, waren wir gewohnt, aber das war wirklich schlimm für uns, sie so zu sehen. Als sie auch ihrem geliebten Ball nicht mehr hinterher jagen wollte und mein Bauchgefühl wirklich nicht gut war, fuhr ich mit ihr ganz spontan zum Tierarzt.

Dieser untersuchte sie sehr gründlich, nahm Blut ab und nach einem Ultraschall, stellte sich heraus, dass unsere geliebte Maus einen Milztumor hat. Dieser ist bei älteren Hunden sehr häufig und musste dringend entfernt werden, da er bereits ihre Gedärme ausweitete und fast 2 Kilo wog. Nur so zum Verständnis, unsere Hündin wog im gesunden Zustand 4 Kilo. Wir mussten zwei Tage dafür sorgen, dass sie sich kaum bewegt, denn jede Bewegung hätte das Aufplatzen des Tumors bewirken können und somit wäre es zu spät gewesen, da sie dann innerlich verblutet wäre. Ich konnte mir problemlos Urlaub nehmen und als die Not-Op zwei Tage später war, fieberte das ganze Büro um das Leben unserer kleinen tapferen Maus mit.

Die Op selber verlief gut und ohne Komplikationen, es war aber wirklich dringend nötig gewesen, da die Schutzschicht nur noch hauchzart gewesen war und jede Bewegung das Ende bedeutet hätte. Von der Op konnte sie sich nur sehr schwer erholen, ich war die ersten beiden Wochen fast täglich beim Tierarzt für Transfusionen da ihr Körper einfach nicht in Schwung kommen wollte. Es war eine sehr schwere und harte Zeit für uns. Wir unterdrückten täglich unsere Tränen, da wir ihr keine Angst machen wollten und kämpften einen harten Kampf gegen den Krebs. Obwohl sie sich nach einigen Wochen liebevoller Pflege endlich langsam erholt hatte, machte ich nach fast zwei Monaten später, am späten Abend eine traurige Entdeckung.

Denn als ich ihr die Zähne putzen wollte, entdeckte ich, dass ihr Zahnfleisch ganz grau bzw. fast weiß verfärbt war und ihr Blick war kraftlos und sie sagte mir ganz klar, dass sie nicht mehr kann. Diese Nacht werde ich nie vergessen, denn es war die schlimmste Nacht in meinem Leben. Unsere tapfere Maus bekam die ganze nacht kaum Luft, und die Töne dazu waren einfach schlimm. Wir blieben wach und spendeten ihr Trost und gaben ihr die Nähe, die sie nun so dringend brauchte. Wir redeten ganz sanft und ruhig mit ihr, erzählten ihr von unseren schönen Abenteuern und waren einfach nur für sie da. Auch wenn es keiner von uns aussprach, so wussten wir beide, insgeheim, dass nun wohl das Ende gekommen ist.

Am nächsten Tag fuhr ich sofort zum Arzt und nach endlos scheinenden Tests und ewigem Warten kam die traurige Gewissheit, dass der Krebs zurück war, diesmal als Knochenkrebs, der Milztumor musste also doch schon gestreut haben. Der Arzt meinte, es gäbe keine Chance mehr, wir könnten ihr Leben aber noch um ein paar Wochen verlängern, da ja Weihnachten bevor steht, sie würde dann täglich Schmerzmittel bekommen und dann müsste es gehen. Dann hätten wir mit ihr zumindest noch das Weihnachtsfest. Aber das war nicht im Sinne von mir und meinem mann, niemand in unserem kleinen Rudel sollte jemals leiden müssen, also hätten wir niemals diese “Tod auf Raten” gewollt.

In dem Moment wo ich seine Worte hörte, war ich wie im Film, alles um mich rum rauschte und wurde zuviel. Mir war heiß und kalt zugleich und alles war noch noch zuviel, ich konnte nicht aufhören zu weinen, und versuchte die Tränen vor meiner Maus zu verbergen, ich wollte ihr nicht noch mehr Angst machen. Als ich zuhause los gefahren bin, hatte ich es ja schon im Gefühl, dass es soweit ist, und darum einen Rucksack gepackt mit ihrem Lieblings-Kuscheltier und ihrer Lieblingsdecke. Mit dem Arzt wurde vereinbart, dass wir einen letzten Ausflug machen und abends zurück kommen würden, um den letzten Weg mit ihr zu gehen.

