🐾 Revas Hundeleben

Reva und die IBD

Damit hätte niemand gerechnet

Als Reva einzog war sie ein Welpe von 14 Wochen, niemals hätten wir damals damit gerechnet, dass sie chronisch krank sein würde und welcher langer, harter Weg in den nächsten Monaten uns bevorstehen würde. Es war ein hartes Auf und Ab, wobei es meist eher Abwärts als Aufwärts ging und auch wenn es wirklich nicht einfach war, vor allem für Reva, haben wir es geschafft und konnten lernen mit der Krankheit umzugehen. Aber zurück auf Anfang:

In den ersten Wochen nach Revas Einzug wunderte ich mich ehrlich gesagt, nicht wirklich über den schlechten Kot, denn ich stellte sie direkt beim Einzug auf ein neues Futter um, da wir nicht wussten, was sie in Russland auf ihrer Pflegestation vorher zu fressen bekommen hatte und daher dachte ich, dies sei der Futterumstellung geschuldet. Dann kamen die vielen Wurmkuren, da Reva regelmäßig von Parasiten befallen war, daher dachte ich auch hier, dass der komisch aussehende und breiige Kot hiervon kommen würde. Kurz darauf folgten drei Operationen in Vollnarkose und der Zahnwechsel, der Reva stark zu schaffen machte. Damit hatte ich gleich den nächsten Übeltäter, aber niemals hätte ich an Dinge wie eine chronische Krankheit oder Allergie gedacht.

Die Wochen und Monaten vergingen, wir waren fast jede Woche einmal beim Tierarzt, denn wie gesagt, mal waren es die Würmer, dann der Zahnwechsel, dann die Kastration und das Zähneziehen des abgebrochenen neuen Zahns sowie der Milchzähne die nicht weichen wollten. Ständig war etwas, wir wurden immer gestresster und übersahen dabei total die ganzen Anzeichen einer schlimmen Krankheit. Auch wenn wir unserem Arzt von dem komischen Kot erzählten, fand dieser genau wie ich immer einen guten Grund und sah keinen Grund zur Beunruhigung.

Es gab so viele Anzeichen

Als Reva dann sechs Monate alt war, beruhigte sich der Arztmarathon allmählich aber der Kot blieb komisch. Diesmal konnte ich keine Dinge als Auslöser erkennen, denn das Futter war das selbe wie in den letzten Wochen zuvor auch und auch ihr Tag war nicht wirklich stressig. Und Parasiten hatte sie laut Kottest auch keine mehr.

Eines Abends bemerkten wir dann, dass sich Reva immer wieder an die Pfoten ging. Statt einzuschlafen und Ruhe zu finden, wurde Reva mit Beginn des Abends immer unruhiger, drehte sich hin und her und leckte sich die vorderen Pfötchen ab. Das Lecken wurde dann schnell immer exzessiver und irgendwann nagte sie richtig stark daran.

Ich war geschockt, denn das war mir absolut neu und da Reva bis vor wenigen Tagen nachts immer in ihrer Box geschlafen hatte, war mir dieses Verhalten noch nie aufgefallen. Die ganze nacht über war ich damit beschäftigt gewesen, Reva vom lecken und benagen der Pfote abzuhalten. Am nächsten Tag ging es dann wieder zum Tierarzt, dieser tippte auf Mangelernährung, da Reva ja damals noch gebarft wurde, und sagte ich solle damit aufhören und lieber Trockenfutter geben. Ich barfte schon lange aus Überzeugung und wollte damit nicht aufhören, zumal ich mir sicher war, dass Reva keinen Mangel hatte.

Außerdem erklärte dies nicht den Kot, der war nämlich noch immer breiig und komisch verfärbt. Es gab Tage, da war er mal fast normal, wie ich es von meiner alten Hündin auch kannte, aber in der Regel blieb der Kot breiig, stark verfärbt und extrem stinkend. Einige Tage später war dann der Höhepunkt gekommen, denn Reva statt Kot kam nur noch Wasser und jede Menge Blut heraus.

Umgehend fuhr der Hundepapa mit Reva zum Tierarzt, allerdings diesmal zu einem anderen, denn dieser war viel dichter an uns dran und ich wollte, dass Reva sofort behandelt werden kann. Bei dem alten Arzt hätten wir erst die Mittagspause von drei Stunden abwarten müssen, aber da Reva extrem schwach wirkte, drängte in meinen Augen die Zeit.

