🐾 Revas Hundeleben

Reva und die Welpenstunde

Von der Idee, eine Welpenstunde zu besuchen

Nachdem Reva bei uns eingezogen war und ich den ersten Schock über ihr dominantes Verhalten, langsam verdaut hatte, war ich mir unsicher, ob ich einfach so mit ihr, in einen Hundeauslauf gehen sollte. Ich hatte noch nie einen Hund gehabt, der gerne mit anderen Hunden spielen wollte oder der sich nach Artgenossen sehnte, aber das wollte ich Reva natürlich ermöglichen und so beschloss ich, meine Hundetrainerin anzurufen. Diese hatte mir bereits bei unserer ersten Hündin, tolle Starthilfe gegeben und auch den Hundeführerschein hatten wir damals dort absolviert.

Ich mochte ihre Art mit Hunden umzugehen und fand es wichtig, dass ein Profi mal über das Verhalten meines Welpen schaut, bevor ich sie an fremde Hunde ran lasse, denn ich hatte einfach keine Ahnung davon, wie richtiges Spielen bei Hunden abläuft und aussieht oder was ich im Mobbingfall am besten machen sollte.

Also griff ich zum Hörer, erklärte unsere Situation und obwohl Reva bereits das Gruppenalter von bis zu 14 Wochen überschritten hatte, war die Trainerin gespannt und lud uns herzlich ein, vorbeizukommen. Sie sagte mir noch, dass ich mir das wohl nur alles einbilden würde und es keine dominanten Welpen bzw. dass es keine Dominanz bei Welpen geben würde, da sie das noch nicht kennen würden. Diese Aussage verwirrte mich zwar, dennoch freute ich mich sehr, auf die Welpenstunde am kommenden Wochenende.

Baby-Reva tobt am Hundestrand.

Hellikoptereltern gibt es auch bei den Hundebesitzern

Eigentlich versprach ich mir nix von der Welpenstunde, ich wollte lediglich einmal ihr Verhalten kontrollieren lassen und hören, ob sie sich Artgenossen gegenüber sozial verhält. Reva wohnte aktuell zwei Wochen bei uns und ihr Trainingsstand war, bis zu dem Tag, bei Sitz und Platz. Ich versprach mir also wirklich nix und dachte, wir wären das schlechteste Team.

Wir machten uns an einem Samstag im Januar, an dem es natürlich plötzlich schneite und eiskalt war, auf um mit Bus und Bahn, an das andere Ende von Hamburg zu fahren, denn dort sollte der Spaß stattfinden. Die Fahrt verlief super, aber wir hatten das auch kurz vorher noch geübt und daher war es nicht unsere erste Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Dort angekommen, ein freies Gelände welches an einen Wald angrenzte und nirgends eingezäunt war, hörten wir schon von weitem wildes Hundegebell und die Trainerin schrie uns entgegen, dass ich Reva ablehnen soll, damit sie spielen kann. Obwohl ich mit dem schlimmsten rechnete, leinte ich Reva ab und sie hüpfte fröhlich und völlig aufgeregt zu den anderen Welpen.

Schon als Welpe, hatte Reva nur Quatsch im Kopf.

Die Stunde bestand aus 11 anderen Welpen unterschiedlicher Größe und Alters und somit traf dort wirklich ganz klein auf schön etwas älter und größer und irgendwie war es das reinste Hau drauf. Da gab es einen Labrador der die anderen böse dominierte und ordentlich mobbte, aber nein, so etwas gibt es ja nicht bei Welpen, ich vergaß. Die Trainier machten gute Miene zum bösen Spiel und taten so, als wären sie nicht heillos überfordert, aber mir fiel es auf. Und was die Hundebesitzer betraf, so war es echt ein komisches Bild.

Von den stolzen Hundemamis, die Milcheinschuss bekamen, denn der Welpe spiele ja soooo süß und von Teileisen genervten Hundepapis, da diese alles dokumentieren sollten bis hin zu den Hellikoptereltern, die damit beschäftigt waren, hinter ihrem Welpen her zu rennen und ständig auf ihn ein zu quatschen, alles war dabei und die ganze Szene wirkte einfach nur wie aus einem schlechten Hundefilm. Und jeder versuchte sich zu überbieten. “Rückruf? Klar der klappt schon seit Tagen bei uns perfekt” oder auch “Unser Hund kann schon drei Tricks und ist hochbegabt” ach ja und “Ach unser bleibt schon drei Stunden super alleine und schläft jede Nacht 9 Stunden durch”, es ging hin und her, es war wie beim Tennis, sag ich euch.

Ich hielt mich da lieber raus, suchte keinen Kontakt und war lieber darauf konzentriert, Reva einfach nur zu beobachten. Als es die Trainerin sah, wurde ich nur damit abgefertigt, dass alles völlig normal und gut sei. Ich habe wohl nur meinen Welpen nicht lesen und einschätzen können, die Tage zuhause.