Die letzten gemeinsamen Momente

Mein Mann kam umgehend, um uns von der Praxis abzuholen und fuhr mit uns an den Hundestrand, dort wo wir so viele schöne Abenteuer erlebt hatten und wo die Welt immer in Ordnung gewesen war. Es war für uns alles so unwirklich, wir kämpften permanent mit den Tränen und sprachen kein Wort. Wir gingen einfach wortlos über den harten Sandstrand und die kalte der Dezemberluft tat gut. Unsere Maus hatte ich auf dem Arm, um ihre Kräfte zu schonen.

Wir setzten uns auf einen Stein und guckten stumm aufs Wasser. Dann ließ ich sie noch einmal runter, damit sie ein letztes mal den Sand unter ihren kleinen Pfötchen spüren konnte. Da rannte sie plötzlich los, mit letzter Kraft hüpfte sie umher aber fiel auch schnell wieder in sich zusammen. Wir saßen eine Stunde einfach nur so da, erzählten unserer Maus, dass wir immer für sie da sein werden und sie niemals vergessen werden, ganz egal wo sie nun hingehen würde, in unseren Herzen wäre sie immer bei uns. Für immer!

Wir versuchten ihr und uns Mut zu machen, auf das was uns in einigen Stunden erwarten würde, denn keiner von uns war darauf vorbereitet und niemand hatte eine Ahnung von dem was da passieren würde. Auf dem Rückweg hielten wir bei einer bekannten FastFod Kette und holten ihr einen Cheeseburger, da sie Käse so sehr liebte und nun durfte sie den warmen Käse ablecken. Aber auch hier war der Krebs zu groß und der Appetit ließ schnell nach. Sie japste immer stärker nach Luft und sah immer schlechter aus. Ich hielt die kleine Maus ganz fest in meinem Arm, während wir zurück zur Arztpraxis fuhren.

Unser letzter gemeinsamer Weg als Rudel

Dort angekommen, konnten wir direkt in das Behandlungszimmer durchgehen und der Arzt erklärte uns den Ablauf. Sie sollte zwei Spritzen bekommen, die eine zum Betäuben, damit sie nichts mehr um sich rum merkt und einschläft und die zweite war die Spritze zum Erlösen. Ich fragte mich die ganze Zeit, ob wir wirklich das Richtige machen würden, was wenn es doch Heilungsmöglichkeiten geben würde, aber ich wollte sie auch nicht weiter leiden lassen und jeder ihrer Blicke, sagte mir klar und deutlich, dass sie nun soweit sei, ihre letzte Reise anzutreten, mit uns an ihrer Seite, denn ein Rudel lässt niemanden im Stich.

Als der Arzt die erste Spritze ansetzte, saßen wir dicht aneinander gekuschelt nebeneinander und hatten unsere kleine flauschige Wolke auf dem Schoß. Sie war zugedeckt mit ihrer Lieblingsdecke und ihr Kuscheltier saß an ihrem Kopf. Wir hielten sie ganz fest und streichelten sie. Als die Spritze gesetzt wurde, ging alles plötzlich ganz schnell. Sie wurde erst ganz schwach, ihr Körper kippte spürbar weg und dann bäumte sie sich schreiend nochmal auf, nochmal und nochmal. Sie kämpfte mit sich und dem Leben.

Dieser Anblick zerriss uns das Herz und machte alles nur noch schlimmer, aber wir taten das richtige, da waren wir uns so sicher. Wir blieben auch bei ihrem Kampf tapfer, hielten sie einfach fest, sprachen leise und ruhig mit ihr und sagten ihr immer wieder, wie sehr wir sie liebten. Wir ließen keine Tränen zu, solange sie noch lebte, denn wir wollten, dass sie gut über die Regenbogenbrücke kommt und nicht mit Sorgen von uns gehen muss. Nach kurzer Zeit kam dann der Arzt zurück und setzte die zweite Spritze, angeblich hätte sie da schon nichts mehr mitbekommen.