Ein neuer Arzt, ein neuer Verdacht und jede Menge Probleme

Als der Hundepapa vom Arzt kam hörte ich aufmerksam zu und war danach leicht überfordert, denn ich konnte irgendwie nicht mehr folgen. Die Ärztin hatte den Verdacht auf Giardien geäußert, und uns zum Kotsammeln verdonnert. Der Hundepapa erzählte von dem Behandlungsplan und ich war echt geschockt, dass ich mein armes Hundekind wohl anscheinend mehrere Monate mit Giardien rum laufen ließ. Danach hieß es putzen, putzen, putzen und alle Hundekumpels der letzten Wochen und Monate wurden kontaktiert so gut es ging. Leider hatte dies jemanden interessiert und fast alle reagierten gleich: “Solange mein Hund keine Symptome zeigt, werde ich auch keinen Kot sammeln und testen”. Mensch, ich hasse diesen Satz, denn gerade erwachsene und gesunde Hunde, können keine Anzeichen vorweisen aber trotzdem befallen sein.

Somit verzichtete ich auf weitere Begegnungen mit diesen Hunden und tat alles, damit Reva schnell gesund werden würden. Wir waren einen Monat frei von Giardien und dann kam direkt die nächste Ladung dieser lästigen und sehr gefährlichen Biester. Und direkt nach dem zweiten Befall folgte ein dritter Befall.

Wieder waren wir bei der Ärztin, bei der wir mittlerweile geblieben sind und wo wir mindestens einmal die Woche zur Untersuchung waren, denn es war weiterhin alles so komisch. Die Giardien waren unsere besten Freunde geworden, das Lecken und Nagen an den Pfoten blieb bzw. wurde immer stärker, obwohl ich das Futter aufgrund der Giardien gewechselt hatte und mittlerweile hatte Reva überall am Körper kleine rote Hot-Spots sowie komische Pickel auf der Haut verteilt. Die Ärztin konnte sich das nicht erklären und ließ eine Kollegin aus der selben Praxis drauf schauen, da diese spezialisiert ist auf Dinge wie Allergien und besondere Krankheiten.

Tja und was soll ich sagen; diese Ärztin drehte das Blatt total um. Sie hörte sich alles an, unseren ganzen Krankheitsweg mit Reva, sah sich alles an ihrem Körper an und haute dann ihre Vermutung heraus. Es wurde vermutet, dass Reva eine chronische Darmentzündung hat, welche sich in Dünn- und Dickdarm ausbreitet und die Abkürzung IBD trägt. Die IBD ist nicht heilbar und kommt meist mit vielen Unverträglichkeiten und Allergien einher, weswegen Reva sich wohl die Pfoten lecken und benagen würde. Außerdem seien die ganzen Giardienfälle eher ein Symptom einer Krankheit zu betrachten.

Die Therapie und die große Futtersuche beginnt

Die Ärztin machte mehrere Tests mit Reva um die IBD diagnostizieren zu können, unter anderem wurde ihr Kot untersucht und auch der Darm. Man fand heraus, dass ihr Enzyme fehlen, um rohe Dinge richtig verdauen zu können, was bedeutete, dass nun das Barfen nicht mehr möglich war. Dann bekamen wir einen Medikament mit, welches nur geholfen hätte, wenn Reva wirklich IBD hätte und ja, dieses Medikament half wahre Wunder. Es war ein Antibiotikum welches nur lokal auf den Darm wirkt und den restlichen Körper nicht anspricht.

Ein Hund ohne IBD hätte hierauf nicht reagiert und weiterhin seine Symptome gehabt, aber bei uns war es ein wahres Wundermittel, denn innerhalb von wenigen Tagen verbesserte sich Revas Zustand. Außerdem bekamen wir ein spezielles Futter vom Arzt mit, denn es hieß nun Ausschlussdiät führen. Der Kot war nach bereits nach zwei Tagen endlich fest, das erste Mal, seitdem Reva bei uns lebte, man habe ich mich gefreut.

