đŸŸ Revas und Laskas Hundeleben

Reva und die Angst vorm Tierarzt

Es geht um Onkel Doktor

Als wir Reva damals abgeholt haben, sind wir direkt mit ihr zum Tierarzt gefahren, denn wir wollten sicher gehen, dass es ihr gut geht und die kleine Maus gesund ist. Immerhin wurde sie einige Tage lang in eisiger WinterkĂ€lte mit dem Transporter von Russland nach Deutschland transportiert. Da wir damals kurz vor Feierabend beim Tierarzt eintrafen, waren wir die letzten “Patienten” und Reva durfte sich frei bewegen. Den Tierarzt selber, kannten wir bereits sehr gut, da wir hier immer mit unserer alten HĂŒndin waren.

Reva sah sich ganz in Ruhe alles an und durfte durch den Behandlungsraum laufen, wĂ€hrend wir auf den Arzt warteten. Als dieser kam, nahm er behutsam Kontakt zu Reva auf und fĂŒhrte die ĂŒblichen Untersuchungen durch. Ihr Herz und die Lunge wurden abgehört, es versuchte sie zum Husten zu bringen, tastete die Gelenke ab und schaute sich ZĂ€hne, Augen und Ohren an. Reva bekam jede Menge Kekse von der lieben Tierarzthelferin und konnte alles positiv verknĂŒpfen.

Unser Tierarzt hatte sogar ein Welpentraining im Angebot, welches wie eine Spielstunde zum Feierabend hin, aufgebaut war. Ich ĂŒberlegte zwar, dieses zu versuchen, aber da sie das damals so gut machte, ließ ich dann doch davon ab. Leider ging es Reva ich einigen Tagen nicht so gut, so dass wir mehrmals hintereinander mit ihr zum Arzt mussten, was sie immer super meisterte und nie Angst zeigte. Wir waren in dem ersten Monat wirklich oft beim Tierarzt, aber nie gab es mit Reva Probleme oder von ihr gezeigte Ängste.

Das war der erste Tierarztbesuch mit Reva gewesen.

Plötzlich ist da diese unerklÀrliche Angst vorm Tierarzt

Bis wir dann einige Wochen spĂ€ter einen kleinen OP-Marathon hinlegen mussten. Erst brach sich Reva an einem Hirschgeweih, welches sie zum Kauen bekam, aufgrund des Zahnwechsels, zwei ZĂ€hne ab, wovon einer in Vollnarkose gezogen werden musste, da hier die Nerven des Zahnes frei lagen und ich einfach kein Risiko eingehen wollte. Nur wenige Wochen spĂ€ter folgte die Kastration und nochmal zwei oder drei Wochen spĂ€ter, wurden die ĂŒberstehenden MilchzĂ€hne in Vollnarkose gezogen, die einfach nicht ausfallen wollten.

Und irgendwann zwischen all diesen ganzen OP-Terminen muss sich bei Reva eine Angst vorm Tierarzt entwickelt haben. Wir mussten sie ja immer vorne am Empfang abgeben und sie wurde dort immer liebevoll betreut, bis wir sie wieder abholen konnten. Keine Ahnung was da passiert ist oder weswegen sie diese Angst entwickelt hat, aber sie war plötzlich da. Es fiel mir das erste Mal auf, als ich mit ihr zu einer Nachuntersuchung gehen wollte, da weigerte sie sich, in die Praxis zu gehen und wollte hinterher nur noch schnell raus.

Und irgendwie ist diese unerklĂ€rliche Angst bis heute geblieben. Mittlerweile mussten wir den Tierarzt wechseln, da unser alter Tierarzt auf ihre IBD nicht genĂŒgend spezialisiert war und wir durch Zufall, eine sehr gute TierĂ€rztin, die sogar gleich bei uns ums Eck ihre Praxis hat, gefunden haben, die sich mit dieser Krankheit sehr gut auskennt. Somit gehen wir tatsĂ€chlich regelmĂ€ĂŸig an der Praxis vorbei, was nie ein Problem darstellt. Reva geht immer entspannt vorbei, aber sobald wie wirklich auch da rein gehen mĂŒssen, muss sie das schon spĂŒren, denn dann ist da nichts mit entspannt dran vorbei oder hin gehen. Dann wird sofort der RĂŒckwĂ€rtsgang eingelegt und die Krallen in den Asphalt gestemmt.

Wir vesuchen, den Tierarztbesuch, so entspannt wie möglich zu gestalten.

So gehen wir mit der Arzt vorm Tierarzt um

Mir ist es sehr wichtig, dass Reva versteht, dass dort nix schlimmes passiert. Darum gehen wir immer zusammen zum Arzt, wenn ihre Medikamente leer sind und ich neue abholen muss. Das verbinde ich dann auch immer gleich mit dem notwendigen Kontrollwiegen. Interessanterweise hat Reva dann auch nie ein Problem damit, sie huscht zwar mega schnell wieder raus, aus der Praxis, aber das rein gehen ist unproblematisch.