Reva strapaziert die Nerven der Hundetrainerin

Dann kam der Moment, wo das wilde Raufen, äh Sorry, meinte natürlich, das kontrollierte Spielen, beendet wurde und wir unsere Welpen zu uns rufen sollten. Die einzige die sofort kam, war Reva und ja, ich platzte vor stolz, denn bis dato haben wir das nie geübt und ich dachte immer, dass sie ihren Namen noch nicht verstanden hätte. Und dann hörte es ganz schnell auf mit dem stolz sein, denn nun sollte die erste Übung durchgeführt werden und nun zeigte Reva, dass ein kleiner Teufel in ihr steckt.

Die Übung sollte daraus bestehen, dass wir uns alle in einen Kreis stellen, dicht an dicht, den Hund zwischen unsere Beine stellen und wir uns über ihn beugen sollten, um den Karabiner der Leine immer wieder klicken zu lassen. Die Hunde sollten lernen, aufmerksam zu sein aber auch zu verstehen, dass es nicht sofort zum spielen geht und die Frustrationstolernz sollte hiermit geübt werden. Alle machten es wie gesagt, ohne zu hinterfragen, aber für mich fühlte sich das alles falsch an, daher stellte ich mich breitbeinig hin, nahm Reva lieber an meine Seite und hockte mich zu ihr hin. Das fand die Trainerin schon nicht wirklich gut, hielt aber noch den Mund, aber ihr Blick sprach Bände. Und dann…ja und dann kam der Teufel raus…

Unser erstes gemeinsames Bild.

Denn Reva fand es blöd bei Schnee und kälte rumzustehen und wollte lieber weiter toben. Sie schrie wie am spieß und es wurde immer mehr zum motzen. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder vor Scham im Boden versinken sollte. Eigentlich wollte ich beides. Da kam auch schon die Trainiert auf uns zu, ahhhh gut, endlich jemand der wirklich Ahnung hat. Sie hockte sich zu uns und zwickte Reva bei jedem motzigen Schrei in den Po. Reva war nicht wirklich beeindruckt und sah sie nur an, während sie dabei noch mehr motzte. Was nun folgte, war wirklich göttlich und ich mich so gerne vor lachen auf dem Boden gerollt, aber ich musste ja leider Ernsthaftigkeit zeigen.

Die Trainerin war nun ganze 10 Minuten damit beschäftigt, Reva auf diverse Arten zu massregeln und Reva störte sich nicht die Bohne daran, guckte nicht mal mehr hin und nahm es einfach hin, motzte natürlich munter weiter. Die Trainier, welche anfangs noch erklärte, dass man sich Respekt durch Massregeln verschaffen müsse, war immer genervter und das Gesicht mittlerweile Tomatenrot. Ich habe Reva in diesem Moment total gefeiert, denn ich wäre ganz genauso gewesen. Auch in mir schlummerte schon immer ein kleiner Rebell und Dickkopf und ich merkte, dass wir vom Charaktere gar nicht so verschieden sind. Die Trainier hörte auf und entließ Reva mitten beim Motzen ins wilde, ähhh kontrollierte Spiel mit den anderen, die natürlich keinen Stress gemacht hatten.

Die anderen begannen nun, mich komisch und abwertend anzusehen und die Trainieren meinte etwas wie, dass könne bei Welpen aus dem Tierschutz vorkommen. Als ich fragte, was ich denn nun machen könnte, wegen dem gezeigten Verhalten und ihrer Dominanz, bekam ich keine Antwort und die anderen durften der Trainerin stolz von ihren Fortschritten berichten, ehe die nächste Übung kam. Der Rückruf klappte wieder super und auch die Übung, das Tierarzttraining, lief super, und das obwohl sie sich damals noch nicht von mir anfassen ließ.

Danach folgte wieder “spielen” und Reva hatte schnell keinen Bock mehr, da sich ihr ein Rüde ziemlich stark aufdrängte. Die Trainerin meinte, da entdeckt er wohl gerade seinen Sexualtrieb. Äh, hallo, doch noch nicht im Welpenalter? Ich war mittlerweile einfach nur noch geschockt, über das Verhalten der, wie ich vorher fand, eigentlich recht kompetenten Trainerin. Reva versteckte sich nur noch hinter meinen Beinen, also nahm ich sie an die Leine, bezahlte die Stunde und verließ mit Reva diesen Chaoshaufen. Generell wäre es nur noch darum gegangen, Fragen zu stellen und ich hatte keine Lust mehr darauf. Ich war sehr froh, als wir im Bus saßen und nach Hause fuhren, denn wir waren wirklich durchgefroren. Ich habe dort eigentlich nichts gelernt, außer, dass ich nie wieder zur Welpenstunde will und das ich Reva einfach nur beobachten muss, um herauszufinden, was zu viel für sie oder richtig und falsch ist im Hundekontakt. Und so halte ich es bis heute.

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