Da ich von dem Futter des Arztes nicht so ganz überzeugt war, suchte ich im Fachhandel nach besseren Alternativen und wir mussten sowieso alle sechs Wochen weitere Fleischsorten hinzunehmen, um zu schauen, wogegen Reva allergisch reagiert. Da mir Reva irgendwann nur noch leid tat, ging ich zu dem Futter der Ärztin zurück und hörte mit der Suche nach weiteren Auslösern auf, denn ich wollte meinem Hund nicht mehr diese Schmerzen eines Schubes antun.

Ein IBD-Schub von Reva kurz erklärt

Sobald Reva etwas frisst, was sie nicht verträgt, und sei es nur ein Stück Trockenfutter oder Leckerli, reagiert sie direkt mit einem harten, geschwollenen Bauch. Reva beginnt zu stöhnen und rollt sich direkt zusammen, da sie dann schlimme Bauchkrämpfe hat. Sie speichelt dann sehr viel und der Kot bleibt direkt eine Woche breiig und schlecht. Auch das Lecken an den Pfoten beginnt noch am selben Tag.

Unser weiterer Weg

Laut der Ärztin gibt es IBD Fälle die leichter sind und auch einige, die schwerer verlaufen, als andere. Man sollte daher alle drei Monate das Medikament, welches uns so gut hilft, für zwei Wochen aussetzen und abwarten was passiert. Bei einem schweren Verlauf der IBD würde das Medikament ohnehin nicht wirken, aber bei einem leichten oder mittelschweren verlauf könnte es sich nach einiger Zeit verbessert haben.

Wir haben dieses Testen ganze zweimal versucht und uns danach, in Absprache mit unserer Tierärztin natürlich, dagegen entschieden, denn Reva ging es direkt einige Stunden nach dem Absetzen schon schlechter. Der Kot war direkt breiig, Reva hatte Bauchweh und speichelte ganz schlimm. Zudem übersäuerte sie dann sehr schnell und hatte ohne Ende Sodbrennen. Das hat uns dann gereicht und wir haben uns dafür entschieden, ihr das Medikament auf Dauer zu geben, ohne weiteres Testen, denn wir wollten einfach nicht, dass Reva weiter leiden muss.

Und so vergingen nun fast vier Jahre, die wir nun mit der Diagnose IBD leben. Wir mussten immer mal wieder das Futter wechseln, aber haben nun eines was sehr gut vertragen wird und bei welchem wir hoffentlich nun lange bleiben können. Ich kann nur sagen, jede IBD ist anders, ich habe mittlerweile zu vielen anderen Kontakt, wo der Hund auch IBD hat und jeder Verlauf ist anders. Bei jedem Hund wirkt ein anderes Medikament besser als beim anderen und jeder hat seine ganz eigenen Symptome. Der eine hat Durchfall, der andere nur breiigen Kot. Aber eines haben alle gemeinsam, die ganzen Allergien und die Bauchschmerzen sowie die Giardien als Symptom, da diese immer wieder auftreten. Übrigens berichten alle anderen Betroffenen auch, dass bei ihren Hunden der Darmaufbau nix bringt und nur neue Schübe hervor ruft. Das musste ich leider auch feststellen und deswegen, habe ich nun seit drei Jahren den Darm nicht mehr versucht aufzubauen, denn dieser ist durch die IBD komplett “zerstört”, ganz egal was man macht.

Ich habe gelernt, mehr auf Kleinigkeiten zu achten, auch wenn ich damit ein Stück weit Helikopterhundemama geworden bin, so ist mir das egal, denn mein Hund und seine Gesundheit sind das wichtigste für mich.

Wir haben lange gebraucht, bis wir herausfanden, was Reva fehlt und wogegen sie Allergisch ist. Seitdem ist aber alles in Ordnung, wir vermeiden diese Dinge konsequent und auch wenn es mir schwer fiel, habe ich mich mittlerweile daran gewöhnt, meinem Hund sein Leben lang Antibiotika geben zu müssen. Aber es hilft ihm und das ist für ich einfach das wichtigste. Mir hat es in dieser Zeit, sehr oft mein Hundemamaherz gerissen, denn ich fand es so schrecklich, dass Reva so sehr leiden musste, aber mittlerweile haben wir unseren Weg gefunden und es geht Reva mit ihrem Medikament sehr gut.

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