🐾 Revas Hundeleben

… und dann kam Reva

Manchmal muss etwas enden, um etwas neues zu erschaffen

Niemals werde ich den Dezember 2016 vergessen, denn dieser brachte meine kleine, friedliche Welt ordentlich ins Wanken. Aus heiterem Himmel verstarb unsere so sehr geliebte Hündin an einer plötzlichen Krebserkrankung. Dieses Ereignis zog uns den Boden unter den Füßen weg. Plötzlich standen wir alleine da und waren völlig ratlos. Wie sollte es denn nun für uns weitergehen, so ganz ohne Hund? Die ersten Tage waren die schlimmsten, denn ich blieb noch immer in meinem Rhythmus und wollte dreimal am Tag zum Gassi gehen aufbrechen. Ich fühlte mich nutzlos und leer. Während mein Mann dafür war, diesen Schock zu verdauen und lieber eine Zeit lang ohne Hund sein wollte, wollte ich einfach nicht ohne Hund leben. Ein Bekannter meinte zu uns, dass wir entweder jetzt einen neuen Hund holen sollten oder es sonst nie wieder tun würden. Wir waren wirklich überfordert.

Eine Freundin von mir, konnte sich meine Trauer nicht lange ansehen und stellte für uns eine Anzeige ins Netz, dass wir einen älteren Hund suchen, der aus persönlichen Gründen ein neues zuhause auf Lebenszeit sucht. Innerhalb weniger Stunden fanden unzählige E-Mails den Weg in mein Postfach und ich war damit beschäftigt, dort vielleicht den passenden Hund zu finden. Die meisten waren wirklich ganz süß, aber mehr auch nicht. Keiner dieser Hunde weckte etwas in uns oder brachte etwas, für uns, besonderes mit. Am Ende des Tages entschieden wir uns dafür, die nächsten Monate ohne Hund zu bleiben, denn der richtige Hund würde uns ganz bestimmt von alleine finden. Also löschte ich alle E-Mails. Alle, bis auf eine, und genau diese eine E-Mail sollte unser Leben schon sehr bald verändern.

Reva im Alter von 6 Monaten.

Diese E-Mail entdeckte ich erst am nächsten Tag, ich hatte sie wohl beim löschen übersehen. Ich öffnete zuerst den Bildanhang. Da sass ein kleines, schmutziges Hundekind und blickte völlig verstört in die Kamera. Ich wusste nicht was ich fühlen sollte und war verwirrt. Als ich meinem Mann das Bild zeigte, begann dieser sofort verliebt zu lächeln und meinte “Ja, dieses Hundekind könnte ich sehr lieb haben”. Und eben dieses schmutzige Hundekind war Reva, welche zu dem Zeitpunkt noch Ztina hieß und sich zu dem Zeitpunkt im tiefsten Russland auf einer Pflegestation von einer privaten Tierschutzgruppe befand.

Eigentlich wollten wir nie einen Welpen haben, sondern immer nur ältere Hunde aufnehmen, um diesen einen schönen letzten Lebensabschnitt zu schenken. Und bei diesem niedlichen Wesen, handelte es sich nun doch um einen Welpen, aber da mein Mann schon so verliebt war, und ich unsere erste Hündin “ausgesucht” hatte, war er nun an der Reihe, denn ich wollte das sein gebrochenes Herz nun heilen und bald wieder lachen kann. Eigentlich traute ich mir diese völlig neue Aufgabe auch zu, denn Hundeerfahrung war ja nun doch schon vorhanden und so viele andere Hundehalter haben das Kapitel Welpenzeit gut überstanden. Meine größte Angst war es, in der Hundeerziehung zu versagen. Aber ich hatte zum Glück einige Freundinnen, die sich mit dem Thema Welpenzeit sehr gut auskannten und war daher recht optimistisch.

Mit diesem Bild wurde uns Reva damals vorgestellt.

Ganz viel Aufregung und jede menge Neues

Nur wenige Minuten später nahmen wir Kontakt zu der Absenderin der E-Mail auf und es folgte ein langes und ausführliches Telefonat. Wir waren so sehr berührt von der traurigen Geschichte des so unschuldigen Hundewelpen, dass wir uns sofort entschieden ihr ein neues zuhause auf Lebenszeit zu geben. Als wir uns mit der Vermittlerin geeinigt hatten und alles wichtige geklärt war, waren wir glücklich, denn in wenigen Wochen würde unser Hundekind einziehen.