Wenn wir einen wirklichen Termin haben, sieht das ganz anders aus. Je nach Tageslaune kann es durchaus etwas dauern, bis sie rein geht. Ich lasse ihr da aber ihre Zeit und versuche die Angst nicht weiter zu bestĂ€rken. Wenn wir dann angemeldet sind und im Wartezimmer auf unseren Aufruf warten, kann Reva einem wirklich leid tun. Da sitzt sie dann auf dem Boden, weint und jammert herzzerreißend. Ich habe dann, obwohl ich immer las, dass man dies nie tun sollte, irgendwann angefangen, Reva auf meinem Schoss sitzen zu lassen, wenn wir warten, da sie sich hier immer sicher fĂŒhlt. Ganz egal was Reva unruhig macht, aber das auf dem Schoss sitzen, bewirkt immer wahre Wunder.

So sitzen wir dann da, Reva auf meinem Schoss und ich lobe sie, wenn sie ruhig ist und versucht sich zu entspannen. Andere Hunde werden von ihr dann ignoriert. Wenn wir aufgerufen werden, trage ich Reva mittlerweile immer auf meinem Arm rein, auch wenn es komisch aussieht. Aber da Reva dann immer sofort den RĂŒckwĂ€rtsgang eingelegt hatte und ich sie nicht so blöd hinter mir herziehen möchte, ist mir das einfach lieber so. Ich möchte ihr ja zeigen, dass ich fĂŒr sie da bin und ihre Angst ernst nehme.

Reva und die Behandlung vom Tierarzt

Im Behandlungszimmer ist es dann wieder ganz anders. Dort taut Reva innerhalb von Sekunden auf und lĂ€uft neugierig durch den Raum. Unsere Ärztin möchte immer, dass die Tiere sich ungezwungen frei bewegen können und bespricht dann mit mir den Grund, warum wir dort sind, wĂ€hrend Reva sich umsieht und von der lieben Helferin jede Menge leckere Kekse bekommt.

Bei der Untersuchung versucht unsere TierĂ€rztin mich so gut es geht mit einzubinden und Dinge wie festhalten oder Maul öffnen werden oft vom Besitzer gemacht, wenn der Hund Ă€ngstlich wirkt, was bei Reva aber kein Problem ist. Reva hat bereits als Welpe ein Tierarzttraining von mir bekommen, allerdings nur zuhause, wo wir das abtasten und ins Maul gucken etc. geĂŒbt haben. Daher hat sie fĂŒr alle möglichen Behandlungen und Untersuchungen entsprechende Kommandos, die sie dann auch stolz ausfĂŒhrt. Hinterher gibt es richtig viele Kekse und Reva wird von der Ärztin ordentlich gekuschelt.

Sobald wir den Behandlungsraum verlassen und Richtung Kasse und Ausgang gehen, ist Reva wie ausgewechselt. Dann will der ganze aufgestaute Stress nur noch aus ihr raus, und Reva beginnt alle wartenden Hunde anzupöbeln und macht ein ordentliches Theater. Tja, was soll ich sagen, mein Hund ist halt (etwas) komischđŸ€Ł. Beim bezahlen wird dann ordentlich gequengelt, denn Madame PlĂŒschpo möchte nur noch da weg. Sobald wir draussen sind, wird erst einmal gepinkelt und alle Hunde die wir dann sehen, werden angepöbelt.

Nach dem Arztbesuch ist Reva immer ganz mĂŒde und schlĂ€ft sich aus.

Da wir Reva mittlerweile gut kennen, können wir entsprechend reagieren und wissen, wann sie Angst hat und unsere NĂ€he bzw. UnterstĂŒtzung braucht und wann sie einfach ĂŒbertreibt und ich das gezeigte Verhalten lieber ignorieren sollte, um es nicht zu bestĂ€tigen.

Auch wenn ich hierzu viel im Netz gelesen habe und auch von Hundetrainern oft gehört habe, dass man auf dieses Jammern und das Zittern beim Warten nicht eingehen sollte, da dies nur noch schlimmer werden wĂŒrde, bin ich fĂŒr Reva dann da, denn sie hat Angst und die soll sie nicht alleine durchstehen mĂŒssen. Es ist fĂŒr mich ganz normal, dass ich versuche fĂŒr sie da zu sein. Und ich habe nicht das GefĂŒhl, dass einfache NĂ€he und Geborgenheit, die Angst unterstĂŒtzen. Ich achte sehr darauf, dass ich sie nicht anspreche oder fĂŒr das Ă€ngstliche Jammern bestĂ€tige. Denn das wĂŒrde, zumindest bei Reva, ich damit tun. Aber hier ist jeder Hund anders und jeder sollte schauen, wie er seinem Hund am besten durch so eine Situation helfen kann. Mir persönlich tut es immer weh, wenn ich beim warten einen sehr Ă€ngstlichen Hund sehe, der traurig seinen Besitzer anblickt und dieser lieber auf sein Handy starrt oder seinen Hund ignoriert. Aber auch Besitzer, die dann ziemlich grob mit ihrem Hund sprechen oder umgehen, habe ich schon erlebt, was ich nicht verstehen kann. Jeder muss das aber, wie gesagt, ganz fĂŒr sich selbst entscheiden.

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