Als wir raus aus der Praxis waren brach alles aus mir raus, denn meine kleine heile Welt war zerstört worden, mein geliebtes kleines Mädchen war nicht mehr bei uns. Ich brach zusammen, schrie und weinte, ich konnte einfach nicht damit aufhören, es tat einfach so weh. Ich wollte bei ihr sein, verstand die Welt nicht mehr und wäre am liebsten auch gestorben. Bis heute kann ich nicht beschreiben, was damals da alles in mir vorgegangen ist.

Eine magische Erinnerung

Die nächsten Tage waren geprägt von Trauer und Wut und ganz viel stille, denn unsere Wohnung war nun leer, kein Körbchen stand mehr da, kein Spielzeug lag im Weg und das ich nun nicht mehr Gassi gehen bräuchte wollte ich einfach nicht verstehen. Draussen sah ich überall nur noch kleine weiße Hunde und nachts hatte ich Alpträume. Zweifel machten sich immer mehr breit, ob wir wirklich das richtige getan hätten und die Zweifel sind bis heute geblieben, was wir aber ganz sicher wussten, war, dass wir unser Versprechen gehalten haben, und sie bis zum Schluss nicht alleine gelassen haben.

Einige Tage später hatte ich den plötzlichen Drang rauszugehen und lief ziellos ins nächste Einkaufscenter. Dort steuerte ich den nächsten Juwelier an und sah mich um. In einer Ecke, die gerade aufgebaut wurde, stand eine Vitrine mit Ohrringen und der passenden Kette. Diese war filigran gearbeitet und bestand aus drei kleinen Sternen. Auch die Ohrringe waren Sterne. Plötzlich hatte ich ein komisches Gefühl, es fühlte sich in mir drin ganz warm an und ich hatte das Gefühl, als würde meine weiße Maus neben mir stehen, ich konnte ihre Nähe richtig spüren, es war so unheimlich aber tat zugleich auch so gut. Irgendwas in mir schrie, dass ich dieses Set kaufen musste und so kaufte ich es und seitdem trage ich nur diese Ohrringe und Kette. Ich habe sie nur zum sauber machen abgenommen.

Ich werde dieses Gefühl, welches ich da beim Juwelier hatte, niemals vergessen, ich bin mir aber ganz sicher, dass sie irgendwie da war. Seitdem sprechen wir von ihr nur noch als unser kleiner Stern und immer wenn wir im Urlaub sind, können wir am Himmel unseren kleinen Stern ganz hell leuchten sehen und irgendwann sind wir alle wieder miteinander vereint, als ein gemeinsames Rudel.

Für immer miteinander verbunden

Wenn meine kleine weiße Wolke etwas war, dann mein erster Seelenhund. Wir hatten viele ähnliche Schicksalsschläge in unserem Leben hinnehmen müssen und haben uns einfach wortlos verstanden. Wir haben unsere Seelen gegenseitig aufgebaut und nach und nach etwas Heilung gegeben. Ein Seelenhund stirbt niemals, er wird dich immer ganz tief in deinem Herzen begleiten, und das merke ich immer wieder aufs Neue.

Es gibt so viele Momente, in denen ich sehr verzweifelt oder überfordert bin, und dann habe ich das Gefühl, dass sie bei mir ist, oder von oben auf mich runter guckt. Es gab sogar nachte, an denen habe ich geträumt, dass sie hier bei uns ist und mir im Traum die Lösung für das Problem aufzeigt. Das war gerade in der schweren Anfangszeit mit Reva so. Ich hatte da öfters das Gefühl, dass sie Nachts bei mir ist, und mir im Traum die “Lösung” zeigt.

Ganz egal, ob vieles Einbildung ist, oder ob es wirklich passiert ist, für mich gibt es auf dieser Welt so viel mehr Dinge, die man nicht beschreiben kann, daher glaube ich auch hieran und das ein Seelenhund auch nach seinem Tod, einen immer begleiten wird. Und so werden wir beide immer füreinander verbunden sein.

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