Wir sprachen umgehend mit unserem Vermieter und meinem damaligen Chef. Bisher war es mir erlaubt gewesen meinen Hund mit zur Arbeit zu nehmen, aber ob das auch für einen Welpen galt? Zu meinem Erstaunen ließ dieser sich doch recht schnell erweichen und stimmte unter einigen Bedingungen zu. Ich sollte dafür Sorge tragen, dass der Welpe nicht umher läuft und den Betriebsablauf nicht stört. Ebenso sollte ich für Stubenreinheit garantieren. Ich war zwar etwas ratlos, wie ich das schaffen sollte bei einem Welpen, der bisher nur seine Pflegestation und das dortige Hunderudel kannte, aber ich wollte es schaffen.

Die nächsten Wochen waren ganz spannend und aufregend. Ich verbrachte meine freie Zeit mit dem Lesen von diversen Welpenratgebern, sprach mit zwei mir bekannten Hundetrainern, holte mir Tipps von einer Züchterin aus dem Bekanntenkreis und machte mir jede Menge Notizen zur Erziehung und allem anderen wichtigen. Das schönste war für mich der Einkauf der Welpenausstattung, denn ich liebe es einfach für meinen Hund einzukaufen. Dinge wie Hundebetten, Leine, Handtücher und Decken waren ja bereits vorhanden, aber trotzdem fehlte noch einiges. Ich suchte schönes welpengerechtes Spielzeug und einige Kauartikel für sie aus, kaufte eine dünne Schleppleine sowie eine Transportbox für die Nächte zuhause, da mir so viele hierzu geraten hatten, da hiermit wohl das erlernen der Stubenreinheit erleichtert würde. Um kleinen Missgeschicken im Büro vorzubeugen, kaufte ich auch noch eine waschbare Hundewindel. Von einer Freundin bekam ich eine Welpenleine sowie ein Welpengeschirr, eine faltbare Hundebox fürs Büro und eine alte Trainingsleine/Hausleine.

… und dann kam Reva

Und dann war er plötzlich da, der 23. Dezember 2016, der Tag von Revas Einzug. Reva kam bereits in der Nacht mit einem Transporter aus Russland in Hamburg an. Da wir aber beide keinen freien Tag bekommen hatten, musste sie leider noch den Tag über bei der Vermittlerin und weiteren zu vermittelnden Hunden, welche ebenfalls ankamen, bleiben.

Der Tag zog sich ewig. Zum Glück war auf der Arbeit nur wenig zu tun, denn ich war so nervös und konnte kaum still halten. Die Vermittlerin schickte mir alle paar Stunden ein kleines Update zu den Hunden, natürlich mit Bildern, was mich nur noch aufgeregter machte und die Stunden zählen ließ. Aber irgendwann war es endlich 17 Uhr und mein Mann wartete abfahrbereit vor dem Büro. Auf der Fahrt zur Vermittlerin war mir so übel, ich hatte so Angst davor, dass der Funken zwischen Reva und uns nicht überspringen würde. Vor Ort trafen wir eine Freundin von mir, welche als Hundetrainerin arbeitete und mir angebotenen hatte, sich den Welpen ganz genau anzusehen. Einmal tief durchgeatmet und wir klingelten.

Unser erster Ausflug und unser erstes gemeinsames Bild

Als die Tür geöffnet wurde, stand ein kleines, schüchternes Hundekind im Flur und blickte uns erwartungsvoll entgegen. Da bereits alle anderen Hunde abgeholt wurden, war sie der letzte Hund vor Ort. Ich setzte mich auf den Boden, Reva kletterte von alleine sofort auf meinen Schoss und blickte mir ganz tief in die Augen. Es fühlte sich an, als würde mich dieses flauschige kleine Wollknäuel, auf Herz und Nieren prüfen, ob ich wirklich zu ihr passen würde. Ich werde niemals diesen langen, prüfenden aber dennoch hilflosen Blick aus ihren großen und tiefbraunen Augen vergessen. Er berührte meine Seele ganz tief und es war, als würde mein kaputtes Herz schon jetzt zu heilen beginnen. Es war einfach unser großer, magischer Moment, der für immer unvergessen bleiben wird!

Als alles notwenige geklärt war, fuhren wir voller Stolz mit unserem Hundewelpen im Arm nach Hause, voller Vorfreude und völlig ahnungslos darüber, dass eben dieser kleine Hundewelpe alle meine Pläne über den Haufen werfen würde und kein Interesse an meinen Notizen oder meiner Vorbereitung hätte. Reva sorgte für ein ordentliches Durcheinander meiner Planung, aber das ist eine andere Geschichte.

4 Kommentare

  • Pixel_theWiener

    Ich habe euren Blog am Freitag verschlungen, da kam mir die Verspätung des Zugs und die anschließende Fahrt gerade recht. Das ist meine bisherige Lieblingsgeschickte. Ich war so gerührt und da steckt so unglaublich viel Liebe <3 drin!!
    Bitte macht genau so weiter 🙂

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